Clever ausbilden

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Text von: redaktion

Chancen durch „Lehrstellen-Sharing“: Verbundausbildung ist für die Logistikbranche attraktiv.

Viele Betriebe möchten gern ausbilden, doch die Hürden sind für sie oft zu hoch. Gerade kleine Unternehmen können häufig nicht alle nötigen Ausbildungsinhalte abdecken oder den Organisationsaufwand nicht stemmen. Eine Alternative stellt die so genannte Verbundausbildung dar, bei der sich mindestens zwei Unternehmen eine Lehrstelle teilen. Auch für die Logistikbranche in Südniedersachsen bietet sie eine Chance. „Die kleinen Logistikunternehmen benötigen immer mehr Fachkräfte. Am besten passen die Beschäftigten, die selbst ausgebildet werden“, erklärt Klaus Richter vom Logistik-&MobilitätsCluster Göttingen/Südniedersachsen (L.M.C.).

Zusammen mit weiteren Partnern wie faktor möchte die Initiative REGIONALE Branchenvertreter von den Vorteilen der Verbundausbildung begeistern. Unterstützung finden interessierte Betriebe bei der Initiative Südniedersachsen für Ausbildung (ISA) und dem Projekt Regionale mit Sitz in der Volkshochschule Göttingen. „Die Betriebe bilden aus, wir übernehmen den Rest“, erklärt ISAGeschäftsführerin Maria Casan. ISA wird dann Arbeitgeber der Auszubildenden, die beteiligten Betriebe Vereinsmitglieder. Die Ausbildungsvergütung und alle weiteren Kosten teilen sie sich. Um die Organisation kümmert sich ISA, die Betriebe können sich so auf die fachliche Ausbildung konzentrieren. „Die Verbundausbildung ist keine Notlösung, sie kann die Ausbildungsqualität sogar steigern“, betont Maria Casan. Der Azubi lernt mehrere Unternehmen kennen und erhält eine umfassende Ausbildung, wovon jeder beteiligte Betrieb profitiert.

Bei der Verbundausbildung arbeiten die Ausbildungsinitiativen eng mit der Industrie- und Handelskammer zusammen. Laut Martin Rudolph, Geschäftsstellenleiter der IHK in Göttingen, ist die Verbundausbildung eine gute Möglichkeit für kleine Unternehmen, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen. Die Ausrichtung des Ausbildungsbetriebs und das Berufsbild der Lehrstelle müssten jedoch grundsätzlich übereinstimmen. „Es ist nicht sinnvoll, wenn ein Dienstleistungsunternehmen Industriekaufleute ausbildet.

Es muss passen“, erläutert Rudolph. Die Verbundausbildung in der Logistik eignet sich, um u. a. Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistung, Fachkräfte beziehungsweise Kaufleute für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen auszubilden. „Auch für Industrie- und Handelsbetriebe, die über eigene Lager und Versandabteilungen verfügen, sind Verbundausbildungen in Logistikberufen interessant“, erklärt Klaus Richter. Manche Betriebe verzichten auf Lehrstellen, weil ihnen der Planungszeitraum zu lang und das Risiko zu hoch ist. „In vielen Firmen reichen aber auch ‚verkürzte‘ Ausbildungen“, sagt Jeanne Hoffmann vom Projekt PROPER („Praxisoffensive zur Platzierung ein- und zweistufiger Regelberufe“).

Vermittelt werden Jugendliche, die vor allem an praxisorientierten Berufsbildern interessiert sind. Die Lehrzeit dauert nur zwei Jahre. Eine Erweiterung auf drei Jahre ist möglich.

Text: BERTI KOLBOW