Aus freien Mitteln

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Text von: redaktion

Die Universitätsmedizin Göttingen der Georg-August-Universität plant den Aufbau eines Deutschen Zentrums für MS im Kindes- und Jugendalter und sucht dafür Unterstützer.

Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 200 Kinder und Jugendliche neu an Multipler Sklerose (MS) – Tendenz steigend. Dennoch steckt die Behandlung und die Forschung zur Entstehung kindlicher MS noch in den Anfängen. Die Universitätsmedizin Göttingen der Georg-August-Universität plant deshalb, das „Deutsche Zentrum für MS im Kindes- und Jugendalter“ aufzubauen. Kostenpunkt: Fünf Millionen Euro. Um die erforderliche Summe aufzubringen, werden nun Unterstützer gesucht.

Es ist noch gar nicht lange her, dass überhaupt jemand die Nervenerkrankung bei Kindern und Jugendlichen für möglich gehalten hätte. Erst in den 1980er Jahren erkannten Wissenschaftler, darunter der Göttinger Mediziner Folker Hanefeld, dass schon Kleinkinder MS bekommen können. Die entzündliche Erkrankung von Gehirn und Rückenmark verläuft auch bei jungen Patienten unvorhersehbar. Schwere Behinderungen wie Blindheit oder Lähmungen sind mögliche Folgen.

Die Göttinger Uniklinik ist bereits jetzt bundesweite Anlaufstelle für MS-kranke Kinder und Jugendliche. Zurzeit befinden sich in der Kinderklinik etwa 130 Patienten in ständiger Behandlung. Darüber hinaus verfügt die Göttinger Universitätsmedizin über das bundesweit größte Register, das die Daten der jungen Patienten mit ihren Krankheitsverläufen erfasst. „Um Therapieerfolge abschätzen zu können, ist das aber noch nicht genug“, so Jutta Gärtner, Direktorin der Abteilung Pädiatrie II des Uniklinikums. Es sei vielmehr notwendig, europäische und internationale Datennetzwerke anzulegen.

Genau dies soll nun mit dem Aufbau des „Deutschen Zentrums für MS im Kindes- und Jugendalter“ geschehen. Darüber hinaus planen die Mediziner, Beratungs- und Therapieangebote für betroffene Kinder und Eltern einzurichten, Fort- und Weiterbildungsprogramme für niedergelassene Neurologen und Kinderärzte anzubieten und die Ursachenforschung für MS voranzutreiben.

Das neue Zentrum soll ab 2008 in einem Zeitraum von fünf Jahren aufgebaut werden. „Dafür ist eine Summe von insgesamt 2,75 Millionen Euro erforderlich“, erläutert Gabriele Schreiber, die Bereichsleiterin Humanmedizin der Stabsstelle für Universitätsförderung. Ist das Zentrum erst errichtet, soll ab 2013 die Einrichtung einer Stiftungsprofessur „Pädiatrische Multiple Sklerose“ folgen. Der Finanzbedarf hierfür beläuft sich auf weitere 2,25 Millionen Euro für fünf Jahre. Insgesamt also ein Finanzvolumen von rund fünf Millionen Euro innerhalb der nächsten zehn Jahre.

Unterstützer für das neue Zentrum gibt es bereits: So hat sich im vergangenen Jahr ein Beirat gegründet, der sich für das MS-Zentrum stark macht. Dort vertreten sind unter anderem Carl Albrecht Jost Graf von Hardenberg, Aufsichtsratsvorsitzender der Hardenberg-Wilthen AG und die Opernsängerin und MS-Betroffene Christina Alba-Ansorge.

Erste Spenden für das MS-Zentrum, zum Teil in fünfstelliger Größenordnung, hat die Göttinger Universitätsmedizin bereits erhalten. „Damit können wir eine erste Grundausstattung für die Infrastruktur aufstellen“, sagt Wolfgang Brück, Direktor der Abteilung Neuropathologie.

Doch weitere Unterstützung ist vonnöten: „Das Projekt ist sehr ambitioniert“, macht Brück deutlich. „Wir wollen den Weg der Projektfinanzierung aus freien Mitteln gehen.“

Spendenadresse: Universitätsmedizin Göttingen

Spendenkonto 1420, Sparkasse Göttingen BLZ 260 500 01

Spendenzweck: MS-Zentrum für Kinder

Text: TANJA UHDE