Bilanz des Berufsberatungsjahres 2011/2012

© Agentur für Arbeit
Text von: redaktion

Die Startschüsse für den Ausbildungsbeginn 2012 sind – je nach Beruf – bereits Anfang August bzw. Anfang September gefallen, am 5. November stellten die Agentur für Arbeit Göttingen und Vertreter der Kammern die Bilanz des Berufsberatungsjahres 2011/2012 vor.

Grundsätzlich positiv bewertete Klaus-Dieter Gläser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen, die vorliegenden Zahlen zum Ausbildungsmarkt.

Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe habe das Niveau des letzten Jahres gehalten, mehr junge Menschen hätten sich bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur und den Jobcentern ausbildungsuchend gemeldet.

Positiv sei auch die Feststellung, dass zum 30.09., dem Ende des Berufsberatungsjahres, weniger Jugendliche ohne berufliche Perspektive und weniger unbesetzte Ausbildungsstellen zu verzeichnen gewesen seien als im Vergleich zum Vorjahr.

Dennoch gebe es, so der Agenturchef weiter, für Jubelgesänge keinen Anlass. Was die Zahlen nicht abbildeten sei die Tatsache, dass sich der Ausgleich am Ausbildungsmarkt zunehmend schwieriger gestalte.

Natürlich liegt es in der Natur der Sache, dass bei der Ausbildungssuche Angebot und Nachfrage nicht hundert Prozent in Einklang gebracht werden können.

Auf der einen Seite gibt es nach wie vor Betriebe, die keine Abstriche an ihrem Anforderungsprofil für die gesuchten Nachwuchskräfte machen wollen. Auf der anderen Seite sind viele junge Menschen häufig auch nicht bereit, sich rechtzeitig mit Alternativen zum Wunschberuf zu beschäftigen.

Oftmals sei es dann bequemer, weiter zur Schule zu gehen.

Der Agenturchef ermutigte die Jugendlichen, ihre Chance auf dem Ausbildungsmarkt zu suchen: „Die Perspektiven auf dem Ausbildungsmarkt sind vorhanden, es muss nicht immer die Fachhochschulreife oder das Abitur sein. Schließlich ist das Bildungswesen in Deutschland so vielfältig, dass nach einer Ausbildung beispielsweise im Handwerk nicht nur der Meister, sondern an vielen Hochschulen auch ein Studium realisierbar ist.“

Der Ausbildungsmarkt sei, so der Agenturchef weiter, Bestandteil der realen Welt, und anders als im Märchen würden hier nicht alle Wünsche wahr.

„Wichtig ist für Jugendliche und Betriebe ein Plan B, wenn einerseits der Traumberuf nicht zu realisieren ist oder andererseits kein Ausbildungsplatzbewerber die optimale Qualifikation mitbringt. Leerstellen können wir uns mit Blick auf den regionalen Fachkräftebedarf der nahen Zukunft nicht mehr leisten!“

Ausbildungsmarkt in Zahlen

Konkret waren im Agenturbezirk Göttingen, der die Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode am Harz umfasst, im Berufsberatungsjahr 2011/2012 3.490 Bewerberinnen und Bewerber für Berufsausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur und den Jobcentern gemeldet, 95 bzw. 2,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Davon waren 98 zum 30.09. noch unversorgt, d.h. ohne Ausbildungsplatzangebot oder eine andere konkrete Perspektive, wie z.B. ein Studium, der Besuch einer weiterführenden Schule oder eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme.

Betriebe und Verwaltung hatten der Agentur für Arbeit im zurückliegenden Berufsberatungsjahr 2.859 Ausbildungsstellen gemeldet, neun bzw. 0,3 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Davon waren zum 30.09. noch 156 Stellen unbesetzt, 17 bzw. 9,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Rein rechnerisch kamen auf einen Bewerber 0,82 Ausbildungsplätze.

Der Ausbildungsmarkt aus Sicht der Kammern und der Kreishandwerkerschaft

Unterschiedlich fiel das Resümee zum Start des neuen Ausbildungsjahres bei der Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK) und der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen (HWK) sowie der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen aus.

Joachim Grube, Leiter der IHK-Geschäftsstelle Osterode, zeigte sich grundsätzlich zufrieden mit der Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge: „Die Zahl der eingetragen Ausbildungsverträge in Südniedersachsen ist zwar gegenüber dem Vorjahr gesunken. Allerdings wurden 2011 in unserem Zuständigkeitsbereich aufgrund des doppelten Abiturjahrganges auch deutlich mehr Verträge abgeschlossen als 2010. Manch Betrieb hat damals die gute Bewerbersituation genutzt und einen zusätzlichen Auszubildenden eingestellt.“

Insgesamt waren zum 31.10.2012 bei der IHK für die Betriebe in Südniedersachsen 1.792 Ausbildungsverträge eingetragen worden.

Damit lag das Ergebnis zwar mit 74 Verträgen unter dem Vorjahreswert, allerdings mit 173 Vertragsabschlüssen über dem Ergebnis von 2010.

Auf Landkreisebene wurden in der IHK für den Landkreis Göttingen 1.037 Verträge (Vorjahresmonat: 1.048) registriert, für den Landkreis Northeim 463 (498) und für den Landkreis Osterode 292 (320). A

ls weniger erfreulich beurteilt Claudia Müller, Ausbildungsplatzmatcherin bei der HWK, die Situation auf dem Markt für handwerkliche Nachwuchskräfte. Zum Stichtag 31.10. fiel die Bilanz für Südniedersachsen wie folgt aus: Mit 698 eingetragenen Ausbildungsverträgen lag das Ergebnis 157 Verträge bzw. 18,4 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück.

Dabei wurden bisher im Landkreis Göttingen 370 Ausbildungsverträge eingetragen (Vorjahresmonat: 451), im Landkreis Northeim 232 (272) und im Landkreis Osterode 96 (132).

Müller betonte: „Das Handwerk könnte und würde viel mehr junge Menschen ausbilden, wenn sich denn Bewerber fänden. Die Nachfrage Jugendlicher ist im Bereich handwerklicher Ausbildungen ausbaufähig – trotz sehr guter beruflicher Aussichten. Darüber hinaus war in diesem Jahr die Ausbildungssituation durch das lange Schuljahr schwierig. Denn dadurch ergab sich eine extrem kurze Fe-rienzeit bis zum Ausbildungsbeginn am 1. August.“

Viele potentielle Bewerber hätten sich, so Müller, daher gegen einen Start im Betrieb entschieden und stattdessen den Besuch einer Berufsfachschule vorgezogen.

Viele Lehrverträge seien auch erst zum 1. September abgeschlossen worden, weshalb die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk noch im Fluss sei.

Andreas Gliem, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen, sieht die Situation auf dem Markt für handwerkliche Auszubildende ähnlich: „Viele junge Menschen wissen gar nicht, was sich hinter den Handwerksberufen konkret versteckt, wie extrem abwechslungsreich die Berufe sind und welch gute Beschäftigungschancen für sie als Gesellen bestehen.“

Praktika seien, so Gliem, eine gute Möglichkeit, sich von den vielseitigen Tätigkeiten in den einzelnen Gewerken ein eigenes Bild zu machen.

Das Fazit

Einig waren sich alle Akteure auf dem Ausbildungsmarkt in ihrem Fazit: Die Betriebe werden in die Offensive gehen müssen, wenn sie ihren beruflichen Nachwuchs sichern wollen.

Und dabei geht es längst nicht mehr um die Frage, wer die besten Bewerber gewinnen, sondern wer überhaupt Jugendliche für den Beruf interessieren kann.

Größere Betriebe spüren den Druck bisher kaum, in kleineren bleiben bereits die ersten Ausbildungsplätze vakant.