Bodenständig im Herzen Deutschlands

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Text von: Sebastian Günther

faktor porträtiert den Wirtschaftsstandort Landkreis Eichsfeld – wo die Menschen die Region tragen.

Verlässliche Mitarbeiter, eine hervorragende Verkehrsanbindung und die Lage in der Mitte Deutschlands Unternehmen im Landkreis Eichsfeld. Die handwerklich geprägte Region im Dreiländereck zwischen Hessen, Niedersachsen und Thüringen stützt sich insbesondere auf die Tatkraft der Bevölkerung.

„Wir haben hier zum großen Teil fleißige Menschen, die vor Arbeit keine Angst haben“, bestätigt Ralf Halbhuber, Geschäftsführer und Inhaber der Werbeagentur Studio1 in Heiligenstadt. Der Unternehmer, der mit Leib und Seele Eichsfelder ist, kennt die Region nicht nur von innen, da er viel in der Welt unterwegs ist. „Das ist wichtig für globale Sichtweisen und Erkenntnisse“, sagt der 49-Jährige. Am Eichsfeld schätzt er vor allem die idyllische Ruhe. Hier kann er sehr konzentriert arbeiten.

Halbhuber ergänzt: „Außerdem ist hier der geografische Mittelpunkt Deutschlands. Über die A38 und den ICE-Bahnhof Göttingen kann ich in ein bis vier Stunden bei fast allen Kunden sein.“ Diesen bietet Studio1 professionelle Kommunikationslösungen in den Bereichen Druckvorlagen und Neue Medien. „Dabei ist unser großes Plus, dass wir alles, was wir konzeptionieren, auch im eigenen Haus produzieren“, erklärt Halbhuber.

Auf Lösungen aus einer Hand setzt auch die FT Automation GmbH (FTA) in Heiligenstadt. „Unsere Maschinen werden hier geplant, projektiert, gefertigt und getestet „, berichtet Otto Diederich, Geschäftsführer für Technik und Produktion. Vereint unter dem Dach der FTA stellen die Betriebe „SIM assembly machines“ und „AKB“ Montage-, Handling- und Inspektionssysteme her. Maschinen im Bereich Zuführtechnik sowie Komponenten für Sondermaschinen runden das Portfolio ab. Die Kunden des Unternehmens, das in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, finden sich in den Branchen Automobilzulieferung, Pharmaindustrie, Medizintechnik, Kosmetikindustrie und Solartechnik. Bei der Umsetzung des Unternehmensziels – den Kunden durch die eigene Leistung Wettbewerbsvorteile zu verschaffen – steht vor allem die Belegschaft im Fokus.

„Mit unseren bodenständigen Mitarbeitern bilden wir ein gut funktionierendes Team, in dem alle gleichwertig sind. Bei uns stempeln sogar die Geschäftsführer“, so Diederich, der als Vorsitzender des Netzwerks „Wirtschaftsforum Eichsfeld“ die gesamte Region beobachtet. Sein Fazit: „Das Eichsfeld ist gut aufgestellt, aber es fehlt ein wenig die Breite der Industrie.“ Der Landkreis habe bei den innovativen Technologien noch Nachholbedarf.

Als positives Beispiel in diesem Bereich nennt Diederich „Technik in Form“ in Heiligenstadt. Der Entwicklungspartner für die Automobil- und Zulieferindustrie entwickelt, fertigt und liefert ein komplettes Leistungsspektrum für den Prototypenbau und ist spezialisiert auf Blechumformung und -bearbeitung. „Von diesen innovativen Unternehmen brauchen wir mehr“, sagt Diederich.

In die gleiche Kerbe schlägt Matthias Krieger, Geschäftsführer des Bauunternehmens Krieger + Schramm. „Wir müssen die Innovationskultur ausbauen und mehr Chancen als Risiken sehen“, fordert er. Krieger selbst hat in den vergangenen Jahren seine Chancen genutzt: Neben dem Hauptsitz in Dingelstädt entstanden Niederlassungen in Kassel/Lohfelden und Frankfurt am Main. In der hessischen Metropole generiert Krieger + Schramm heute 60 Prozent des Bauumsatzes, dieser betrug im Vorjahr insgesamt 18 Millionen Euro.

„Zwar spielt das Eichsfeld für unseren Bauumsatz derzeit eine untergeordnete Rolle, allerdings sind die Wurzeln unserer Wertekultur fest mit der Region verbunden“, betont Krieger. Aus diesen Wurzeln seien prägende Eigenschaften entstanden. Dazu zählt auch die Vision, nach der die 70 Beschäftigten arbeiten: „Mit Sicherheit – mehr Freude am Bauen.“ Krieger verdeutlicht: „Wir können unsere Ziele nur erreichen, wenn unsere Mitarbeiter Spaß an der Arbeit haben.“ Das Bauunternehmen ist in den Bereichen Rohbau, Schlüsselfertiges Bauen, Sanierung und Projektentwicklung tätig. Ein fünfter Bereich unter dem Thema „Gesundes Bauen“ befindet sich im Aufbau.

Ein weiteres Beispiel für ein starkes und zukunftsorientiertes Handwerk im Eichsfeld liefert Holzbau Hunold. Das 1975 in Birkungen von Emil Hunold als Zimmerei gegründete Unternehmen hat sich stetig weiterentwickelt. Als Meilenstein gilt die Verlegung des Standortes nach Leinefelde im Jahr 1992. Mit größeren Produktionskapazitäten reagierte der Holzbauspezialist auf die veränderten Anforderungen nach der Wende. „In den folgenden Jahren haben wir uns von einer Zimmerei zu einem Komplettanbieter in Sachen Holzbau ent wickelt“, fasst Peggy Hunold zusammen.

Die Tochter des Firmengründers übernahm 2008 die Geschäftsführung. Heute umfasst das Angebot vor allem den Ingenieur- Holzbau, wo Tragwerkskonstruktionen sowie komplette Wand- und Dachelemente vorproduziert werden, und den Bau von Holzhäusern. „Hochwertige Einfamilienhäuser inklusive Architektur liefern wir schlüsselfertig in einem Radius von 100 Kilometern“, erklärt Peggy Hunold. Im Ingenieur-Holzbau ist das Familienunternehmen sogar im gesamten Bundesgebiet tätig.

Bundesweit vermarktet sich auch eines der jüngsten Unternehmen der Region: das Hotel am Vitalpark in Heiligenstadt. In den am 1. August 2008 eröffneten Neubau investierte die Klinikgesellschaft Heilbad Heiligenstadt 11,5 Millionen Euro. Der Komplex bietet neben Übernachtungsmöglichkeiten auch Tagungs- und Veranstaltungsräume. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Vitalpark können die Gäste einen umfangreichen Wellnessbereich nutzen. Die Bade- und Saunalandschaft sowie eine Wellnessoase lassen sich direkt durch den „Bademantelgang“ erreichen.

Ein Gesamtkonzept, das offen bar funktioniert, wie Hoteldirektor Stefan Uhlmann bestätigt: „Nach einer planmäßigen Anlaufphase können wir bereits in den Monaten März bis Mai 2009 eine Auslastung zwischen 50 und 60 Prozent vorweisen.“ Um die positive Entwicklung weiter voranzutreiben, schließt sich das Hotel ab Juni 2009 der Hotelkette „Best Western“ an.

„Leider ist das Eichsfeld immer noch recht unbekannt in Deutschland“, stellt Uhlmann fest und will deshalb den Bekanntheitsgrad weiter steigern. Die Grundlagen für einen erfolgreichen Tourismus sieht er als gegeben an: „Das Eichsfeld hat viele Facetten. Das schätzen unsere Gäste.“ Dabei stehen nicht nur Land und Leute, sondern auch lokale Spezialitäten für die zahlreichen Touristen im Vordergrund.

Beim Lieferanten für Bier setzt das Hotel am Vitalpark mit der Neunspringe Brauerei zum Beispiel auf einen lokalen Partner. Die einzige Brauerei des Eichsfeldes wurde 1867 gegründet und versorgt die Region mit verschiedenen Bieren, Erfrischungsgetränken und Festausstattungen. „Unser Kerngebiet ist das Eichsfeld und die angrenzenden Landkreise in Thüringen. Außerdem liefern wir in Teile Sachsens, Sachsen-Anhalts, Brandenburgs und Niedersachsens“, erläutert Geschäftsführer Bernd Ehbrecht.

In Zukunft will die Brauerei bei den Erfrischungsgetränken die Absatzgebiete in den neuen Ländern ausweiten. Beim Bier soll der Marktanteil im Kerngebiet gefestigt und das Absatzgebiet um weitere Regionen in Südniedersachsen erweitert werden. Dazu ist eine Aufstockung der Flaschenabfüll-Anlage geplant.

Eine wichtige Grundlage für die Expansion liefert zudem die Infrastruktur des Eichsfeldes, wie Bernd Ehbrecht erläutert: „Über die A 38 sind alle unsere Zielgebiete sehr gut zu erreichen.“ Allerdings sieht der Geschäftsführer beim Standort Worbis nicht nur Vorteile. So gäbe es noch Defizite bei der Zusammenarbeit zwischen dem niedersächsischen und dem thüringischen Eichsfeld. Hier gelte es, die unternehmerischen regionalen Netzwerke auszubauen. „

Außerdem haben unsere Produkte durch die ländliche Prägung des Eichsfeldes in den Oberzentren Göttingen, Kassel oder Erfurt noch nicht die erforderliche Akzeptanz“, moniert der Neunspringe-Geschäftsführer und hofft auf Besserung der Situation.

Damit spricht Ehbrecht einen entscheidenden faktor für eine erfolgreiche Zukunft der Wirtschaft im Eichsfeld an: Dabei handelt es sich um ein enges Verhältnis zu den angrenzenden Oberzentren.

Denn nur gemeinsam mit den starken Nachbarn wie Göttingen und Kassel kann das Eichsfeld die eigenen Stärken, wie die hervorragende Infrastruktur und die gut qualifizierten sowie vielerorts geschätzten Arbeitnehmer, auch in Zukunft in vollem Umfang ausspielen.