Das Blatt könnte sich wenden

Arno Brand
Text von: redaktion

Südniedersachsen wird stets mit einer Menge positiver Attribute versehen - was auch gar nicht falsch ist. Dennoch wirft Arno Brandt im Gastbeitrag einen kritischen Blick auf die Region und ihre Perspektiven ­und findet klare Worte.

Arno Brandt wirft im Gastbeitrag einen kritischen Blick auf Südniedersachsen und seine Perspektiven ­und findet klare Worte.

Text & Foto: Arno Brandt

Wer sich in den letzten 20 Jahren über die wirtschaftliche Situation in Südniedersachsen kritisch äußerte, musste jedes Mal mit heftigem Widerspruch rechnen. Das ungeschminkte Bild war eben nicht gerade sehr schmeichelhaft für die dortigen politischen und wirtschaftlichen Akteure: Wer hört schon gerne, dass sich seine Region auf der Verliererstraße des Strukturwandels befindet.

Demografisch und wirtschaftlich zählt Südniedersachsen seit vielen Jahren zu den Sorgenkindern in Niedersachsen. Keine Region hat sich – abgesehen vom Landkreis Göttingen – im niedersächsischen Vergleich bei Beschäftigung und Wachstum schlechter entwickelt.
Das war übrigens nicht immer so. In früheren Zeiten galt Südniedersachsen eher als eine Vorzeigeregion, und ganz andere Wirtschaftsräume in Niedersachsen hielten die Schlusslaterne. Irgendwann gab es einen Strömungsabriss im industriellen Wandel, und seither gibt es einen scheinbar unaufhaltbaren Abwärtstrend. Das hätte auf diese Weise nicht unbedingt passieren müssen. Um die Potenziale der Region war es zu keiner Zeit schlecht bestellt.

Die Lage an der A7, die Anzahl großer und durchaus erfolgreicher Unternehmen, zwei renommierte Universitäten – darunter eine, die sich in den zurückliegenden Jahrzehnten einer Vielzahl von Nobelpreisträgern rühmen durfte – mehrere Hochschulen und eine ganze Reihe viel beachteter Forschungseinrichtungen bilden nicht die schlechtesten Rahmenbedingungen für die Wirtschaft einer Region. Kein Zweifel, es gab für die südniedersächsischen Landkreise auch limitierende Faktoren: Von dem angrenzenden Eichsfeld, dem strukturschwachen Nordhessen und den nicht gerade boomenden Nachbarregionen von Ostwestfalen-Lippe gehen zum Beispiel wenig Impulse aus, und die frühere Zonenrandförderung hat sich im Nachhinein auch mehr oder minder als ,Danäergeschenk‘ erwiesen. Auch eine Universität, die sich auf Grundlagenforschung und Exzellenz fokussiert, muss nicht unbedingt an erster Stelle den Kontakt zu den Unternehmen in Northeim oder Holzminden suchen.

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