Auftragspolster in Niedersachsen schrumpft

Text von: redaktion

IHK-Konjunkturumfrage: 87 Prozent der befragten 1.700 Unternehmen beurteilten die Lage im zweiten Quartal 2008 als gut oder zufrieden stellend, obwohl die Auftragseingänge kaum noch zugenommen haben.

Hohe Ölpreise und ein starker Euro bremsen das Wachstum der niedersächsischen Wirtschaft. Die von der niedersächsischen Industrie- und Handelskammer befragten 1.700 Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage am Ende des zweiten Quartals 2008 zwar insgesamt noch positiv, rechnen aber mit einer Verschlechterung im zweiten Halbjahr. Mit neuen Investitionsvorhaben und Neueinstellungen ist trotz guter Exportzahlen nur noch vereinzelt zu rechnen. Doch die seit 2006 gute Geschäftslage in weiten Teilen der Industrie sorgt mit kräftigen Impulsen bei den Dienstleistern für ein anhaltend gutes Geschäft. Dagegen trifft den Einzelhandel die durch die hohen Energiepreise verringerte Kaufkraft der Verbraucher. Die schwache Konsumneigung darf jedoch nicht als Anlass missverstanden werden, die Lohnzurückhaltung aufzugeben. Ein Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen wäre die Folge.

Im Einzelnen: Die Industrie plant weiter mit zunehmenden Investitionen, hat diese aber dem gebremsten Wachstum, verursacht durch die Preisschere zwischen höheren Energiekosten und den eigenen Erzeugnissen, angepasst. Neueinstellungen und Rationalisierungen werden sich nach den Plänen der Unternehmen die Waage halten, d.h. mit einem weiteren Zuwachs ist nicht mehr zu rechnen. Die niedersächsische Bauwirtschaft profitiert weiterhin von gestiegenen Auftragseingängen, während der Großhandel kaum noch mit einem Umsatzplus rechnet. Durch die hohen Ölpreise hat sich die Ausgabefreude stark verschlechtert, und mit Ausnahme der Unterhaltungselektronik rechnen alle Bereiche des Einzelhandels mit rückläufigen Umsätzen. Im Verkehrsgewerbe bleibt das Beförderungsvolumen zwar positiv, doch lässt der scharfe Wettbewerb eine Weitergabe der gestiegenen Energiekosten kaum zu. Die Banken sind weiterhin durch die anhaltende Krise der Finanzmärkte belastet, die Geschäftsaussichten für das zweite Halbjahr haben sich weiter eingetrübt. Dagegen liefen bei den Versicherungen die Geschäfte zufriedenstellend, auch die Erwartungen an das Neugeschäft bleiben positiv. Bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern hat sich die gute Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal fortgesetzt. Mit der anhaltend guten Auftrags- und Umsatzentwicklung plant gut jedes vierte Unternehmen, neues Personal einzustellen.