Augen auf!

© IStockPhoto/Loredana Bejerita
Text von: Stefan Liebig

Wer kennt das nicht? Eine neuer Gedanke beim Gang durchs Büro – schnell soll der Geistesblitz am Computer festgehalten werden. Hinsetzen, tippen und überprüfen – doch die Buchstaben verschwimmen, sind nur mit zugekniffenen Augen oder beim Blick über den,Brillenrand zu erkennen. Wo ist die Brille für den Arbeitsplatz?

Gerade wenn die magische 40 überschritten wird, kommen die meisten Menschen nicht mehr ohne Lesehilfen aus. Das durch die Evolution genial entwickelte Auge scheint an die Grenzen seiner Fähigkeiten zu gelangen. Wer schon länger mit Kurzsichtigkeit zu kämpfen hat und nun auch noch von der Alterssichtigkeit betroffen ist, wird in Zukunft entweder ständig mit seinen unterschiedlichen Brillen jonglieren oder sich eine – leider meist recht teure – Gleitsichtbrille zulegen müssen. „Alterssichtigkeit ereilt jeden. Das liegt nicht an der Bildschirmarbeit. Bei der kann zwar durch die niedrigere Lidschlagfrequenz der Tränenfilm im Auge reißen, aber davon erholt sich ein gesundes Auge schnell“, so Augenarzt Karl-Heinz Schott. Gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Stracke empfiehlt er aber, den Augen möglichst oft eine Pause zu gönnen. Den Blick schweifen zu lassen, die Augen zu schließen und den Tränenfilm wieder regenerieren zu lassen, sind laut den beiden Northeimer Ärzten wichtige Entspannungsmaßnahmen im Alltag.

Um zwischen diesen Pausen ohne Ablenkung durch undeutliches Sehen arbeiten zu können, empfiehlt Ute Mathies, Inhaberin von Augenoptik Mathies in Bovenden und Rosdorf, die persönlichen Parameter bei einer Gleitsichtbrille genau zu bestimmen und einzuhalten. Wichtig sei es, einen Optiker des Vertrauens zu finden, bei dem man sich wohlfühle. Häufig böten kleinere Geschäfte die persönlichere Betreuung, individuellere Brillenmodelle und kürzere Wartezeiten als die großen Ketten, so Mathies, die insbesondere auch auf ihren Hausbesuchsservice hinweist. „Es ist wichtig, dass die Brille von Fachpersonal zentriert und angepasst wird. In der Eingewöhnungsphase ist es besonders wichtig, die Brille konsequent zu tragen, um das Auge an das neue Hilfsmittel zu gewöhnen“, erläutert die Optikerin die Anpassung einer Gleitsichtbrille. Beachtet man diese Punkte, bieten die Gläser scharfe Bilder von der Ferne über den mittleren Bereich bis zum Lesen im Nahbereich. „Im Übrigen ist der Arbeitgeber zur Zahlung einer solchen Sehhilfe verpflichtet, wenn regelmäßige Bildschirmarbeit den Arbeitsalltag bestimmt“, weist Karl-Heinz Schott auf eine wohl recht unbekannte Bestimmung der Bildschirmarbeitsverordnung und der Berufsgenossenschaften hin.

Wer aber lieber ohne Brille durch den (Arbeits-) Alltag kommen möchte, für den dürften die Entwicklungen auf dem Kontaktlinsenmarkt interessant sein. Die vergangenen Jahre brachten enorme Fortschritte im Bereich der Mehrstärkenlinsen. ,Multifokale‘ Kontaktlinsen verwenden unterschiedliche Brennweiten für die Korrektur des Fern- und Nahbereichs. Was wie Zauberei anmutet, machen diese Lösungen möglich: Auf einer kleinen Linse sind die Eigenschaften einer Gleitsichtbrille vereint. „Das Gehirn sucht sich den passenden Bereich aus. Je nachdem, ob das Auge lesen oder etwas in der Ferne sehen soll“, erklärt Robert Mergenthal diese faszinierenden Sehhilfen. Der Diplom-Ingenieur für Augenoptik bietet in seinem Göttinger Geschäft ,Sehenswert‘ Kontaktlinsen und Brillen an. „Durch intensives Zuhören gepaart mit fachlichem Wissen bekommt bei uns jeder diejenigen Sehhilfen, die den geforderten Wünschen entsprechen“, sagt der Fachoptiker und gibt drei Tipps für die Auswahl des richtigen Anbieters. Kunden sollen auf eine breite Auswahl aller Markenprodukte, das Angebot einer Linsenanpassung und auf eine ausführliche Anleitung zur fachgerechten Handhabung achten.

Aber auch für Sehschwache mit dem Wunsch, ganz auf Hilfsmittel verzichten zu können, öffnet die rasante technische Entwicklung neue Perspektiven. Das Hildesheimer Augenzentrum verfügt mit seinem Femtosekundenlaser über das modernste Gerät in diesem Sektor. Mit ihm können Lasik-Operationen noch präziser und sicherer durchgeführt werden. Beim herkömmlichen Lasik-Eingriff wird die Hornhautlamelle mit einem computergesteuerten Schnittinstrument (Mikrokeratom) erzeugt und umgeklappt, damit die unteren Schichten der Hornhaut anschließend mit einem Excimer-Laser modelliert werden können. Bei der Femto-Lasik ersetzt der Femtosekundenlaser das Mikrokeratom, sodass die Augenoperation komplett ohne den Einsatz mechanischer Geräte durchführbar ist. Durch die hohe Präzision kann eine dünnere Hornhautlamelle mit genauerem Randprofil erzeugt werden. Das senkt die Infektionsgefahr und beschleunigt den Heilungsprozess. Die weiterentwickelte Technik – die den Operateur fast schon zum Zuschauer macht – senkt auch das Risiko von Schädigungen des Auges, das viele Menschen bislang noch zurückschrecken ließen. „In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden weltweit etwa 50 Millionen Menschen mit Laser am Auge behandelt. Kaum ein medizinischer Bereich kann auf so viel Erfahrungswerte zugreifen“, sagt Augenchirurg Ralph Herrmann. Der Leiter des Hildesheimer Augenzentrums ist stolz auf den Ruf seines Hauses und die Erfahrung, die sein Team vorweisen kann. Ganz ausschließen kann er eine höhere Lichtempfindlichkeit nach einer Operation nicht, aber bei „den allermeisten Menschen“ pendelt sich das wieder ein. Dank intensiver Nachsorge gibt es daher nur äußerst selten Probleme, der Gewinn an Lebensqualität hingegen ist immens und lockt auch sehr viel in- und ausländische Prominenz nach Hildesheim.

Bei trockenen Augen sollte zunächst probiert werden, dem Auge öfter mal eine Pause von der Bildschirmarbeit zu gönnen, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und den Arbeitsplatz ausreichend mit Frischluft zu versorgen. Sollte das Problem hartnäckiger sein, empfiehlt Optikerin Ute Mathies Augentropfen oder Augensprays. Für schwerere Fälle rät Sehenswert-Inhaber Robert Mergenthal zu einer Behandlung zum Aufbau des Tränenfilms. „Mit der Omega-3-Therapie sinkt die Wahrscheinlichkeit, trockene Augen zu haben, signifikant. Die ungesättigten Fettsäuren sorgen für eine Stabilisierung des Tränenfilms“, so Mergenthal. Die Therapie kann über Nahrungsergänzung oder Umstellung des Speiseplans auf Omega-3-haltige Nahrungsmittel wie verschiedene Öle, Fisch oder Gemüse erfolgen. Die Tränenschicht funktioniert wieder und verhindert Augenübrennen laut Emnid-Umfrage eine der Hauptbeschwerdeformen bei Bildschirmarbeit. Mergenthal verweist darüber hinaus auch auf die Fortschritte im Kontaktlinsenbereich, die eine Nutzung von Linsen auch bei trockenen Augen ermöglichen. Er erklärt dies mit verbesserten Benetzungstechnologien und Depotstoffen, die über den Tag zur Befeuchtung ans Auge abgegeben werden. Hohe Sauerstoffdurchlässigkeit für gesundes Linsentragen ist für ihn selbstverständlich. Neben diesen für die Arbeit und den Alltag wichtigen Aspekten sollte aber auch das große Thema Vorsorge ernst genommen werden. Gerade im mittleren Alter, wenn die Fehlsichtigkeiten sich stabilisiert haben und der hektische Berufsalltag wenig Freizeit lässt, versäumen es viele Menschen, die Augen regelmäßig checken zu lassen.

Je stärker die Kurzsichtigkeit, desto wichtiger wird beispielsweise die – wegen der Pupillenweitstellung etwas unangenehme – regelmäßige Netzhautuntersuchung. Mit einem kleinen Lasereingriff können leichte Beschädigungen repariert werden. Wartet man aber zu lange, entstehen irreparable Schäden, und bei kompletter Netzhautablösung erblindet das Auge. Ein Risiko, das durch eine regelmäßige Kontrolle ausgeschlossen werden kann.

Auch im Bereich grauer und grüner Star sollte sich niemand auf das Glück verlassen. Vorsorgeuntersuchungen sollten unbedingt wahrgenommen werden. „Unbedingt sollte beim grünen Star aber neben dem Augendruck auch das Gesichtsfeld, die Nervenfaserzahl und die Hornhautdicke gemessen werden“, mahnt Ralph Herrmann. Seiner Erfahrung nach fehlen diese Faktoren bei vielen Vorsorgeuntersuchungen. Da aber jeder zweite grüne Star ohne hohen Augendruck eintritt, sollten sich Arzt und Patient nicht ausschließlich auf diesen Aspekt konzentrieren. Da ein nicht erkannter grüner Star durch die Zunahme von blinden Flecken am Rande des Gesichtsfeldes zur Erblindung führen kann, sollte dies durch regelmäßige Kontrollen verhindert werden. Wird der grüne Star diagnostiziert, können abgestorbene Sehzellen nicht wieder reaktiviert werden, durch Medikamente kann das Fortschreiten eines erkannten grünen Stars aber gestoppt oder verzögert werden. Bei einem grauen Star, erkennbar an der schleichenden und daher oft unterschätzten Eintrübung der Linse, kann hingegen eine neue Linse eingesetzt und so unter Umständen sogar eine deutlich bessere Sehkraft wiederhergestellt werden. Das Hildesheimer Augenzentrum bietet als erste Augenklinik in Niedersachsen die Operation des grauen Stars mit einem Femtosekundenlaser an. Das ermöglicht eine Operation ohne den Einsatz eines Skalpells. Durch den präziseren Laserschnitt besteht die Möglichkeit, Speziallinsen (z.B. Multifokallinsen) einzusetzen, die auch gleich Fehlsichtigkeiten beheben können.

Sowohl beim grünen als auch beim grauen Star rentiert sich rechtzeitige Vorsorge, um schlimme und weitreichende Folgen zu vermeiden. Gleiches gilt im Übrigen für Diabetiker, die – wie auch in anderen Gesundheitsbereichen – besondere Vorsicht walten lassen sollten, um diabetistypische Augenprobleme zu vermeiden. Eine Erscheinungsform ist die Diabetische Retinopathie, bei der Gefäßverschlüsse zur Unterversorgung der Sehzellen und Netzhautschädigungen führen. Mit gut eingestelltem Blutzucker und Blutdruck kann die Gefahr gemindert werden. Bei bereits eingetretenen Schädigungen kann unter Umständen per Lasertherapie ein Fortschreiten der Krankheit unterbunden werden.

All diese Beispiele zeigen die Wichtigkeit der regelmäßigen Augenkontrolle beim Facharzt. Beeinträchtigungen, die mit einem (teilweisen) Verlust der Sehkraft verbunden sind, haben einen zu gravierenden Einfluss auf den Alltag, als das man denken sollte, es sei dauerhaft alles in Ordnung. „Gutes Sehen gehört zur Lebensqualität“, sagt Augenarzt Karl-Heinz Schott, und sein Kollege Peter Stracke pflichtet ihm bei: „Häufig sind Patienten überrascht, wie viel Sehvermögen sie mit einer maßgeschneiderten Brille hinzugewinnen und wie viel angenehmer dies den Alltag gestaltet.“ Gut zu sehen und folgenschwere Augenkrankheiten zu vermeiden, sollte Motivation genug sein, die jährliche Routinekontrolle beim Augenarzt in den Terminkalender aufzunehmen.