©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Lea van der Pütten

Der Arbeitsalltag des künftigen Bestatters Bo Benstem befindet sich in einem stetigen Gleichgewicht zwischen Organisation und Einfühlsamkeit.

Fast unscheinbar versteckt sich das Bestattungshaus Benstem in der Roten Straße mitten in der Göttinger Innenstadt hinter einem dicken Efeugewächs. Von außen lässt das alte Haus nicht unmittelbar auf ein Bestattungsunternehmen schließen, und auch in seinem Inneren wirkt alles hell und freundlich – ganz anders, als der Tod oft wahrgenommen wird.

Das Unternehmen gehört der Familie von Bo Benstem, der hier derzeit – selbstverständlich – seine Ausbildung zum Bestatter absolviert. Nichts Außergewöhnliches – die nächste Generation steht doch immer in den Startlöchern, oder? Aber nein. Der 20-Jährige hatte ursprünglich nach seinem Fachabi ganz andere Pläne: Er wollte Forstwissenschaften studieren. Aber wie so oft kam es dann anders, als man denkt. Um die Zeit bis zum Studienstart zu überbrücken, jobbte Bo nach seinem Abi in dem Bestattungshaus seiner Familie. „Für mich war das ganz normal. Ich bin ja damit aufgewachsen“, sagt Bo über seinen ungewöhnlichen Werdegang. „Doch dann kam es zu einem intensiven Gespräch mit einer Kundin“, erzählt Bo, „das mir die Augen für den Beruf meiner Familie auf neue Weise geöffnet hat. Seitdem wollte ich den Menschen die bestmögliche Unterstützung im Trauerfall geben.“

Und so trat Bo mit 18 Jahren seine Ausbildung zum Bestatter an. In seinem ersten Ausbildungsjahr standen vor allem Tätigkeiten aus dem Außenbereich auf dem Lehrplan. Dazu gehören neben der Einbettung der Verstorbenen auch die hygienische Versorgung, die Trauerfeierbegleitung und offene Aufbarungen. „Eine Aufbarung ist die Zurschaustellung des Verstorbenen am geöffneten Sarg“, erklärt Bo. „So können sich zum Beispiel auch Angehörige, die von weiter weg anreisen, noch zwei bis drei Tage später von ihnen verabschieden.“

In seinem zweiten Lehrjahr wechselte Bo zu einem anderen Bestattungshaus in Eutin. Er wurde in dem dortigen Familienbetrieb gut aufgenommen, aber es sei doch etwas anderes als im eigenen Unternehmen. „Hier kann ich mich viel mehr einbringen und Dinge auch so verwirklichen, wie ich mir das vorstelle“, erklärt der Auszubildende. „Aber ,24/7‘ mit der Familie zusammenzuarbeiten, kann teilweise auch belastend sein.“

In seinem Jahr in Eutin war der angehende Bestatter wieder hauptsächlich im Außenbereich eingesetzt. Daneben lernte er aber auch noch den inneren Bereich kennen, also vor allem Büroarbeiten – die Koordination der Trauerfeier sowie den Kontakt mit Behörden wie etwa mit der Polizei, dem Standesamt oder dem Meldeamt. Auch mit Kirchen und Friedhöfen stehen die Bestatter in einem regen Austausch. Nun, in seinem dritten Lehrjahr, ist Bo wieder hauptsächlich im Innenbereich eingesetzt und führt Beratungsgespräche.

Dass dieser Beruf eine gewisse psychische Belastung mit sich bringt, versteht sich von selbst. „Ich glaube, ich habe da einen ganz guten Mittelweg gefunden“, erzählt Bo. In seiner Freizeit geht der 20-Jährige leidenschaftlich gerne jagen und verbringt Zeit mit seinen Hunden. Aber auch in seiner Klasse in der Berufsschule tauschen sich die angehenden Bestatter regelmäßig über Dinge aus, die sie beschäftigen. „In ganz Deutschland gibt es nur drei Berufsschulen für Bestatter“, berichtet Bo.

Und so pendelt er viermal im Jahr für einen Monat nach Springe, um dort seine theoretischen Kenntnisse über den Beruf zu vertiefen. Dort lernt er alles über die verschiedenen Riten und Gebräuche bei Beerdigungen, über die Textgestaltung – zum Beispiel bei Trauergesprächen – und über die Buchhaltung, schließlich handelt es sich dabei um eine kaufmännische Ausbildung.

Nach seiner Lehrzeit will Bo in dem Familienbetrieb bleiben. „Ich bin gespannt, wie sich das alles weiterentwickelt. Und wer weiß …, vielleicht werde ich den Betrieb ja doch irgendwann auch ganz übernehmen“, sagt er und ergänzt: „Wenn man beruflich mit dem Tod zu tun hat, sorgt das natürlich immer für Gesprächsstoff.“

Ausbildungsgehalt

1. Lehrjahr: 850 – 900 Euro
2. Lehrjahr: 900 – 950 Euro
3. Lehrjahr: 950 – 1.000 Euro
Einstiegsgehalt: 2.000 – 2.300 Euro (brutto)