©Alciro Theodoro da Silva
Text von: redaktion

„Es gibt Momente, da bleibt die Zeit einfach stehen.“ So beschreibt Marc Wallert auf der 33. faktor-Business-Lounge – in Kooperation mit dem Volkswagen Zentrum Göttingen – den wohl einschneidendsten Augenblick in seinem Leben. Es war jener Ostersonntag vor rund 20 Jahren, als er zusammen mit seinen Eltern nach einem Tauchgang am Traumstrand in Malaysia saß und plötzlich in den Lauf einer Bazooka blickte. Jener Tag, an dem seine 140 Tage als Geisel in Gefangenschaft begannen.

Wie selten zuvor beeindruckt der Referent des Abends die Gäste der 33. faktor-Business-Lounge am 26. November 2019 mit seiner persönlichen Geschichte – unterhaltsam und schonungslos. Sein Thema: ,Stark durch Krisen.‘ Und wenn jemand weiß, wovon er spricht, dann Marc Wallert. „Die erste Reaktion in so einer Situation ist ganz typisch: hätte, könnte, wäre – warum ich? So erging es auch mir zunächst“, erzählt der 46-Jährige über den Moment der Entführung. „Die Gedanken kreisen und malen sich das Schlimmste aus.“ Doch Tatsachen sind nicht zu ändern. „Dieser Mechanismus schmälert nur die Energie, die man braucht, um mit den Fakten umzugehen. Das erste Lösungswort lautet daher: Akzeptanz.“

Wallert beschreibt die Entführung heute für sich als Wink des Schicksals, steckte er doch bereits vor dem als entspannende Auszeit geplanten Urlaub in einer persönlichen Krise. „Plötzlich war da diese Klarheit. Es ist zwar gefährlich, aber ich weiß jetzt in diesem Moment, wofür ich da kämpfe: zu überleben.“ Sein zweites Hilfsmittel: Er entwickelte Sehnsuchtsbilder – wie das nächste kühle Bier mit seinem Bruder – und arbeitete an Optimismus. Wie das geht? „Wir hatten jeden Abend ein Dankesritual und nannten drei Dinge, für die wir dankbar sind: die Familie, Leben, Wasser … – die Auswahl war nicht allzu groß“, sagt Wallert und lacht. Galgenhumor und Optimismus – beides half ihm, den aufkommenden Stresslevel zu managen.

Und Stress sei ein wichtiger faktor, um aus Krisen herauszukommen. Denn wer keinen Stress hat, hat auch keine Energie. Der richtige Umgang damit sei entscheidend – und das lasse sich durchaus trainieren. Schutzfaktoren aufbauen, nennt Wallert das: Dankesrituale, ein Akzeptanz-Tagebuch schreiben, meditieren und mehr. „Sie stellen sich vielleicht die Frage: Brauche ich das gerade überhaupt? Mir geht es doch gut. Keine Krise in Sicht“, sagt Wallert zum Publikum gewandt. „Das ist der beste Moment, damit anzufangen! Denken Sie an die Feuerwehr. Sie trainiert auch nicht erst, wenn’s brennt. Dann ist es zu spät.“

Grundsätzlich kann Wallert jeder drohenden Krise auch etwas Positives abgewinnen: „Sie sind ein guter Motor, um zu sehen: Wo stehe ich? Was stimmt in meinen Leben nicht? Und was will ich überhaupt?“ Ist eine Krise überstanden, folgt häufig Euphorie – und man macht weiter wie zuvor. „Ein großer Fehler, der mir nach der Entführung auch selbst passiert ist“, sagt Wallert mit
Nachdruck. „Aufstehen, Krönchen richten – reicht nicht! Das Wichtigste bei einer Krise ist, sie auch zu nutzen.“

Mit diesem nachhaltigen Appell überließ Marc Wallert die Gäste der Lounge, die den weiteren Abend im Autohaus bei leckeren Köstlichkeiten noch lange zum intensiven Gedankenaustausch – auch mit dem Referenten selbst – nutzten, ihren Gesprächen.

Übrigens: Am 21. Februar 2020 bietet Marc Wallert zum Thema ,Stark durch Krisen‘ einen ausführlichen Workshop in der faktor-Akademie an.