Business-Talk in der Agentur für Arbeit

© Agentur für Arbeit
Text von: Claudia Klaft

Am 13. April 2010 folgten über 40 Unternehmer der Einladung der Agentur für Arbeit, um sich über das Thema “Wissen ist Macht. Was tun, wenn die Fachkräfte ausgehen?“ zu informieren.

Klaus-D. Gläser, Vorsitzender der Geschäftsführung, begrüßte die geladenen Gäste zum ersten Business-Talk in Göttingen. Das Veranstaltungskonzept wird bundesweit von Agenturen für Arbeit mit jeweils unterschiedlichen Themen durchgeführt.

Die demografische Entwicklung ändert nicht nur die Bevölkerungsstruktur, sondern beeinflusst vor allem den Arbeitsmarkt, stellte Gläser klar. Daher wolle die Agentur dieses Thema aufgreifen und gemeinsam mit Unternehmern Ansätze für die Zukunft entwickeln.

Martin Wrobel vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung eröffnete die Veranstaltung mit einem Impulsreferat „Demografischer Wandel – Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt des Arbeitsagenturbezirks Göttingen“.

Mit statistischen Berechnungen belegte er sehr deutlich den Rückgang des Arbeitskräfteangebots, die überalterte Beschäftigungsstruktur, die vor allem in den technischen Berufen zu Nachwuchsproblemen führen wird, und die Pendlerverflechtung mit den umliegenden Regionen.

Wrobel ging auf die Nachwuchslücke zwischen älteren und jüngeren Arbeitnehmern ein, die nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ zu füllen sei.

Als „Stellschrauben“, um dieser Nachwuchslücke zu begegnen, nannte er die Erhöhung der Erwerbsquote, die bei Frauen noch ausbaufähig sei, die Bildungs- und Qualifizierungsoffensive, und die Nutzung des Potenzials älterer Beschäftigter.

In der anschließenden Diskussionsrunde stellten sich Clemens Freiherr von Wendt (Arbeitgeberverbad Mitte e.V.), Katja Thiele-Hann (Kreishandwerksmeisterin), Karl-Heinz Junge (Mahr) und Michael Schmidt (GO Agentur für Arbeit) den Fragen des Moderators.

Personalchef Karl-Heinz Junge sagte, es sei unternehmerisch zwingend erforderlich, die weibliche Erwerbsquote zu erhöhen. Die Firma Mahr stelle daher den Mitarbeitern Krippen- und Kindertagesplätze zur Verfügung, die großen Zuspruch finden. Auch für spontane Notfallplätze sei gesorgt, um den organisatorischen Aufwand für Eltern bei Ausfall einer Betreuung zu minimieren.

Bezüglich Ausbildung sei es besser, diese ständig statt nur sporadisch anzubieten, ergänzte er.

Dies bekräftigte auch Katja Thiele-Hann, die in der Bäckerei Thiele nach Ermittlung der Kompetenzen im Betrieb die angebotenen Ausbildungsberufe von zwei auf sieben erhöhen konnte. „Wir sehen die Ausbildung als Zukunftssicherung unseres Unternehmens“, betonte sie.

Die Kreishandwerksmeisterin machte aber auch deutlich, dass Bevölkerungsschwund bedeutet, dass es weniger Bedarf und somit in Folge weniger Umsatz geben werde. Sie wünscht sich daher die Ansiedlung attraktiver Arbeitgeber in der Region.

Clemens Freiherr von Wendt sprach sich für gezielte Personalentwicklungsgespräche aus. „Mich hat ja noch nie einer gefragt“ sei ein üblicher Satz von Mitarbeitern – hier liege noch unentdecktes Potenzial brach. Auch seien nicht nur Akademiker zukünftig vermehrt gefragt, sondern auch angeblich unqualifizierte, nach dem Motto „Jeder kann was, keiner darf verloren gehen“.

Es sei nötig, in der Region zu klären, was brauchen wir heute und was brauchen wir morgen, um dann Tätigkeiten und Qualifikationen zu benennen.

Der Geschäftsführer für den operativen Bereich der Agentur für Arbeit in Göttingen, Michael Schmidt, wies darauf hin, dass die Agentur dem Qualifikationsproblem bereits jetzt mit ausbildungsbegleitender Hilfe begegnet und möchte zukünftig gerade im Gespräch mit den Unternehmern weitere Lösungsansätze suchen und definieren.

Das Programm, das durch Einlagen der Comedy-Company aufgelockert wurde, endete mit der Gelegenheit zu Gesprächen bei Snacks und Getränken.

Die Veranstalter freuten sich über die positive Resonanz der Anwesenden, zu denen auch Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer und Martin Rudolph, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Göttingen, zählten.