©Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

Jarah Doomernik absolviert derzeit ihr zweites Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Buchbinderin bei der Staats- und Universitäts-Bibliothek Göttingen. Im faktorAzubi-Interview erzählt die 24-Jährige, was sie an ihrer Ausbildung so begeistert.

Beschreibe deine Ausbildung in drei Worten.

Abwechslungsreich, kreativ, herausfordernd.

Warum hast du dich für diese Ausbildung bei der SUB entschieden?

Ich wollte die Ausbildung am liebsten an einer großen Bibliothek mit historischen Beständen machen, um auch einen Einblick in Reparatur- und Restaurierungsarbeiten zu kriegen. Außerdem hatte ich viel Positives über die SUB-Buchbinderei als Ausbildungsstätte gehört.

Was begeistert dich an deiner Ausbildung?

Ich liebe es, jeden Tag von Büchern umgeben zu sein und immer wieder Neues zu sehen. Wir arbeiten mit vielseitigen Materialien wie unterschiedlichen Papieren, Gewebe, Leder usw. und in meiner Ausbildung wird mir Freiraum gegeben auch die kreative Seite des Handwerks kennenzulernen. Ein Buch von Grund auf neu zu gestalten und dann zu sehen, wie es sich Stück für Stück zusammenfügt ist wohl mein Lieblingsaspekt an der Ausbildung.

Wo siehst du den Bezug deiner Ausbildung zum Handwerk?

Den Bezug sehe ich eigentlich überall, auch wenn man heute in vielen Fällen vielleicht eher vom Kunsthandwerk sprechen könnte. Die meisten Bücher werden ja mittlerweile industriell gefertigt. Wir führen aber nahezu jeden Arbeitsschritt von Hand aus und kommen fast (oder auf Wunsch auch ganz) ohne Maschinen aus. Das besondere an einem handwerklich gefertigten Buch ist also die Qualität und die Gestaltung.

Was macht deine Ausbildung besonders?

Die Tatsache, dass manche Techniken, die ich heute lerne, schon in zumindest ähnlicher Form Jahrhunderte existieren. Natürlich hat sich das Handwerk sehr verändert, aber viele Grundzüge sind gleichgeblieben. Etwas Besonderes ist es auch, schon während der Ausbildung an teilweise sehr alten Büchern arbeiten zu dürfen. Man kann dann aus erster Hand sehen, wie der Vorgänger gearbeitet hat, was schon sehr interessant ist.

Was sollte man deiner Meinung nach für diese Ausbildung mitbringen?

Als Buchbinderin braucht man in erster Linie gute feinmotorische Fähigkeiten eine ruhige Hand, obwohl manche Arbeitsschritte auch etwas Kraft und Körpereinsatz erfordern. Man sollte ein hohes Konzentrationsvermögen haben, denn es schleichen sich schnell kleine Fehler ein, die häufig nicht rückgängig gemacht werden können. Außerdem braucht man Geduld, sowohl für spezifische langwierige Arbeiten als auch im Bezug auf die Ausbildung allgemein. Manche Fähigkeiten entwickeln sich erst mit der Zeit.

Was kannst/willst du später mit deiner Ausbildung machen? Wie soll es für dich weitergehen?

Mir ist es wichtig, dass ich weiter im wirklich handwerklichen Bereich arbeiten kann. Eine kleine, eventuell offene Werkstatt für Einzelanfertigungen wäre ein Traum. Doch erstmal würde ich gerne mehr Erfahrung sammeln und mich vielleicht durch ein Studium in Richtung Restaurierung und Konservierung weiterbilden. Wenn ich die Chance dazu habe, wäre es natürlich schön, meinen Meister machen zu können.

Welchen Tipp hast du für junge Menschen, die sich für deine Ausbildung interessieren?

Wenn man sich für den Beruf entscheidet, wird man häufig zu hören kriegen, dass die Buchbinderei sowieso keine Zukunft hat und man finanziell niemals im Handwerk überleben kann. Das ist natürlich sehr verunsichernd und demotivierend. Aber gleichzeitig bildet sich in sozialen Netzwerken eine Community von jungen, talentierten und erfolgreichen Buchbindern, die das Gegenteil beweisen. Mein Tipp wäre also, sich vielfältige Vorbilder und Inspiration zu suchen. Es gibt viele Nischen und man muss irgendwie seine eigene schaffen.