beckers-beckers-Chef über die Schwierigkeit, die Nachfolge richtig zu organisieren

© Alciro Theodoro Da Silva
Text von: redaktion

Ein Interview mit Sebastian Koeppel.

Herr Koeppel, haben Sie schon als Schüler und Student bei Ihren Jobs bei beckers bester daran gedacht, dass Sie das Unternehmen einmal übernehmen würden? Für mich stand immer fest, dass ich in die Fruchtsaftbranche gehe! Mein Traum war natürlich, beckers bester zu übernehmen. Da aber noch nicht klar war, ob ich diese Chance tatsächlich bekomme, habe ich aus Trotz immer gesagt: Zur Not gehe ich zur Konkurrenz.

Wie war die Situation für Sie, als Ihr Onkel Ernst Becker noch im Unternehmen war? Es war wie häufig, wenn Generationen aufeinandertreffen. Er war für die Produktion zuständig und ich für Marketing und Vertrieb. Die Ansichten gehen da oft auseinander. Er war es aber, der sich im letzten Jahr sehr engagiert hat, um dem Unternehmen eine Zukunft in Familienhand zu ermöglichen. Außerdem hatte ich die letzten zwei Jahre die richtigen Berater um mich. Einer davon ist heute mein Mitgesellschafter.

Wie haben Sie den Übergang organisiert? Schritt für Schritt, erst war ich nur Geschäftsführer und dann geschäftsführender Gesellschafter. Allerdings hielt ich nur 50 Prozent der Anteile, die ich von meinem Onkel Karl-Otto Becker erworben hatte. Die zweiten 50 Prozent übernahm dann mein Schwiegervater Wolf-Peter Korth von meinem zweiten Onkel Ernst Becker. Eigentlich hatte ich geplant, auch die zweiten 50 Prozent am Unternehmen selbst zu erwerben. Aber gehen Sie mal als 36-Jähriger ohne großes privates Vermögen zur Bank und versuchen, mit dieser über die Neufinanzierung des Unternehmens und die Kauffinanzierung zu verhandeln. Das funktioniert so heute nicht mehr. Da sind die Unternehmensinteressen wichtiger als meine persönlichen. Deshalb hat mein Schwiegervater die Anteile gekauft. Es wird aber nicht bei der momentanen 50/50-Regelung bleiben. Im nächsten Schritt werde ich noch dieses Jahr ein Prozent von meinem Schwiegervater kaufen.

Was waren Ihre ersten Maßnahmen nach dem Übergang? Zunächst hatten wir uns aus der Abhängigkeit von den Banken befreit. Mit den hohen Rückzahlungen am Ende einer Sanierungsphase fehlt uns jetzt allerdings Liquidität, um weiterwachsen zu können. Deshalb werden wir circa die Hälfte des zurückgeführten Geldes wieder neu aufnehmen. Damit haben wir dann den finanziellen Spielraum, den wir als wachsende Marke in den nächsten Jahren brauchen. Außerdem bin ich auf dem Weg, die Unternehmenskultur weiterzuentwickeln. Denn ich habe eine andere Auffassung von mir als Unternehmer und Führungskraft. Viele aus der älteren Generation treten sehr viel dominanter auf. Ich sehe mich mehr als Teil des Teams und versuche, alle Mitarbeiter zum Mitdenken und Mitgestalten zu motivieren. Mein Job ist, die Strategie vorzugeben, Ideen zu entwickeln und aufzunehmen sowie am Ende darüber zu entscheiden.

Wie haben Sie diesen neuen Führungsstil implementiert, und wie kamen die Mitarbeiter damit zurecht? Ich versuche, den Menschen einfach freundlich und offen zu begegnen. Dadurch gewöhnen sich die Mitarbeiter langsam daran, dass auch sie offen mit mir sprechen können. Ich freue mich, wenn sich die Mitarbeiter trauen, ihre Meinung zu äußern. Auch und besonders, wenn es mal kritische Töne sind. Das ist das größte Lob für meinen Führungsstil. Außerdem stehe ich regelmäßig vor der gesamten Belegschaft und erkläre meinen Weg. So verstehen die Mitarbeiter nicht nur meine Entscheidungen besser, sondern sie können auch verfolgen, welchen Schritt wir schon geschafft haben. Es geht darum, Vertrauen aufzubauen. Allerdings musste auch ich erkennen, dass einige mit der neuen Situation nicht zurechtkamen. Lange wollte ich nicht wahrhaben, dass es dann notwendig ist, sich auch von Mitarbeitern zu trennen. Für mich ist es die größte persönliche Niederlage, wenn ein Mitarbeiter aus diesem Grund geht oder entlassen werden muss. Ich musste auch feststellen, dass meine Freundlichkeit ausgenutzt wird. Diese Erfahrungen muss ich aber machen. Ich bin mit 36 noch kein fertiger Unternehmer. Ich und das gesamte Unternehmen sind mitten im Wandlungsprozess, und dieser wird noch eine gewisse Weile dauern.

Vielen Dank für das Gespräch!