Aus der Region – für die Region

© Haus mit vielen Etagen
Text von: Stefan Liebig

faktor stellt unterstützenswerte Hilfsorganisationen aus Südniedersachsen vor.

Zum Ende des Jahres steigt die Spendenbereitschaft traditionell stark an. Sei es, dass Unternehmen Gelder für gute Zwecke bereitstellen, Belegschaften auf Weihnachtsfeiern sammeln oder Privatpersonen gern etwas Gutes tun möchten. Namhafte Projekte erhalten dank ihres Bekanntheitsgrades dabei häufig einen überproportional großen Anteil des Spendenaufkommens. faktor möchte an dieser Stelle einige interessante, doch vielleicht weniger bekannte Möglichkeiten vorstellen, sinnvoll zu spenden. Es handelt sich um südniedersächsische Projekte und Organisationen, die mit viel ehrenamtlicher Initiative beachtenswerte Beiträge zum sozialen und gesundheitlichen Vorteil vieler Menschen in der Region und weit darüber hinaus leisten. Ein solches finanzielles Engagement kann im Übrigen auch zu einer Win-win-Situation führen, wenn es mit steuerlichen Vorteilen verbunden ist. Sowohl Stifter als auch Privatpersonen und Unternehmer können Spenden gegen Quittung als Sonderausgaben bei der Steuererklärung geltend machen. Im Hinblick auf die individuelle Besteuerungssituation sollte ein Steuerberater konsultiert werden.

Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte

Das in Göttingen gegründete Hilfswerk Deutscher Zahnärzte (HDZ) entstand als ,Patenschaft Niedersächsischer Zahnärzte für Lepragebiete‘, um leprakranken Menschen zu helfen. Das HDZ engagiert sich weltweit, um Krankheit und Not zu lindern und Menschen zu helfen, die sich selbst nicht (mehr) helfen können. Insbesondere gilt diese Förderung Flüchtlingen, Straßenkindern und den ärmsten Jugendlichen in der so genannten Dritten Welt. Das HDZ hilft ihnen, eine Ausbildung, Arbeit und ein Zuhause zu finden.

Es gehört zum Grundsatz des HDZ, dort tätig zu werden, wo staatliche Hilfsmaßnahmen nicht greifen und wo die großen Hilfsorganisationen nicht vertreten sind. Schwerpunkte setzt die Stiftung bei Zahnstationen, Waisenhäusern, Kinderheimen, Schulen oder Krankenstationen. Die Hilfe zur Selbsthilfe steht im Vordergrund. So erhalten Ärzte und Zahnärzte sowie das Hilfspersonal professionelle Unterweisung an den gelieferten Ausrüstungsgegenständen.

Ein aktuelles Projekt des HDZ ist der Aufbau eines Dentalstudios auf dem Gelände des Lubaga Hospitals. Hier soll die zahnärztliche Vorsorge an Schulen in der Catchment-Area in Lubaga South Subcounty gewährleistet werden. In dieser Gegend, unweit der ugandischen Hauptstadt Kampala, leben etwa 200.000 Menschen – viele davon in Slums. Den Menschen soll ein bezahlbarer Zugang zur professionellen zahnärztlichen Behandlung eröffnet werden. Mit solchen und ähnlichen Hilfsmaßnahmen konnte das HDZ bereits viel Not lindern. Über 30 Millionen Euro investierte die Stiftung seit 1987 in nachhaltige Armutsbekämpfung und versandte bereits über 200 Zahnstationen in Notgebiete.

Psychagogisches Kinderheim Rittmarshausen

Das Psychagogische Kinderheim Rittmarshausen ist eine Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe mit weiteren Standorten in Göttingen, Bischhausen, Beienrode, Etzenborn, Weißenborn und Bischhagen. 1956 gegründet, weist der Name auf die enge Verbindung von psychotherapeutischem und pädagogischem Handeln hin. Kinder und Jugendliche, die Probleme mit Eltern, Geschwistern, anderen Erwachsenen und Kindern oder mit der Schule haben, finden dort ein neues Zuhause auf Zeit. Sie können in eine Schule gehen, die insbesondere die emotionale und soziale Entwicklung fördert. Dabei leben und lernen sie in stationären Wohn- und Wochengruppen oder in Tagesgruppen, Ältere wohnen in Außenwohngruppen. Zurzeit verfügt die Einrichtung an den acht Standorten über rund 150 Plätze, in der Förderschule können bis zu 86 Schüler unterrichtet werden. Das Psychagogische Kinderheim Rittmarshausen ist ein Haus sowohl der ernsten Gespräche und Therapien als auch des Spielens, des Lachens, des gemeinsamen Erlebens und der Freude. Verständnisvolle und kompetente Mitarbeiter begleiten, hören zu, motivieren, verstehen und fördern die Kinder und Jugendlichen. So bietet die Einrichtung ein differenziertes Jugendhilfeangebot, das Kinder und Jugendliche stützt und stärkt und sich als Hilfe zur Selbsthilfe versteht.Diese ist immer zeitlich begrenzt, und eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie und das soziale Umfeld ist immer das Ziel.

ge-hoer – Verein zur Förderung hörgeschädigter Kinder und Erwachsener Südniedersachsen e.V.

Die Diagnose ‚schwerhörig‘ stellt viele Familien vor große Probleme. Im Jahr 1978 beschlossen daher einige betroffene Eltern gemeinsam mit Fachleuten einen Verein zu gründen, der sich für die Belange hörgeschädigter Kinder in der Region Südniedersachsen und Nordhessen einsetzt. Der Verein ermutigt Eltern, einen Weg für das eigene Kind in die Lautsprache zu finden. Gemeinsame Aktivitäten ermöglichen es Familien mit hörgeschädigten Kindern, sich kennenzulernen und sich durch Erfahrungs- und Informationsaustausch gegenseitig zu unterstützen. So erhalten die Kinder Rückhalt und können das eigene Potenzial entfalten. Durch Öffentlichkeitsarbeit soll die Auseinandersetzung mit der lautsprachlichen Gesellschaft ermöglicht und die Gesellschaft für die Problematik sensibilisiert werden. Mit Workshops und Elternschulungen informiert der Verein über neue Entwicklungen und Erkenntnisse. Therapeuten, Erzieher und Lehrer können das Fortbildungsprogramm nutzen. Zudem setzt sich der Verein für zahlreiche Veränderungen wie etwa ein flächendeckendes Neugeborenen-Screening und intensive Frühförderung sowie angemessene äußere Rahmenbedingungen (Raumakustik, Klassengröße) für hörgeschädigte Kinder in der Regelschule ein. Abgerundet wird das Programm durch viele Freizeitveranstaltungen wie Familientage mit Draisinenfahrten oder Familienwochenenden am Hohen Meißner.

Internationale Gärten e.V. Göttingen

Der erste internationale Garten wurde 1995 am Kalten Born in Geismar ins Leben gerufen. Von Anfang an standen das Miteinander der Menschen und die Eingliederung von Flüchtlings- und Migrantenfamilien im Vordergrund. Im 1998 gegründeten Verein ,Internationale Gärten e.V.‘ arbeiten inzwischen Familien aus 18 Nationen zusammen. Die Menschen haben ein gemeinsames Hobby, unabhängig von Religion, Kultur und Herkunft. Bei der Gartenarbeit treffen sie sich und lernen voneinander. Jeder kann seine Erfahrungen einbringen und bei den Festen neue Bräuche aus fremden Kulturen kennenlernen. Die Gärten des Vereins sind im Allgemeinen in einzelne Parzellen für den Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern und in Gemeinschaftsflächen aufgeteilt. Der Verein möchte die Solidarität seiner Mitglieder durch gemeinsame Unternehmungen deutscher und ausländischer Familien fördern. Projekte wie der Sinnespfad, die Lehrimkerei oder auch der Aufbau einer Kräuterspirale in Zusammenarbeit mit der Montessori-Schule zeigen, dass neben dem kulturellen Ansatz auch das Miteinander der Generationen eine wichtige Rolle spielt.

Und wenn im Winter die Gartenarbeit ruht, können die Mitglieder unter fachkundiger Anleitung Kunsthandwerke wie Töpfern und Malen erlernen. Die Internationalen Gärten e.V. haben darüber hinaus an der Ausarbeitung des Nationalen Integrationsplans 2005/06 und des Kommunalen Integrationsplans 2008 mitgearbeitet. Der Verein erarbeitet seit vielen Jahren ein Bildungsangebot im ‚Grünen Bereich‘ für Frauen und Männer, bietet kreative Aktionen für Kinder und Jugendliche an und vernetzt seine Projekte untereinander. Das Konzept hat bereits viele Nachahmer in Deutschland gefunden.

Haus mit vielen Etagen e.V.

Die Idee, ein virtuelles Haus zu bauen, in dem die einzelnen Etagen Angebote für Eltern mit behinderten Kindern enthalten, führte zur Gründung des Vereins ,Ein Haus mit vielen Etagen e.V.‘ im Jahr 2002. Seither erhalten betroffene Familien bedürfnisgerechte Unterstützung zur Erleichterung ihres Alltags. Speziell mit den Leistungen im Rahmen des Familienentlastenden Dienstes Göttingen spielt der Verein eine wichtige Rolle in unserer Region. Zu den Hauptaufgaben gehören stunden- oder tageweise Betreuung von behinderten Kindern, die Beratung von Eltern bei Fragen der Pflege und anderen Problemen sowie die integrative Betreuung von Schulkindern. Zudem besteht seit 2011 eine Kooperation mit den Göttinger Werkstätten im Bereich des selbstbestimmten betreuten Wohnens.

Derzeit betreut der Verein 96 Familien und beschäftigt zeitweise bis zu 102 Mitarbeiter, die die Betreuung der behinderten Kinder in ihrer häuslichen Umgebung gewährleisten. Alle Mitarbeiter verfügen über eine qualifizierte Ausbildung im pflegerischen oder pädagogischen Bereich und erhalten durch den Verein qualifizierte Fortbildungsmaßnahmen. Darüber hinaus können sich Jugendliche in den vereinseigenen Räumlichkeiten an drei Nachmittagen in der Woche treffen, um zu spielen, zu basteln oder zu musizieren. Auch Spaziergänge, Stadt- oder Freibad- und Zoobesuche gehören zum Freizeitprogramm. Vereins-Höhepunkt ist die Herbstferienfreizeit in Mettingen. 13 Kinder und Betreuer freuen sich jährlich auf die einwöchige Fahrt, die für dieses Jahr bereits ausgebucht ist.