Branchenspezifische Fachkräftesituation

vordere Reihe von links: Martin Rudolph, Stefan Friedrich, Nora Schodder und Jeanne Schöningh ©SüdniedersachsenStiftung
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Die 'branchenspezifische Fachkräftesituation' in der Region stand im Mittelpunkt der 16. Fachkräftekonferenz Südniedersachsen, die das Fachkräftebündnis Südniedersachsen und die Göttinger Geschäftsstelle der IHK Hannover am Dienstag, den 6. November mit gut 80 Teilnehmern im Hotel Freizeit In in Göttingen ausgerichtet haben.

Dabei berichteten Praktiker in Impulsvorträgen aus ihrem betrieblichen Alltag und zeigten auf, mit welchen Mitteln und Wegen sie versuchen, dem Fachkräftemangel Herr zu werden. Eines wurde dabei ganz deutlich: Geld alleine ist nicht die Lösung. Zwar achteten Arbeitnehmer selbstverständlich auf eine angemessene Bezahlung – diese sei jedoch die Voraussetzung, um als Arbeitgeber überhaupt am Markt bestehen zu können. Wolle man sich von der Konkurrenz abheben, sei vor allem eines gefragt: Flexibilität. So fielen immer wieder die Begriffe ‚Work-Life-Balance‘, ‚flexible Arbeitszeiten und –plätze‘, sowie ‚kontinuierliche Qualifizierungsmöglichkeiten‘.

Zudem hoben die Referenten die steigende Bedeutung der Ausbildung hervor. Der Tenor: Wenn es kaum noch Fachkräfte gibt, muss man sie selbst entwickeln. Auch hier haben die Unternehmen und Institutionen der Region jedoch mit sinkenden Bewerberzahlen zu kämpfen. Das erfordere eine Neuausrichtung eingefahrener Prozesse, machte etwa Stefanie Ahlborn von der Stadt Göttingen deutlich. Sie vertrat am Dienstag das Feld der ‚Verwaltung‘. Die heutige Generation sei schnelle Abläufe gewohnt – ein halbjähriger Bewerbungsprozess sei nicht mehr zeitgemäß. Zudem informierten sich bereits angehende Auszubildende immer öfter über Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten über die eigentliche Ausbildung hinaus. Hier gelte es, Optionen zu schaffen und zu kommunizieren.

Das haben auch Julia Brücke (Wentorf & Schenkhut) und Carsten Kleine (GoePaTec) beobachtet, die am Dienstag aus den Bereichen ‚Handel/Handwerk‘ und ‚Produzierendes Gewerbe‘ berichteten. Kleine hob zudem die zahlreichen Zusatzleistungen hervor, die das Unternehmen für seine Mitarbeiter bereithält.

Auf derartige Gratifikationen sowie Veranstaltungen zur Persönlichkeits- und Teambildung setzt auch Klaus Lamm (Seniorenzentrum Lamm), der über die Situation im Bereich ‚Dienstleistung‘ informierte.

Ein Bereich, der schon traditionell mit Fachkräftemangel zu kämpfen hat, ist die Hotellerie. Dass sich Investitionen in die Organisations- und Mitarbeiterentwicklung vor diesem Hintergrund auszahlen, machte Olaf Feuerstein (Hotel Freizeit In) deutlich. Er reflektierte zudem den Generationenkonflikt, der oftmals zwischen älteren Führungspersönlichkeiten und jüngeren Mitarbeitern herrsche und warb für Verständnis für deren sich wandelnde Bedürfnisse und Arbeitsverständnis. Nur so könne die Zusammenarbeit gelingen.

Konsens unter den Referenten herrschte ebenfalls im Punkt Mitarbeiterfindung. Die herkömmliche Anzeige sei schon lange nicht mehr der Königsweg. Persönliche Ansprachen auf Messen, zeitgemäße Auftritte in Sozialen Medien oder spezialisierten Jobportalen sowie die Mund-zu-Mund-Propaganda durch Mitarbeiter und Auszubildende seien vielmehr unerlässlich.

„Die Fachkräftekonferenz soll dazu beitragen, die Scheuklappen abzulegen und voneinander zu lernen“, betonte Martin Rudolph, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Göttingen und Vorsitzender der SüdniedersachsenStiftung, „mit den interessanten Eindrücken aus kleinen und großen Unternehmen aus dem privaten und öffentlichen Sektor ist uns das heute vorbildlich gelungen.“
„Man sieht, dass in Südniedersachsen etwas in Bewegung ist“, sagte auch Stefan Friedrich als Vertreter des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums sowohl mit Blick auf die Impulsvorträge der Referenten als auch auf das Regionale Fachkräftebündnis. Dessen Leiterin Nora Schodder (SüdniedersachsenStiftung) führte als Moderatorin durch den Nachmittag und berichtete, dass in der neuen Förderperiode bis August 2021 erneut rund 600.000 Euro für Fachkräfte-Projekte in Südniedersachsen zur Verfügung stehen. „Derzeit sammeln wir Projektideen, die wir dann im Netzwerk abstimmen werden“, skizzierte sie das weitere Vorgehen.