©Luka Gorjup
Text von: Lea van der Pütten

Schnelle Autos, reichlich PS und starke Motoren – das faszinierte Anna Emilius schon immer. Nach ihrem Abi machte sie ihre Leidenschaft zum Beruf und begann eine Ausbildung zur Automobilkauffrau.

Die Geschichte von Anna Emilius nimmt bereits vor einigen Jahren Fahrt auf – mit einem Schulpraktikum in der neunten Klasse in einem Göttinger Autohaus. Anna, damals 15 Jahre alt, ist von den vielen großen Wagen, der entspannten Arbeitsatmosphäre und dem herzlichen Umgang unter den Kollegen sofort begeistert. Dieses Gefühl lässt sie nicht mehr los. Und so kommt für Anna nach ihrem Abi an der Johannesberg-Schule in Witzenhausen auch nur ein einziger Ausbildungsbetrieb infrage. Sie bewirbt sich erneut beim Volkswagen Zentrum Göttingen, Autohaus Südhannover – und wird wieder genommen. Über ein Studium habe sie nur kurz nachgedacht. „Aber Autos kann man schlecht studieren, die muss man praktisch erleben“, sagt die heute 21-Jährige zufrieden.

„Wenn ich erzähle, was ich mache, kommt von vielen: ‚Oh, dann kannst du mir ja mein nächstes Auto verkaufen‘“, erklärt die frisch gebackene Automobilkauffrau. In dieser Hinsicht sei dieser Beruf ein bisschen von Vorurteilen belastet. Tatsächlich aber kann man als Automobilkauffrau oder -kaufmann in nahezu allen Bereichen und Abteilungen eines Autohauses eingesetzt werden. Aus diesem Grund hat Anna während ihrer Ausbildung auch alle Abteilungen des VW Zentrums kennengelernt – vom Lager über die Buchhaltung bis hin zum Marketing und Service. „Es ist sehr wichtig, dass man alle Abteilungen kennt“, sagt Anna. „Wenn man im Service mit einem Kunden telefoniert, der eine Reparatur benötigt, ist es gut, wenn ich auch die Abläufe in der Werkstatt kenne und eine Einschätzung geben kann, was gemacht werden muss und wie lange das dauert.“ Darin liege auch der Unterschied zur Ausbildung zur klassischen Bürokauffrau: in der Zeit, die Anna im Blaumann in der Werkstatt verbracht hat, und vor allem in den täglichen mechatronischen Aufgaben.

Im Lager gibt Anna Bestellungen von Teilen wie Filtern oder Schrauben auf, sortiert diese ein oder legt die Bauteile für den Monteur bereit. In der Finanzdienstleistung dreht sich alles rund um das Thema Leasing und Finanzierung und die entsprechenden Verträge, während es in der Finanzbuchhaltung vor allem um Zahlungsein- und ausgänge geht, um die Buchung der Geschäftsvorfälle aus den Abteilungen des Betriebes sowie um die kaufmännische Unfallabrechnung. In der Disposition wird der gesamte Fuhrpark mitsamt seinen Fahrzeugen gemanagt und die Abwicklung der Fahrzeugverkäufe – wie etwa die Bestellungen der Neuwagen – bearbeitet. Im Marketing schließlich werden Veranstaltungen geplant und Werbemaßnahmen umgesetzt. Anna hatte hier an der Erstellung von Social-Media-Posts und dem Fotografieren der Autos besonders viel Spaß.

Nebenbei besuchen die Azubis des VW Zentrums zunächst zweimal wöchentlich und ab dem zweiten Lehrjahr einmal wöchentlich die BBS I in Northeim. „Die Fächer waren wirklich sehr praxisorientiert“, sagt Anna lobend. Im ersten Lehrjahr hatten die Auszubildenden Englisch, das komplett auf das Thema Auto abgestimmt war. In Deutsch lernten sie, Verkaufsgespräche zu führen und generell ihre Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. „Aber auch mit Zahlen sollte man einigermaßen gut umgehen können“, so Anna. „Gerade im Rechnungswesen.“

Im Juni war es dann endlich so weit. Anna hat ihre Ausbildung bestanden und wurde vom Autohaus übernommen – und wurde auch gleich in ihrer Wunschabteilung, dem Service, eingesetzt. Ihr Arbeitsplatz ist nun der Counter des Audi Zentrum Göttingen, einem zur Südhannover-Gruppe gehörenden Autohaus. Hier dreht sich alles rund um die Kundenbetreuung. „Jeder Tag ist anders. Mal ist es super ruhig und schon im nächsten Moment weißt du nicht mehr, wo dir der Kopf steht“, sagt Anna begeistert. Die Kunden kommen mit den unterschiedlichsten Anliegen zu ihr, und sie vermittelt diese weiter an die richtige Ansprechperson. Sie vereinbart Termine, berät die Kunden und erklärt Rechnungen oder etwaige Reparaturen.

Auch neben ihrem Beruf dreht sich für Anna alles um Pferdestärken. Sie ist leidenschaftliche Reiterin und investiert viel Freizeit in ihr eigenes Pferd. Außerdem ist sie eine begeisterte Autofahrerin – allerdings ist sie zurzeit noch mit ihrem Polo unterwegs.„Während der Ausbildung war ein größeres Auto leider nicht drin“, berichtet sie. Jetzt, nachdem sie beim Audi Zentrum übernommen wurde, spart sie auf etwas Neues. Ihr Traumauto: ein Audi RS 5.

Das solltest du für die Ausbildung mitbringen

• Organisationstalent
• Flexibilität
• Kontaktfähigkeit
• Sprachkompetenz
• Interesse am Auto und dessen Technik
• kaufmännisches Denken
• Sorgfalt
• Verhandlungsgeschick
• Mathekenntnisse
• Teamfähigkeit

Ausbildungsgehalt

1. Lehrjahr: 500-890 Euro
2. Lehrjahr: 540-920 Euro
3. Lehrjahr: 610-1.020 Euro
Einstiegsgehalt: 1.800-2.400 Euro (brutto)