Auf Kurs bleiben

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Claudia Klaft

Verbundenheit mit der Region und ihren Kunden sind ihr Markenzeichen: Das Restaurant Menzhausen und die Privatbrauerei Haffner.

Es war eine Herausforderung für das Ehepaar Mosler, das erste Haus am Platz wieder zu dem zu machen, was es früher einmal gewesen ist – eine Perle der Stadt Uslar mit jahrhundertelanger Tradition.

Und es war seine Chance für einen Neubeginn. Seit mittlerweile einem Jahr führen Bettina und Wolfgang Mosler das Romantische Hotel Menzhausen mit angeschlossenem Restaurant sehr erfolgreich, was ihren Vorgängern nicht gelungen war.

Hinrich Haffner, Geschäftsführer der Privatbrauerei in Uslar, ist froh über diese Entwicklung: „Es ist endlich wieder ein Treffpunkt in der Stadt, wo man gerne hingeht und sich als Gast wohl fühlt.“

Der Gastronomiebetrieb führt natürlich das Haffner-Bergbräu im Sortiment. Denn, so sagen Moslers, die einheimischen Gäste identifizieren sich mit ihrer Region, und Gäste von auswärts erwarten heimische Produkte auf der Karte.

Doch was ist das Erfolgsrezept der Unternehmen?

Mit den Gästen kommunizieren, präsent sein, Kundenbindungsmaßnahmen ergreifen, die auf Resonanz stoßen und letztendlich Umsatz generieren, antworten Moslers und Hinrich Haffner.

So hat das Ehepaar Mosler die Öffnungszeiten der Küche bis 22.30 Uhr verlängert, um Vereinen spät abends noch etwas servieren zu können. Neben dem Restaurant mit Kaminzimmer gibt es eine urige Raucher-Stube, der 500 Jahre alte Weinkeller ist zur „Tavolo Italiano“ ausgebaut – das italienische Ambiente im kleinen Gewölbe ist beliebt bei Gästen, die das Besondere suchen. Im Sommer bieten Terrasse und der Bereich in der Fußgängerzone vor dem Haus weitere Plätze.

Doch neben der Ausrichtung des Betriebes auf die Bedürfnisse der Gäste ist es für Bettina und Wolfgang Mosler von Vorteil, dass sie bereits Kontakte und Kunden in der Region hatten, die ihnen treu geblieben sind. Langjähriges Vertrauen, das sie sich mit ihrem vorigen Unternehmen aufgebaut haben, zahlt sich aus.

Im 30 Kilometer entfernten Stadtoldendorf führt das Ehepaar 17 Jahre lang die Villa Mosler, der sie ihren Namen gaben. Beide haben bereits Erfahrung in einem Familienhotel in Norddeutschland gesammelt und bei Kempinski gearbeitet, als sie sich entschließen, die ehemalige Rothschild-Villa zu kaufen. Das Haus wird komplett restauriert und entwickelt sich zu einem 5-Sterne-Hotel.

Als ihnen vor zwei Jahren ein ausländischer Investor das Juwel abkauft, sehen Moslers dies als Gelegenheit, nochmal etwas Neues aufzubauen. Zunächst bleiben sie zwar im Hause und lernen größere Betriebe der Hotelkette kennen – eine Erfahrung, die sie nicht missen möchten. Doch sie wollen wieder selbständig sein. Ein Grund dafür ist, dass sie den Verlust an Qualität durch Kosten einsparungen nicht hinnehmen wollen.

Also überlegt sich das Ehepaar mehrere Alternativen im In- und Ausland, schließlich weckt das Angebot des Immobilienbesitzers in Uslar ihren Ehrgeiz, diesen Ort wiederzubeleben. Hier kennen sie sich aus, und man kennt sie – es ist eine gute Ausgangsbasis für den Erfolg.

Acht Mitarbeiter aus Stadtoldendorf bleiben ihnen treu und bilden die Stammmannschaft des Betriebes. Fünf Köche kümmern sich rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche um das Wohl der Gäste, das fordert schon der angeschlossene Hotelbetrieb. Dabei ist Qualität und Frische oberstes Gebot bei allen Gerichten von hochwertiger saisonaler bis internationaler Küche. Vieles wird selbstgemacht wie Marmelade oder gar die Sauce zur hauseigenen Currywurst.

Auf Qualität und gutes Handwerk wird auch bei der Haffner Brauerei Wert gelegt. Der Traditionsbetrieb, der 1868 gegründet wurde, ist ebenfalls stark in der Region verankert. Mit Tochter Michaela Haffner-Borchert, seit 2001 Mitgesellschafterin, führt die Familie das Unternehmen bereits in der sechsten Generation.

Für Hinrich Haffner ist es schon seit seiner Kindheit ein vorgeschriebener Lebensweg, die Brauerei zu übernehmen. Sechs Jahre ist er jung, als sein Vater stirbt, ein externer Geschäftsführer führt fortan das Unternehmen.

Nach der Schule absolviert Hinrich Haffner ein BWL-Studium in München und macht die Ausbildung zum Diplom-Braumeister in Weihenstephan, bevor er 1978 in den Familienbetrieb einsteigt. Seine heimliche Leidenschaft – das Fliegen – hätte er gerne als Pilot in der Bundeswehr gelernt, doch ist es keine echte Berufsalternative. Diesen Traum verwirklicht er eine zeitlang als Hobby und macht einen Privatflugschein.

Nicht vom Kurs abweichen – die Maxime des Fliegens gilt auch für seinen Betrieb. Die Bierrezeptur von Pils und Altstadt Dunkel darf nicht verändert werden, das fordern schon die Konsumenten. Der ursprüngliche Geschmack bleibt die Säule des Unternehmens, gebraut mit Sollinger Quellwasser und dargeboten in Flaschen mit dem altbekannten Bügelverschluss.

Um aber den Markterfordernissen gerecht zu werden, ist unter anderem mit „Peach ’n‘ Passion“ ein leichtes Bier mit Pfirsich-Maracuja-Geschmack entwickelt worden.

Das Bewährte belassen und gleichzeitig Neues zulassen ist sein Motto, und er ist stolz darauf, dass das Unternehmen noch in Familienhand ist. Allerdings, so gibt Haffner zu, seien die Geschäfte durch den sinkenden Bierkonsum nicht leicht.

Dem begegnet er mit einem engen Kundenkontakt, mit Gesprächen und Engagement in der Region – so wie es Moslers auch tun. Und mit dieser, auch in der Vergangenheit erfolgreichen Strategie, sehen die Familien positiv in die Zukunft.