©Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

Nähert man sich dem Werk von Symrise in Holzminden, wird schnell klar, womit hier gearbeitet wird. Je nachdem, wo man sich gerade auf dem Firmengelände befindet, wabern einem würzige, süße oder andere aromatische Gerüche entgegen. Das ist das Arbeitsumfeld von Leonie Kiefer, die dort ihre Ausbildung zur Chemielaborantin absolviert.

Von ihrem Kindheitstraumberuf Modedesignerin hat Leonie Kiefers Berufsweg sie heute doch denkbar weit weggetragen. Statt des ästhetischen Aussehens stehen in ihrer Ausbildung als Chemielaborantin bei Symrise in Holzminden – einem weltweit führenden Hersteller für Duft- und Geschmackstoffe sowie Inhaltsstoffe für Kosmetika und Ernährung – die Sinne Geruch und Geschmack stärker im Fokus. Die Leidenschaft für Naturwissenschaften hat die heute 19-Jährige während ihrer Schulzeit auf dem Gymnasium in Uslar entwickelt, und so überraschte es auch nicht, als sie im Abi Chemie, Biologie und Mathe zu ihren Hauptprüfungsfächern wählte. Diese Begeisterung kann sie in ihrer Ausbildung nun voll ausleben. „Besonders gut gefällt mir die Abwechslung in dem Beruf. Man sitzt nicht nur den ganzen Tag am Schreibtisch oder steht im Labor, sondern es gibt jeden Tag etwas Neues zu entdecken“, sagt Leonie schwärmend.

Aktuell arbeitet sie in der Abteilung Flavor in der Anwendungstechnik. Hier fährt sie morgens früh ihren PC hoch und schaut erst einmal, welche Aufträge für Rezepturen von Kunden da sind. So bekommt sie etwa einen Auftrag, ein bestimmtes, bereits existierendes Produkt mit einem gleichen oder ähnlichen Geschmack, aber mit günstigeren Bestandteilen herzustellen – seien es Brühen, Soßen oder Fertiggerichte.

Wenn bestimmte Komponenten dafür fehlen, bestellt Leonie diese nach oder füllt sie auf – und dann geht es auch schon ans Mischen der verschiedenen Aromastoffe. „Das ist anfangs ein richtiges Experimentieren“, sagt Leonie und lacht. Wenn dann aber irgendwann die richtigen ,Zutaten‘ gefunden sind und sie selbst das Aroma – in Wasser oder Öl gelöst – verkostet und für gut befunden hat, stellt sie es dem Kunden vor.

Neben der Abteilung Flavor durchläuft Leonie noch weitere Bereiche von Symrise, wie etwa Scent and Care oder Cosmetic Ingredients. Dabei unterscheiden sich nicht nur die thematischen Schwerpunkte, sondern auch die Anwendungen. In der Synthese beispielsweise wird nach neuen Verbindungen gesucht, während in der Analyse untersucht wird, was in einem Produkt drinsteckt, ob es echt ist und wie es weiterentwickelt werden könnte. In der Anwendungstechnik dreht es sich vor allem um das Nachstellen von bereits existierenden Produkten mit anderen oder auch gleichen Stoffen. „Man hört ja oft von der Lebensmittelindustrie, dass Chemie schlecht ist und schädlich für den Körper“, erzählt Leonie von den Vorurteilen, die ihr häufig begegnen. „Aber wir arbeiten hier vor allem mit Rohstoffen direkt aus der Natur – und manchmal mit solchen, die so zwar in der Natur vorkommen, die wir dann aber synthetisch herstellen, weil sie so knapp sind. Das gilt zum Beispiel für Menthol.“

Wie genau so etwas funktioniert lernt Leonie neben der Ausbildung in der Berufsschule, die sie ein- bis zweimal pro Woche besucht. Neben klassischen Schulfächern wie Deutsch oder Politik lernt Leonie dort Reaktionsgleichungen, alles rund um die organische und anorganische Chemie, aber auch die berufsspezifischen Funktionsweisen und Analysemethoden kennen. Darüber hinaus stehen auch die Apparaturen der Produktion auf ihrem Stundenplan, denn Chemielaboranten fungieren wie auch Chemikanten gewissermaßen als Schnittstelle zwischen dem Labor und der Produktion. So ist eine Verbindung unter Laborbedingungen etwas anderes als in der Produktion, und an einer gewissen Stelle muss das Produkt auch auf große Massen skaliert werden. Leonies Job ist es dann, darauf zu achten, dass das Laborprodukt auch in der Produktion eingesetzt werden kann.

Neben der Berufsschule vertieft Leonie ihre theoretischen, aber auch praktischen Kenntnisse zusätzlich im firmeninternen Lehrlabor von Symrise. Angefangen mit der Titration – in der Chemie ein quantitatives Analyseverfahren zur Konzentrationsbestimmung – bis hin zur Herstellung kristalliner Strukturen lernen die Azubis in Gruppen von zehn Leuten unter der Aufsicht von zwei Ausbildern alle relevanten Grundhandgriffe und Prozesse kennen. „Das macht immer super viel Spaß, und wenn man über fünf Monate mit den gleichen zehn Leuten zusammenarbeitet, entstehen auch tolle Freundschaften“, berichtet Leonie. Vorerfahrungen brauche man für den Beruf des Chemielaboranten nicht. „Man sollte immer offen und freundlich sein und zeigen, wie begeistert man von Naturwissenschaften ist“, rät Leonie allen, die sich für ihre Ausbildung interessieren.

Was sollte ein Chemielaborant mitbringen?

•Begeisterung für Naturwissenschaften
•Neugierde
•Pflichtbewusstsein
•Präzision

Welche Anwendungsgebiete gibt es für Chemielaboranten bei Symrise?

•Synthese
•Analyse
•Anwendungstechnik
•Qualitätssicherung

Ausbildungsgehalt

1. Lehrjahr: 750–850 Euro
2. Lehrjahr: 790–940 Euro
3. Lehrjahr: 850–1.020 Euro
4. Lehrjahr: 890–1.100 Euro
Einstiegsgehalt: 1.700–2.850 Euro (brutto)