Das Buch zum Turm

© Georg-August-Universität Göttingen
Text von: redaktion

Historiker dokumentieren Notizbuch der Kirchenbaumeister von St. Jacobi aus dem 15. Jahrhundert.

Der Kirchturm von St. Jacobi prägt die Silhouette der Stadt Göttingen seit vielen Jahrhunderten. Wissenschaftler der Universität Göttingen dokumentieren nun das Kopial- und Rechnungsbuch des Turmbaus aus dem 15. Jahrhundert.

Bei dem Buch handelt es sich um eine einzigartige Quelle der norddeutschen Kirchen- und Architekturgeschichte. Gleichzeitig enthält es den ersten Beleg für die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Göttingen.

Der Turm von St. Jacobi wird seit 2009 restauriert; rechtzeitig zur Fertigstellung wird auch die wissenschaftliche Edition des Buches vorliegen.

Die ältesten Eintragungen im Buch stammen aus dem Jahr 1418 und beziehen sich auf den geplanten Turmbau. Es handelt sich dabei um Rentenbriefe und Verfügungen zugunsten des Bauprojekts aus dem Zeitraum von 1416 bis 1536.

Diese Aufzeichnungen wurden nach 1460 zum heutigen Kodex zusammengebunden und erst dadurch systematisiert – ein durchaus typisches Vorgehen für ein solches Langzeitprojekt in der damaligen Zeit. Erst der enorme organisatorische und finanzielle Aufwand, den der Turmbau für die auf sich allein gestellte Gemeinde bedeutete, führte zur Notwendigkeit, die rechtlichen und finanziellen Grundlagen – Baumeistervertrag, Rechnungen, Stiftungen und Testamente – auch schriftlich niederzulegen.

Weitere Aufzeichnungen dokumentieren beispielsweise die Einstellung eines Organisten, die Anschaffung von Messgeräten und Messgewändern oder die Anfertigung eines Uhrwerks. Den größten Umfang haben die für Göttingen einzigartigen Rechnungen über den Turmbau.

Angefangen vom Einstellungsvertrag des leitenden Baumeisters Hans Rutenstein über die Einrichtung der Bauhütte bis zur Beschaffung der Baumaterialien ergeben sich tiefe Einblicke in die Organisation und den Verlauf des Turmbaus sowie über die damaligen Löhne und Preise.

Die Projektkosten in Höhe von rund 30.000 Euro trägt zur Hälfte die VGH Stiftung, die andere Hälfte übernehmen die an der Restaurierung des Turmes beteiligten Firmen (Institut für Konservierung und Restaurierung, Fachbüro für Denkmalpflege/Elektro Pröger GmbH, Nüthen Restaurierungen GmbH & Co. KG, Holzbau Walde und Gebr. Lechte HWP GmbH). Die Kirchengemeinde trägt die Druckkosten des Werkes.