Autotest R-Klasse: Der entspannte Riese

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Sebastian König

BeLoTec-Geschäftsführer Peter Fleitmann hat für faktor die neue Mercedes R-Klasse getestet: Wenn groß nicht groß genug ist.

„Ob ich da reinpasse?“ Tester Peter Fleitmann ist skeptisch, als er die Mercedes R-Klasse erstmals in Augenschein nimmt. Und tatsächlich: Mit einer Körpergröße von 2,06 Meter wird es sogar in der geräumigen R-Klasse ziemlich eng. Vor allem die Mittelkonsole nimmt zu viel Platz ein. „Die Konsolen werden immer breiter und lassen keinen Raum für meine langen Beine“, bemängelt der Geschäftsführer der BeLoTec GmbH in Göttingen. Im Phaeton könne er noch nicht einmal das Gaspedal treten.

In der R-Klasse klappt das gerade noch, und die Fahrt kann beginnen. Zunächst geht es nach Rosdorf. Hier entsteht der neue Firmensitz der BeLoTec und der Labotect. Aus deren Serviceabteilung ist die BeLoTec 1999 hervorgegangen. „Wir sind ein Dienstleister in den Bereichen Wartung und Service für Laborgeräte, Kältetechnik und Laborumzüge. Dabei erbringen wir unsere Leistungen selbstverständlich auch für die Labotect-Produkte.“

Beruflich und privat ist Fleitmann viel im Auto unterwegs. Da er als Firmenwagen eine Mercedes M-Klasse fährt, bemerkt er in der R-Klasse sofort das neue Lenkrad: „Es ist ovaler und liegt sehr gut in der Hand.“ Die integrierten Bedienelemente für Bordcomputer und Radio kennt er bereits. „Diese sind logisch angeordnet und gut zu bedienen.“ Dies gelte auch für die übrigen Tasten im Cockpit. Insgesamt ist der Innenraum weitläufig und flexibel gestaltet. So lässt sich das Kofferraumvolumen mittels umklappbarer Rücksitze je nach Modell auf bis zu 2.385 Liter ausdehnen. „Ein großer Kofferraum ist wichtig, denn für meine Hobbys wie Golf oder Segeln benötige ich viel Platz“, sagt Fleitmann. Zudem müsse noch genügend Raum für den großen Hund zur Verfügung stehen. Da er außerdem oft mit den Enkeln unterwegs ist, sind zusätzliche Plätze von Vorteil.

Im Mercedes lassen sich optional zwei Sitze im Kofferraum aufklappen. Dann steigt je nach gewähltem Innenraumkonzept die Zahl der Plätze auf sechs oder sieben. Die Polsterung der Sitze empfindet der Tester als äußerst bequem. Zudem gefallen ihm die großen Fensterflächen. „Beim Abbiegen hat man durch die Seitenfenster einen sehr guten Überblick, auch ohne sich vorbeugen zu müssen.“

Für das Fahrverhalten verteilt er ebenfalls Bestnoten. Auf den holprigen Landstraßen Richtung Jühnde kann der Mercedes mit seiner guten Federung punkten. „Von den schlechten Straßenverhältnissen merkt man kaum etwas“, stellt Fleitmann fest. Auch der Geräuschpegel ist gering, was auf eine gute Innenraumdämmung schließen lässt. Auf der Autobahn lobt der Tester schon beim Auffahren die Spritzigkeit der R-Klasse: „Der Motor zieht sehr gut und bringt das Auto schnell auf hohe Geschwindigkeit.“ Damit der Fahrer dabei leichter die Kontrolle behält, bietet Mercedes optional diverse Assistenzsysteme an. So meldet sich bei zu knappem Einscheren auf der Autobahn sofort der Totwinkel-Assistent. „Für Wenigfahrer sicher eine gute Hilfe, für mich eher ungeeignet“, sagt Vielfahrer Fleitmann.

Begeistert ist er dagegen vom Tempomat mit integrierter Abstandskontrolle. Dieser passt die Geschwindigkeit durch automatisches Bremsen oder Beschleunigen ständig an das vorausfahrende Fahrzeug an. So kann der Fahrer entspannt im fließenden Verkehr „mitschwimmen“. „Das ist für mich ideal, denn ich bin ein besonders ruhiger Fahrer und möchte nur sicher ans Ziel kommen.“ Mit der R-Klasse sieht er da keine Probleme, denn das Sicherheitsgefühl sei in einem Mercedes besonders groß.

Insgesamt fällt das Fazit sehr positiv aus: „Die R-Klasse wäre ganz klar ein Auto für mich.“ Die kleine, wenn auch entscheidende Einschränkung muss Fleitmann nur aufgrund seiner Größe machen. In den USA wäre das nicht nötig, wie er kürzlich festgestellt hat. „Dort haben Autos ganz andere Dimensionen, da habe selbst ich genügend Platz.“ Dennoch kommt ein ausländisches Fabrikat für ihn nicht in Frage. „Da bin ich konservativ, ich möchte ein deutsches Auto aus deutscher Produktion fahren.“ Deshalb wird er wohl noch eine Weile bei seiner geräumigen M-Klasse bleiben müssen, bis die Autodesigner seinen Wunsch nach schmaleren Mittelkonsolen erhören.