Ausgezeichnete Promotion zu Alzheimer und Krebs

© Privat
Text von: redaktion

Ein Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) erhalt den Hans-Heimann Promotionspreis 2012 der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde.

Menschen mit Krebs erkranken weniger an der Alzheimer-Demenz und Menschen, die an Alzheimer leiden, haben ein weitaus geringeres Risiko an Krebs zu erkranken. Dieser wechselseitige Zusammenhang zwischen Krebs und Alzheimer ist weltweit bekannt.

Vivek Venkataramani hat jetzt in seiner Promotionsarbeit eine mögliche Erklärung dafür gefunden: Das Alzheimer-Protein APP ist ein wichtiger wachstumsfördernder faktor für Tumore. Seine Menge lässt sich pharmakologisch beeinflussen.

Diese Erkenntnis könnte ein neuer Ansatz zur Behandlung für Krebs und Alzheimer sein.

Für seine Arbeit zum Thema ‚Die Funktionsanalyse und Pharmakomodulation des Amyloid-Vorläufer-Proteins (APP) in vitro und in vivo – Eine neue Zielstruktur zur Behandlung maligner Tumore‘ ist Venkataramani zusammen mit Thomas A. Bayer, Betreuer der Promotionsarbeit aus der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie (Arbeitsgruppe für Molekulare Psychiatrie) der UMG, mit dem Hans-Heimann Promotionspreis der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) ausgezeichnet worden.

Der Preis ist mit 8.000 Euro dotiert und wird jährlich auf dem DGPPN-Kongress verliehen.

„Das besondere an der Doktorarbeit von Venkataramani ist, dass sie für ein bisher ungelöstes Phänomen, den gegenseitigen Schutzmechanismus zwischen Alzheimer und Krebs, eine Erklärung liefert. In seiner Arbeit konnte er zeigen, auf welche Weise das ‚Alzheimer-Protein‘ APP in seiner Funktion als Wachstumsfaktor bei Krebserkrankungen wirksam werden kann.Erstmals sind so die molekularen Mechanismen aufgeklärt, die der wachstumsfördernden Funktion zu Grunde liegen“, sagt Thomas Bayer.

Molekularer ‚Link‘ zwischen Alzheimer und Krebs

Wenn APP sich spaltet, entsteht entweder schützendes sekretiertes APPalpha oder giftiges Abeta-Peptid. Bei Tumoren findet sich eine Betonung der wachstumsfördernden Funktion von APP.

Es ist ein pathologisch wichtiger Tumor-fördernder faktor. APP unterstützt Krebszellen und tumornahe Stammzellen, die weiter wachsen wollen.

Bei der Alzheimer-Demenz ist das Gegenteil der Fall: Hier fehlt die Zell-schützende Funktion von APP, wodurch das Absterben von Nervenzellen begünstigt wird.

In Zellkulturen konnten die Wissenschaftler belegen, dass durch das Ausschalten von APP das Wachstum von Tumorzellen verlangsamt wird. Damit konnte APP als neue Zielstruktur zur Tumorbehandlung nachgewiesen werden.

Vivek Venkataramani wurde am 20. Januar 1983 in Hannover geboren und hat von 2002 bis 2008 in Göttingen Humanmedizin studiert.

Anschließend hat er bis 2011 im Labor von Thomas A. Bayer, Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie der UMG, im Rahmen seiner Dissertation als wissenschaftlicher Mitarbeiter gearbeitet.

Im März 2012 wurde er an der Medizinischen Fakultät in Göttingen promoviert.

Die Dissertation sowie die daraus entstandenen Publikationen wurden mit nationalen und internationalen Posterpreisen als auch mit dem Promotionspreis der Universitätsmedizin Göttingen im Wintersemester 2011/12 ausgezeichnet.

Seit Juli 2011 ist Venkataramani Assistenzarzt in der Abteilung Hämatologie und Onkologie der UMG und als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Stammzellbiologie von Gerald Wulf tätig.