©Alciro Theodoro da Silva
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Text von: Marisa Müller

Mark Stickel und Nico Brömsen sind Auszubildende zum Chemikant im dritten Lehrjahr bei Sartorius in Göttingen. Sie sind zwei von rund 150 Auszubildenden, die bei Sartorius in Deutschland derzeit einen von 19 IHK‐Berufen erlernen.

Sartorius unterstützt die Pharmaindustrie dabei, biologische Medikamente effizient und sicher zu produzieren und liefert beispielsweise Spezialfilter, Bioreaktoren und Einwegbehälter für die Pharma‐Produktion. Zudem ist das Unternehmen ein führender Anbieter von Instrumenten und Verbrauchsmaterialien für Labore. Von den weltweit 6.000 Mitarbeitern arbeiten mehr als 2.000 am Hauptsitz in Göttingen. „Ich habe mich schon in der Schule für Naturwissenschaften interessiert und bin bei meiner Suche nach einer interessanten Ausbildung schnell auf Sartorius gestoßen“, sagt Stickel. Sechs Bewerbungen und vier Monate später hatte er seinen Ausbildungsplatz sicher. Auch für Nico Brömsen war die naturwissenschaftliche Richtung von vornherein klar. Nach 20 versendeten Bewerbungen konnte er sich ebenfalls über eine Zusage von Sartorius freuen. „Sartorius ist hier in der Region einfach als guter Arbeitgeber bekannt. Deshalb habe ich mich dort beworben“, erklärt Brömsen und ergänzt: „Nach zehn Jahren Schule wollte ich endlich praktisch arbeiten und etwas Handfestes lernen.“

Die Ausbildung zum Chemikant ist dafür genau richtig. Chemikanten arbeiten überwiegend in der Produktion eines Unternehmens. Sie überwachen chemische Produktionsprozesse, bei Sartorius etwa die Herstellung von Sterilfiltern, die von der Pharmaindustrie zur Herstellung von Medikamenten eingesetzt werden.

In der Produktion sorgen die Chemikanten für einen reibungslosen Ablauf an den Anlagen und nehmen regelmäßig Proben während der Herstellung, um die Produktqualität zu überprüfen. Aber auch im Labor sind sie gefordert, denn die entnommenen Proben werden dort anschließend untersucht und analysiert. Chemikanten sind nicht nur im pharmazeutischen Bereich tätig, sondern auch in Unternehmen der chemischen Industrie, also bei Herstellern von Düngemitteln, Klebstoffen, Pflanzenschutz‐ und Desinfektionsmitteln, in Chemiefaserwerken und bei Produzenten von Kosmetika.

Mark Stickel und Nico Brömsen arbeiten zurzeit im Bereich Membranmodifizierung. „Membranen sehen mit bloßem Auge aus wie dünnes Papier. Unter dem Mikroskop sieht man aber, dass unsere Membranen eine viel kleinere, gleichmäßige Porenstruktur haben. Sie werden gefaltet und in unsere Filterkerzen eingebaut, mit denen Pharmakunden dann ihre medizinischen Wirkstoffe reinigen“, erläutert Brömsen. „Teilweise bringen wir auf die Membranoberfläche dann noch verschiedene Chemikalien auf, die die Filtereigenschaften der Membranen weiter verbessern“, ergänzt Stickel.

Neben dem Unterricht in der Berufsschule arbeiten die beiden während ihrer Ausbildung je bis zu zwei Monate in verschiedenen Bereichen des Unternehmens, z.B. in der Azubi‐Werkstatt, im Labor oder in der Produktion. Damit bekommen sie einen guten Überblick. „Inzwischen kennen wir die Abläufe hier und dürfen sehr selbständig arbeiten“, beschreibt Stickel seinen Arbeitsalltag.

Um seinen Azubis ein fundiertes Wissen zu vermitteln, kooperiert Sartorius für die ChemikantenAusbildung unter anderem mit der Georg-August-Universität Göttingen und dem Aromastoffhersteller Symrise aus Holzminden. „Die Basics für die Arbeit im Labor haben wir an der Uni gelernt – eine Abwechslung zur Arbeit in der Produktion“, erklärt Brömsen. Der 22‐jährige Stickel hat die Abschlussprüfung bereits hinter sich und weiß, was auf die anderen zukommt: „Wie auch in unserem späteren Beruf ist die Prüfung zweigeteilt: Man muss eine Montage an einer Maschine durchführen und ein paar analytische Aufgaben im Labor lösen. Aber die Ausbildung bei Sartorius hat uns gut vorbereitet, sodass das für uns alle machbar ist“, sagt er und motiviert seinen Kollegen, der noch ein halbes Jahr vor sich hat.

Nach ihrem Abschluss werden beide bei Sartorius bleiben. Auch eine spätere Weiterbildung ist nicht ausgeschlossen. „Vielleicht schließe ich noch den Meis­tertitel oder ein Studium an“, sagt Stickel. Was man braucht, um den Beruf zu ergreifen, darüber sind sie sich einig: „Ein gutes technisches Grundverständnis und naturwissenschaftliche Kenntnisse sind unverzichtbar.“ Wichtig seien auch eine sorgfältige Arbeitsweise und die Fähigkeit, mit anderen im Team zu arbeiten, um große Produktionsanlagen gemeinsam zu steuern. Chemikanten werden über dreieinhalb Jahre ausgebildet. Wer in der Berufsschule einen Zweier‐Durchschnitt hat, kann die Ausbildungszeit um ein halbes Jahr verkürzen.

Sartorius stellt zwei Chemikanten‐Azubis pro Lehrjahr ein. „Ich würde die Ausbildung auf jeden Fall weiterempfehlen“, sagt Nico Brömsen. „Aber viele Schulabsolventen wissen gar nicht, was man dabei macht.“ Eigentlich schade, denn der Beruf bietet so vielfältige Aufgaben. „Es gibt immer etwas anderes zu tun. Wenn ich morgens aufstehe, weiß ich, dass es abwechslungsreich wird“, so Stickel.