Das Milchmädchen

Anke Domaske ©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Redaktion

Während ihres Studiums in Göttingen gründet Anke Domaske ihr zweites Start-up. Inzwischen ist ihr Unternehmen QMilk der Start einer kleinen Material-Revolution. Im UNIfaktor erklärt sie beides: den Trick mit der Milch und den Weg zum eigenen Unternehmen.

Text: Christian Vogelbein

Wenn Anke Domaske ihre Geschichte erzählt, be­ginnt sie stets mit einem Witz: „Kommt eine 27-Jährige Laborantin zum Professor und erzählt, sie habe einen Stoff erfunden.“ Auch sie war 27 Jahre alt, steckte mitten im Biodiplom an der Universität Göttingen und hatte gerade einen Weg entdeckt, aus Milch und heißem Wasser Klamotten zu fertigen. „Ganz schön frech, oder?“, sagt sie heute mutig.

„Ganz schön frech, oder?“

Das hat sie nun davon. Anke Domaske ist ein Star. In der Presse, im Internet, im Fernsehen: Überall ist sie mit ihren Sachen gewesen. Überall darf und soll sie erzählen, wie das geht. Wie sie aus Milch einen Stoff macht, den Maschinen zu Kleidung verarbeiten. Das klingt so plakativ, so neu und anders, dass alle wissen wollen, was da vor sich geht in der Fabrikhalle in Hannover. Gut so für Domaske. Sie hat rund um diese Idee ein Unternehmen aufgebaut. Auch deshalb erzählt sie gerne und mit breitem Grinsen, wenn sie gefragt wird. Zum Beispiel, wie es losging mit Equipment für 200 Euro, kurz nach dem Studium. Das war vor drei Jahren, heute blickt sie zufrieden in die Werks­hallen: zehn Meter hoch, 3.000 Quadratmeter groß, 20 Mitarbeiter. Die ­‚Zauber‘-Maschine kostet fast drei Millionen Euro, ist drei Stockwerke hoch und produziert Fäden dünner als das menschliche Haar. Seit September läuft die Produktion, QMilk startet gerade richtig durch.

Dass Domaske dieser Erfolg überrascht, möchte man der jungen Frau mit überzeugendem Lächeln irgendwie nicht abnehmen. Und doch: „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir so viel Aufmerksamkeit bekommen“, sagt sie und meint die vielen Artikel, Bilder und Videos. Werbung hatte das junge Unternehmen nie machen müssen. „Ich hab gedacht, dass das nach dem ersten Hype nachlässt. Aber das Telefon klingelt immer noch.“ Zu Beginn war sie euphorisch, heute hat sie Respekt. Heute ist Domaske Unternehmerin. Mal wieder.

„Ich hab gedacht, dass das nach dem ersten Hype nachlässt. Aber das Telefon klingelt immer noch.“

Denn es ist nicht das erste Start-up, das sie führt. Mit 19 gründet sie ein Modelabel, Mademoiselle Chi-Chi. Kleidung entwirft sie seit der Kindheit, die Ur-Großmutter war Hutmacherin und hat ihr alles beigebracht. Sie liebt das Schöne und verehrt die Wissenschaft. Neben der Mode und einem halben Jahr Leben in Japan studiert sie Mikrobiologie und Wirtschaft in Göttingen, diplomiert und pendelt zwischen Labor und Schneiderstube. Als ihre Mode bei ‚Germanys Next Topmodel‘ getragen wird, erfahren auch ihre Kommilitonen von ihrem bisher ‚geheimen Doppelleben‘.

Weiterlesen: 1 2 3