Bittere Pille – Gesundheit im Zwiespalt

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Sebastian Günther

Eine tragende Säule zwischen Wachstumspotenzial und Finanzierungslücke. Wie reagieren die regionalen Akteure auf die Forderung nach mehr Vernetzung in der Gesundheitswirtschaft? Eine Initiative könnte die Lösung bringen.

Das deutsche Gesundheitssystem ist krank. Die Beitragssätze steigen, und die Politik versucht mit immer neuen Reformen das Ruder herum zu reißen.

Dabei ist eins aber nicht zu vernachlässigen: Das deutsche Gesundheitssystem ist immer noch eines der besten der Welt.

Doch wie soll die finanzielle Last, die angesichts des demografischen Wandels noch steigen wird, getragen werden? Experten fordern einen Paradigmenwechsel: hin zur Senkung der Ausgaben durch Reduzierung der Krankheitsfälle.

„Was allerdings fehlt, sind große Visionen“, moniert Peter Schauder, Ernährungsmediziner an der Universität Göttingen. Niemand formuliere klare Ziele wie die Senkung der Anzahl bei den Erkrankungen um einen Wert X bis zu einem Stichtag Y. Es muss also ein Umdenken stattfinden.

In Südniedersachsen könnte der Motor dazu die Initiative „Gesundheitsregion Göttingen“ sein.

Die Gründung dieses allumfassenden Netzwerks für die Gesundheitswirtschaft ist nach intensiven Gesprächen der vergangenen Monate noch im ersten Halbjahr 2010 geplant. Die genaue Ausgestaltung ist allerdings noch offen.

„Ob die Initiative letztendlich als Verein, Agentur oder ein anderes Konstrukt ihre Arbeit aufnimmt, steht noch zur Diskussion“, erklärt Cornelius Frömmel, Sprecher des Vorstandes der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).

Der nächste Schritt sei aktuell das Zusammenbringen der verschiedenen Mitspieler, die aus allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft kommen sollen.

Zu diesen Mitspielern zählen zunächst die Ärzte. In dieser Berufsgruppe zeigen sich zugleich der Segen und der Fluch einer alternden Bevölkerung. Während der Wandel durch steigende Patientenzahlen enorme Möglichkeiten eröffnet, sorgt er zugleich für große Herausforderungen.

Denn durch die höhere Belastung des Gesundheitssystems und die sinkende Zahl von Medizinstudenten steuert Deutschland beim Verhältnis Ärzte zu Patienten auf ein Ungleichgewicht zu. In der Folge könnte ein Ärztemangel entstehen.

„Dabei muss allerdings zwischen fachärztlichem und hausärztlichem Bereich unterschieden werden“, schränkt Harald Jeschonnek ein. Als Geschäftsführer der Bezirksstelle Göttingen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) verfügt er über ein ausdifferenziertes Zahlenwerk zur ärztlichen Versorgung in Südniedersachsen.

„Die Bedarfsplanungen für den fachärztlichen Bereich zeigen in der Region eine mehr als 100-prozentige Versorgung. Hier sehen wir auch künftig wenig Probleme, ausgenommen einiger ländlicher Gebiete“, sagt er.

Anders präsentiert sich die Lage bei den Hausärzten. Diese weisen bereits einen geringeren Versorgungsgrad als ihre Facharztkollegen auf. Dazu steigt der Bedarf durch die älter werdende Bevölkerung.

So sieht die KVN ein deutliches Versorgungsproblem. Dabei ist klar zwischen Städten und ländlichen Gebieten zu unterscheiden. Der Experte der KVN kann bereits jetzt von Problemen berichten, Hausarztpraxen in Staufenberg oder im Solling zu besetzen. Denn vor allem junge Ärzte tendieren eher dazu, sich in größeren Zentren niederzulassen.

Darüber hinaus gibt es Probleme, sich überhaupt für den Arztberuf zu entscheiden. „Die allgemeine Grundhaltung der Politik gegenüber Ärzten schreckt viele Mediziner ab, diesen Beruf zu ergreifen“, sagt der Göttinger Neurochirurg Christian Reparon.

„Ärzte werden schnell als die Großverdiener dargestellt und attackiert. Wenn die Politik mit der Berufsgruppe anders umgehen würde, würden sich vermutlich auch wieder mehr Mediziner für den Arztberuf entscheiden.“

Momentan wandert ein großer Prozentsatz der fertigen Mediziner in alternative Berufsfelder, wie zum Beispiel in die Pharmaindustrie, ab. Hier bieten sich bessere Verdienstmöglichkeiten und meist angenehmere Arbeitsbedingungen. „Hinzu kommt“, gibt Reparon zu bedenken „dass die noch verbleibenden Ärzte immer häufiger nicht in Deutschland praktizieren.“

Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, arbeitet die KVN an konkreten Maßnahmen, die sich zum Teil schon in der Umsetzung befinden.

Ob Medizinische Versorgungszentren eine Lösung sind und welche Rolle Rehazentren, Sanitätshäuser und Politik im Netz der Gesundheitswirtschaft spielen, lesen Sie im kompletten Artikel als Download.