Das Blatt könnte sich wenden

Arno Brand
Text von: Redaktion

Südniedersachsen wird stets mit einer Menge positiver Attribute versehen - was auch gar nicht falsch ist. Dennoch wirft Arno Brandt im Gastbeitrag einen kritischen Blick auf die Region und ihre Perspektiven ­und findet klare Worte.

Aber trotzdem ist irgendetwas im Wandel der Zeit in Südniedersachsen schiefgelaufen. Nicht, dass die Region von der Straße des Erfolges abgekommen ist, ist das eigentliche Problem. Das war auch die Erfahrung vieler anderer Regionen in Deutschland, denen es aber zum Teil nach einer gewissen Zeit gelungen war, auf einen neuen Wachstumspfad einzuschwenken. In Südniedersachsen mangelte es vor allem an einer interkommunalen Kooperationsfähigkeit, um die gemeinsamen Potenziale und im Schulterschluss zusätzliche Ressourcen zu mobilisieren. Keiner anderen Region in Niedersachsen ist es zum Beispiel in der zurückliegenden EU-Förderperiode so wenig gelungen, Fördermittel für die eigene wirtschaftliche Entwicklung zu beschaffen.
Mit der neuen EU-Förderkulisse ergibt sich eine neue Weichenstellung, und das von der niedersächsischen Landesregierung in die Wege geleitete Südniedersachsenprogramm hat sich mittlerweile als ein gutes Bindemittel erwiesen, um die Kooperation der Landkreise und der Stadt Göttingen zu beflügeln.

Selbst Kritiker des Programms räumen ein, dass es den Schulterschluss der Hauptverwaltungsbeamten befördert hat, sodass inzwischen eine der größten Barrieren für eine prosperierende Regionalentwicklung aus dem Weg geräumt worden ist. Damit ergeben sich auch Chancen, vor allem interkommunale Projekte auf den Weg zu bringen, die eine gewisse Priorität in der Förderlandschaft genießen.
Gewiss sind die in Aussicht gestellten 50 Millionen Euro nebst ihrer – von wem auch immer – aufzubringenden Kofinanzierung keine Summe, von der Wunder zu erwarten wären. Für einen kräftigen wirtschaftlichen Impuls hätte es bestimmt eines größeren Betrags bedurft. Aber spannend ist dennoch, dass sich die südniedersächsischen Landkreise und die Stadt Göttingen in mehreren Runden an einen Tisch gesetzt und sich auf die Grundlinien eines gemeinsamen Programms verständigt haben, was das Blatt tatsächlich wenden könnte.

Das ist auf den ersten Blick vielleicht nicht viel, aber möglicherweise der Anfang einer Geschichte, die zwischendurch immer wieder gemeinsame Problemlösungen hervorbringen kann, die früher undenkbar gewesen wären, und die schließlich einen regionalen Schulterschluss bewirken wird, der andere Regionen, die für ihren wirtschaftlichen Erfolg bekannt sind, mehr als alles andere auszeichnet.
Das ist zumindest die positive Sicht der Dinge, und warum sollte man gleich zu Beginn – der Umsetzung des Südniedersachsenprogramms – eine andere Geschichte erzählen?[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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