das digitale land

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Text von: redaktion

Der IT-Experte Diethelm Heinen vom Multimedia-Netzwerk m2n über den Sinn von Netzwerkstrukturen und den Weg in die Informationsgesellschaft.

Herr Heinen, bei vielen IT-Unternehmen in der Göttinger Region herrscht Skepsis an der Notwendigkeit von Netzwerkstrukturen. Was kann ein Netzwerk wie m2n bieten?

Studien zeigen, dass kooperierende Unternehmen auf Dauer erfolgreicher sind. Jeder lernt daraus, wenn er sich mit anderen erfolgreichen Machern austauschen kann. Unsere Aufgabe ist es, die verschiedenen Entscheider zusammenzubringen und zu sehen, wie wir sie in ihrer Zielerreichung unterstützen können, etwa durch die Schaffung eines Rahmens, in dem es zu Geschäftskontakten und Wissenstransfers kommen kann. Ein wichtiger faktor ist die Kontinuität und Vielfalt der Angebote. Und wer will, kann die gemeinsamen Kontaktpunkte herstellen und ausbauen.

Bei einem Blick auf die Liste der 13 Gründungsmitglieder von m2n fällt eine starke Zentrierung auf Hannover ins Auge. Gibt es Pläne für vermehrte Aktivitäten in Südniedersachsen?

In der vorangegangenen EU-Projektphase lag ein Arbeitsschwerpunkt in der Region Hannover. Aber schon damals nahmen Unternehmen aus Oldenburg und Osnabrück am Projekt teil. Ebenso wurde das ZEM-Göttingen – die Zentrale Einrichtung Medien – mit einem spannenden Projekt gefördert. Die Kooperationsnachfrage von außen an das Projekt war schließlich so groß, das aus dem Projekt m2n der Verein gegründet wurde. Nun ist es das Ziel des Vereins, die Aktivitäten auf das ganze Land Niedersachsen und somit auch auf die Region Göttingen auszudehnen.

Wie schätzen sie das Potenzial der Region Göttingen in der IT-Branche ein?

Die Region hat von der Thematik her großes Potenzial und auch von der Fähigkeit zur Kooperation. Es sind in den vergangenen Jahren viele erfolgreiche Vernetzungsstrukturen entstanden. Jetzt muss es darum gehen, den Raum Südniedersachsen auch auf der Ebene IT kontinuierlich über eine Netzwerkstruktur zu entwickeln und anzubinden. Mit m2n streben wir einen hohen Vernetzungsgrad für das Land an, mit guten Verbindungen zu Ansprechpartnern in den wichtigen Bereichen. Das ist der Vorteil einer übergeordneten Landesstruktur: gute Kontakte und schnelle Informationsflüsse von und zu Einrichtungen auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Natürlich spielen in unserer globalisierten Welt die internationalen Verbindungen eine große Rolle. Wer seine Chancen ausreizen will, muss alle Möglichkeiten kennen und zu nutzen wissen.

Um Chancen zu nutzen, ist in erster Linie gutes Personal erforderlich. Das scheint nach Prognosen des Branchenverbandes Bitkom knapp zu werden. Wie stellt sich für Sie der viel beklagte Fachkräftemangel in der IT dar?

Einerseits wäre ein Fachkräftemangel natürlich ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen wachsen. In gewisser Hinsicht ein gutes Zeichen. Andererseits aber verhält es sich vielfach so, dass genug Personal vorhanden ist, dieses aber noch nicht über die Qualifikationen verfügt, die erforderlich werden.

Hier setzt eines der Vereinsziele an: Die Kooperation zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung. Wie wird das umgesetzt?

Die Multimedia Berufsschule in Hannover ist ein gutes Beispiel. Durch die unmittelbare Nähe zu den Unternehmen im m2n bleibt die Schule ständig auf Ballhöhe und kann die Ausbildung an die sich ständig verändernden Themen anpassen. Aber auch Fachhochschulen und Universitäten profitieren von der engen Kommunikation und Kooperation mit den Unternehmen der IT-Branche. Ziel ist es dabei auch immer, frühzeitig Trends zu erkennen, um auf der Aus- und Weiterbildungsseite möglichst zeitnah auf die Bedarfe der Unternehmen reagieren zu können.

Welche Projekte sind bereits aus m2n hervorgegangen?

Das Projekt „Jobs in Motion“ der ZEM an der Universität Göttingen ist ein hervorragendes Beispiel. Unter der Leitung von Martin Traub wurde Jugendlichen mit einem ganz neuen Konzept der informative Zugang zu Berufsbildern erleichtert. Kleine schnelle Clips, geeignet für die Ausstrahlung auch über das kommende Handy-TV. So kann man Jugendliche für klassische Berufe begeistern.

Ein anderes Beispiel ist das IBLC (Information Business Location Center) der Projektteilnehmer macina und foresee. Hier ist in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsfördergesellschaft Hannoverimpuls eine völlig neue mehrdimensionale Anwendung für die Vermarktung von Gewerbeflächen entstanden. So wurde ein Konferenztisch mit eingelassenem Touch-Screen-Monitor als Informationssystem über die Infrastruktur der Stadt Hannover entwickelt. Das IBLC konnte inzwischen erfolgreich nach Dubai exportiert werden.

IT-Innovationen gibt es auch auf Messen wie der CeBIT. Wie wichtig sind solche Messen für Ihr Networking?

Die CeBIT ist eine ausgezeichnete Veranstaltung zum Präsentieren von Produkten und Dienstleistungen, zum Knüpfen von Kontakten und zum Generieren von Geschäften. Das Land Niedersachsen bietet mit dem Gemeinschaftsstand zudem eine gute Gelegenheit, sich kostengünstig auf der Messe zu präsentieren. Viele Einrichtungen nutzen die CeBIT, um Veranstaltungen wie Kongresse, Symposien, Workshops und vieles mehr mit internationaler Ausrichtung durchzuführen. Networking hat viele Facetten. Auf jeden Fall ist es von Vorteil, einmal im Jahr die IT-Welt zu Gast zu haben.

Wie schätzen Sie die Zukunftsaussichten der IT-Branche ein?

Die Branche ist dynamisch wie immer, da wird ständig Neues hervorgebracht. Wie etwa das Zukunftsthema Handy-TV: Das Handy wird zum mobilen PC. Das ist eine Riesenchance für innovative Unternehmen. Ich bin sehr optimistisch, dass die Branche die Durststrecke hinter sich hat und wünsche mir, dass der gegenwärtige Schwung von Dauer ist. Dazu wollen wir mit m2n und weiter gehenden Aktivitäten beitragen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Diethelm Heinen (45) ist Geschäftsführer der Regio-Online GmbH in Hannover. 2003 hat der Göttinger das von der Europäischen Union geförderte Projekt m2n – Multimedia-Netzwerk Niedersachsen mit initiiert und die zweijährige Umsetzung koordiniert. Mehr als 20 Unternehmen und Einrichtungen beteiligten sich an dem Projekt. Im Zuge des Projektverlaufs war Heinen einer der Mitgründer des m2n e.V. und ist heute ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender. Ziel des m2n-Netzwerks ist ein besserer regionenübergreifender Informations- und Kommunikationsaustausch in der IT-Branche in Niedersachsen.

Interview: STEFAN LIEBIG Fotografie: SEBASTIAN MAURITZ