©Luka Gorjup
Text von: Stefan Liebig

Sie lieben es, unterwegs zu sein. Mohamed und Nico machen eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer. Technikbegeisterung, Geduld und Stressresistenz sind gefragt – Abwechslung ist garantiert.

Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, ist nichts für mich“, sagt Nico Stüber. Der 18-Jährige ist im ersten Ausbildungsjahr zum Berufskraftfahrer bei der Göttinger Zufall logistics group. Das Erstaunliche: Er hatte vor zwei Jahren einen schlimmen Verkehrsunfall. Mit seinem Motorrad wurde er von einem Auto angefahren. Eine lange Reha-Zeit zwang ihn, die Schule abzubrechen. Den Hauptschulabschluss hat er, aber eigentlich sollte es der Realschulabschluss werden. Wieso er trotzdem beruflich hinters Steuer will? „Ich lasse mich von dem Unfall nicht einschränken – ich will unterwegs sein und etwas von der Welt sehen“, sagt er und schaut motiviert in die Zukunft. Und dabei ist er nicht allein. Bei Zufall gibt es noch zwei weitere Auszubildende, mit denen Nico eng zusammenarbeitet. Einer von ihnen ist Mohamed Anous-El Aloui. Der 35-Jährige ist bereits im zweiten Ausbildungsjahr, Vater von drei Kindern und seit vier Jahren in Deutschland. Bevor der Marokkaner seine Frau kennenlernte, jobbte er unter anderem in Katar für einen Sicherheitsdienst und war dort auch selbstständig tätig. Doch eigentlich wollte er schon immer Lkw-Fahrer werden. „In Marokko war das aber nicht möglich“, erklärt er den Grund, warum er erst in Deutschland mit der Ausbildung beginnen konnte.

Die Ausbildung bei Zufall gefällt Mohamed sehr gut. Er möchte Verantwortung übernehmen und mag den Kontakt zu den Kunden. Da er Familie hat, wird er überwiegend im Nahverkehr eingesetzt – so ist er abends wieder zu Hause. Nico hingegen möchte lieber die weiteren Fahrten übernehmen und länger auf Achse sein. Doch das dauert noch etwas. In den ersten Monaten der Ausbildung sammelt der Azubi im Tagesgeschäft zunächst Erfahrungen in der unternehmenseigenen Werkstatt und lernt im Umschlaglager wichtige Dinge für die Be- und Entladung kennen sowie für die Ladungssicherung nebst der gesetzlichen Vorgaben. Und natürlich will zuallererst der Lkw-Führerschein bestanden sein.

Im Wechsel besucht Nico eine Woche die Berufsschule und ist dann zwei Wochen im Betrieb. Die gesamte Technik von Lkw und Anhängern sowie verschiedenen Kupplungen dazwischen müssen verstanden und deren Bedienung erlernt werden. Natürlich beschäftigen sich die angehenden Fahrer auch mit der rasanten Entwicklung der autonomen Fahrtechnik. Angst, dass sie als Fahrer eines Tages wegen selbstfahrender Lkw überflüssig werden, haben sie aber nicht. „Das sehe ich als Unterstützung. Bis die Systeme wirklich ohne Menschen fahren können, wird aber noch viel Zeit vergehen“, sagt Nico und lässt sich nicht bange machen.

Auf die ,Piste‘ geht es zunächst aber nur als Beifahrer von erfahrenen Kollegen. Mohamed hat mit seinen 35 Jahren schon einen großen Erfahrungsvorsprung, doch Nico holt auf. Einig sind sich die beiden, dass sie sich nicht stressen lassen wollen. Denn das große Verkehrsaufkommen kostet viel Zeit. Maximale gesetzliche Lenkzeiten müssen eingehalten werden, während die Kunden eine pünktliche Lieferung erwarten. „Der Zeitdruck ist da, aber gegen den Verkehr kann man sowieso nichts machen“, sagt Mohamed. „Eine gute Planung und Flexibilität helfen. Und letztlich muss man einfach versuchen, möglichst gut durchzukommen.“

Doch genau diese schwierige Verkehrslage und die durch die Medien flimmernden Bilder von vollen Lkw-Rastplätzen sind der Grund für die überall fehlenden Lkw-Fahrer. „Der schlechte Ruf des Berufskraftfahrers ist unberechtigt. Der Beruf ist vielseitig, verantwortungsvoll, abwechslungsreich und nichts für Schreibtischhocker“, sagt die Ausbildungsleiterin Dorte Watermann. Sie begleitet die drei Azubis, die die ersten bei Zufall ausgebildeten Berufskraftfahrer sein werden. Durch die Finanzierung der Lkw-Führerscheine stellt dies für das Unternehmen eine hohe Investition dar. Der Fahrermangel auf dem Bewerbermarkt und das klare Bekenntnis der Unternehmensleitung zur innerbetrieblichen Ausbildung sprechen aber für diese Entscheidung. Neben der guten theoretischen und praktischen Schulung und den exzellenten Jobaussichten nach ihrer dreijährigen Lehrzeit, profitieren Nico, Mohamed und ihre Kollegen von dem umfangreichen und ausbildungsbegleitenden Programm bei Zufall.

Die beiden Azubis sind rundum zufrieden mit ihrer Wahl – das spürt man, wenn sie von ihrem künftigen Beruf und ihrem Einsatz auf der Straße erzählen. Zwei, die wirklich Gas geben wollen.

Welche Stärken sollte man mitbringen?

• Spaß am Autofahren
• Interesse für Technik und Kraftfahrzeuge
• handwerkliches Geschick
• Konzentrationsfähigkeit
• Stressresistenz
• Teamfähigkeit
• Kommunikationsfähigkeit beim Kundenkontakt
• Spaß am Lernen (Gesetze, Verkehrsregeln, Technik)

Was lernt man in der Ausbildung?

• Lkw zu fahren, Be- und Entladen
• Ladungssicherung
• Lenkzeitenkontrolle
• Dispositionsabläufe
• gesetzliche Bestimmungen für Transport- und Lieferverkehr
• Umgang mit dem Transportgut (z.B. verderbliche Ware oder Gefahrgut)