“Bei uns packt jede an“

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Text von: redaktion

Beim Serviceclub ZONTA setzen sich engagierte Frauen für benachteiligte Mädchen und Frauen ein -und wären sich gegen gängige Klischees.

Häusliche Gewalt gegen Frauen, Migrantinnen, denen der Zugang zu Bildung verschlossen bleibt. Was haben diese Beispiele gemeinsam? Es sind Probleme, die häufig wenig Beachtung finden und dennoch eines zeigen: Frauen und Mädchen werden heute immer noch vielfach benachteiligt – auch in Göttingen. Die weltweit aktive Organisation ZONTA International will dies ändern. „Wir wollen dazu beitragen, dass diese Ungleichbehandlungen ein Ende finden, denn Frauenrechte sind Menschenrechte“, erklärt Bärbel Opitz, Präsidentin des ZONTA Club Göttingen.

Die Mitglieder sind ausschließlich berufstätige Frauen in selbständiger oder verantwortlicher Position, die sich für soziale Projekte

persönlich engagieren oder sie mit gesammelten Geldern regionaler Gönner finanziell unterstützen. Juristinnen, Lehrerinnen, Ärztinnen, Ingenieurinnen und Marketing-Fachfrauen gehören dem Göttinger Ableger unter anderem an. Gesellschaftliche Hebelwirkung in gehobener Position sei notwendig. „Wenn man etwas verändern möchte, ist es hilfreich, wenn Menschen dabei sind, die neben dem Willen zum eigenen Engagement über Einfluss und entsprechende Kontakte verfügen“, erklärt Bärbel Opitz.

„Weder berufliche Netzwerke für den Karriere-Turbo zu knüpfen, noch Gewissensberuhigung für gelangweilte Hausfrauen sind die Motive der ZONTA-Anhängerinnen“, begegnet Opitz gängigen Klischees. „Aber natürlich nutzen unsere Mitglieder auch innerhalb des Clubs private und berufliche Synergien. Hilfe und Unterstützung leben wir selbstverständlich auch untereinander.“ Der Clubname

ist indianischen Ursprungs. Er steht für „ehrenhaft handeln“ und „gegenseitige Hilfe“. „Wir sind die Gesellschaft. Wir können nicht mmer sagen, die anderen müssen sich um die Probleme kümmern“, betont die Clubpräsidentin.

Die Vita der Mitglieder mag – wie bei traditionellen Servicevereinigungen üblich – ausgesucht sein. Als „elitär“ versteht sich der hiesige

Zusammenschluss dennoch nicht. „Manche Clubs zücken nur das Scheckheft. Bei uns packt jede an, bringt Ideen, Kontakte und Knowhow ein“, sagt Opitz. Im Clubleben gehe es bodenständig zu. Der erst sieben Jahre junge Göttinger Club organisiert unter

anderem jährlich einen Flohmarkt und eine Tombola mit Sachspenden regionaler Unternehmen. Die Einnahmen fließen komplett der Gemeinnützigkeit zu, auf internationaler wie auf lokaler Ebene.

In Göttingen unterstützt ZONTA derzeit unter anderem das Frauenhaus, den Frauen-Notruf, den Verein „Flügelschlag“, der die Neuropädiatrie an der hiesigen Universitäts-Kinderklinik fördert, sowie das Projekt „Mama lernt mit“, bei dem Migrantinnen subventionierte Deutschkurse an der Göttinger Hagenbergschule erhalten. Die Clubarbeit lasse viel Freiraum für Projektideen, so die Präsidentin. Weitere Benefizveranstaltungen sind angedacht, etwa Konzerte oder Lesungen. Auch internationale Club-Partnerschaften werden angestrebt, wenn die Anhängerschaft weiter wächst. In Göttingen zählt ZONTA derzeit knapp 30 Mitglieder. Um aufgenommen zu werden, so will es die Tradition, müssen Interessierte von bereits bestehenden Mitgliedern empfohlen werden. Es folgt eine Vorstellungsrunde, ehe der Club über den Beitritt abstimmt – sofern für beide Seiten die Chemie stimmt. Dass Serviceclubs nur jeweils einem biologischen Geschlecht offen stehen, ist heute offenbar immer noch üblich. Und auch ZONTA hat sich dieses Prinzip seit der Gründung 1919 in den USA bewahrt. Für Gleichstellung einzutreten und nur weiblich besetzt zu sein, irritiert, ist aus Sicht der Clubführung aber nicht ungerechtfertigt. „Für viele männlich dominierte Serviceclubs ist die Benachteiligung

von Frauen noch immer kein Thema.“

Text: BERTI KOLBOW