Bilanz und Blick in die Zukunft

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Text von: redaktion

Ab der Spielzeit 2019/20 wird das Stammhaus der Jungen Theaters Göttingen, das Otfried-Müller-Haus am Wochenmarktplatz saniert. Für die nächsten drei bis vier Jahre wird das JT in der Interimsspielstätte der ehemaligen Voigtschule am Wall, Bürgerstraße 15 wirken. Zeit, nochmals Bilanz zu ziehen und in die Zukunft zu schauen. Das Junge Theater Göttingen sieht kurz vor seinem Neustart in der Interimsspielstätte auf drei außerordentlich erfolgreiche vergangene Spielzeiten zurück.

In den Spielzeiten 2016/17 bis 2018/19 erreichte das JT jährlich durchschnittlich 280 Veranstaltungen 45.000 Zuschauer (in den vorangegangenen Jahren waren es im Durschnitt 25.000-30.000 Zuschauer).

Durch diese Entwicklung liegen die jährlich selbsterwirtschafteten Erlöse des Jungen Theaters in den letzten drei Jahren bei durchschnittlich 530.000 Euro. (2011 waren es im Vergleich nur 291.000 Euro). Somit erwirtschaftet das Junge Theater über 40Prozent seines Gesamtbudgets selbst. Dies ist für vergleichbare kulturelle Einrichtungen im regionalen und bundesweiten Vergleich ein signifikant hoher Anteil.

Die guten Erlöse ermöglichten es in den letzten Jahren, die üblichen Kostensteigerungen (vor allem im Personaletat, und im Investitionsetat) aus eigenen Kräften zu bewältigen. Dringend notwendige Investitionen und der Ausbau der Personalstruktur mussten in den letzten Jahren nachgeholt werden.

Durch das Entschuldungshilfeprogramm (EHP) waren viele Einrichtungen der Stadt Göttingen von Kürzungen betroffen. Lagen die die städtischen Zuschüsse für das Junge Theater 2012 bei 722.000 Euro waren es 2013 nur noch 622.000 Euro. Auch wurde die jährliche Steigerung der Zuschüsse eingefroren. Die Stadt Göttingen hat in den Folgejahren die Zuschüsse wieder schrittweise erhöht. In der vergangenen Spielzeit lagen sie bei 680.000 Euro. Auch der Landkreis Göttingen hat ab 2015 seine Zuschüsse um aktuell 27.000 Euro auf 55.000 Euro erhöht. Ebenso besteht seit 2013 eine Förderung durch den Landschaftsverband Südniedersachsen in Höhe von aktuell 9.000 Euro.

Wir freuen uns sehr, dass die Stadt Göttingen in den seit 2019 gültigen neuen Zuschussvertrag neben einer Steigerung um 20.000 Euro auch wieder eine jährliche Steigerung um ca. 2 Prozent (nach VPI) aufgenommen hat. Somit werden die städtischen Zuschüsse 2022 ca. 726.000 Euro betragen (also dem Wert vor EHP entsprechen).

Für die folgenden Spielzeiten während der Sanierungsphase hat die Stadt Göttingen nicht nur eine für ein Provisorium hervorragende Interimsspielstätte für das JT hergerichtet sondern wird auch Mehrkosten (Umzug und Einrichtung) und Einnahmeverluste (Pachteinnahmen und weniger Zuschauerplätze) kompensieren. Somit entstehen für das Junge Theater keine übermäßigen Risiken, sondern wir können uns ganz auf das Beleben der neuen Spielstätte konzentrieren.

Mit den Zuschauer- und Einnahmezahlen der letzten Jahre ist aber auch eine Schallgrenze erreicht, die ein kleiner Betrieb wie das JT leisten kann. Trotzdem werden die Kosten auch weiterhin steigen.

Zwar konnte in den letzten Jahren der Personaletat dank der guten Eigenerlöse kontinuierlich gesteigert werden. Die Gehälter aller Mitarbeiter liegen aber nach wie vor an den tariflichen Mindestgrenzen und unter den branchenüblichen Höhen. Bei einer Angleichung der Gehälter und Gagen, Anpassung an die empfohlenen Mindestniveaus des Deutschen Bühnenvereins, wird sich zeitnah ein jährlicher Mehrbedarf von ca. 100 TEUR (sozialversicherte Mitarbeiter) und von 25 TEUR (Gastkünstler) entwickeln.

Das Junge Theater erhält keine Zuschüsse durch das Land Niedersachsen. Daher ist das JT von den aktuellen Steigerung, die sich die regionalen Theater- und Orchester verdient, aber in den letzten Monaten auch hart erkämpfen mussten, leider nicht betroffen.

Für die finanziellen Herausforderungen, die mittelfristig auf das Junge Theater zukommen werden haben wir derzeit zwar noch keine befriedigende Lösung, aber auch die Kulturdezernentin der Stadt Göttingen, Petra Broistedt, hat uns in letzter Zeit immer wieder versichert: „Wir lassen Euch nicht im Regen stehen!“. Und sie hat Wort gehalten: Eine für ein Provisorium hervorragende Interimsspielstätte, Wiederausgleich der Zuschüsse und zusätzliche finanzielle Unterstützung für die Interimsspielzeiten. So startet das JT voller Zuversicht und Elan in die kommenden Spielzeiten und vertraut auf die weitere Unterstützung der öffentlichen Zuschussgeber aus Politik und Verwaltung, der Förderer und der Zuschauer.