Das Glück der Erde

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Marisa Müller

Ein Job am Schreibtisch stand für Thorben im Sande nie zur Debatte, denn der 20-Jährige macht gerade sein Hobby zum Beruf. Für die Ausbildung zum Pferdewirt mit Schwerpunkt klassische Reitausbildung ist er im vergangenen Jahr extra aus Lübeck ins 340 Kilometer entfernte Bettenrode bei Gleichen gezogen.

„Das ist nicht romantisch, das ist harte Arbeit“, sagt Thorben über den Beruf, den wohl viele als wahrgewordenen Kindheitstraum bezeichnen würden. Auch Thorben hat sich bereits als Kind von einer Freundin seiner Mutter für Pferde begeistern lassen. Fortan ging er in den Stall, während seine Altersgenossen auf dem Bolzplatz oder vor der Playstation rumhingen. Auch seine Familie hatte zunächst mit seiner Leidenschaft wenig am Hut, unterstützte ihn aber dennoch nach Kräften. „Mein erstes eigenes Pferd zu bekommen, war großartig“, erzählt er rückblickend.

In Bettenrode arbeitet und lebt Thorben heute mit auf dem Hof. Schon im Morgengrauen heißt es für ihn Pferde füttern, Ställe ausmisten und den Vierbeinern Bewegung verschaffen. Reitschüler, Angestellte, Hilfskräfte, Tierarzt und Hufschmied – überall wuseln Menschen umher, denn die rund 100 Tiere wollen schließlich versorgt sein. Das verlangt viel eigenes Engagement: „So lange sich nicht um alle Tiere gekümmert wurde, hat niemand Feierabend. So etwas wie feste Arbeitszeiten gibt es bei uns also nicht.“

Einmal in der Woche fährt Thorben zur Berufsschule nach Hannover. Dazu kommen Blocklehrgänge, und nicht zuletzt gehört natürlich Reitunterricht mit zu seiner Ausbildung. Springtraining und Dressurstunden sollen ihn in die Lage versetzen, später selbst unterrichten zu können und vor allem als Berufsreiter sein Geld zu verdienen. „Ganz ohne Vorkenntnisse ist es schwer, die Inhalte der Ausbildung zu erfüllen“, erklärt der junge Reiter.

Wer zuvor noch nie im Sattel gesessen habe, könne in den drei Jahren nicht alles Wissen erlernen. Allein der Umgang mit einem großen Dressurpferd verlange Übung, Gespür und auch ein wenig Begabung. Zuvor hat Thorben bereits freiwillig eine Einstiegsqualifizierung auf einem kleineren Hof absolviert. „Dort gab es viel weniger zu tun, auch der Fokus auf Reitsport war nicht gegeben“, erklärt er seine Wahl für Bettenrode.

Ab Herbst wird Thorben für die ersten Turniere antreten dürfen. Bis dahin heißt es aber noch üben, üben, üben. „Denn wenn man etwas erreichen möchte, muss man auch etwas dafür tun!“