Auf Kopf oder Bauch hören?

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Text von: redaktion

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) entschlüsseln dynamische Gehirnmechanismen, die es dem Menschen erlauben, durch kurzfristigen Verzicht auf Belohnungen seinen Verhaltenserfolg langfristig zu optimieren.

Welches sind die neuronalen Mechanismen im Gehirn, die den verschiedenen Aspekten menschlicher Verhaltenssteuerung zugrunde liegen? Und wie interagieren diese Mechanismen miteinander, wenn „Kopf“ und „Bauch“ sich unterschiedlich entscheiden?

Dies fragten sich Wissenschaftler der UMG und haben nun genauer die Dynamik der neuronalen Mechanismen erforscht, die bei menschlicher Handlungssteuerung und Entscheidungsfindung ablaufen.

Ihnen ist dabei ein entscheidender neuer Schritt gelungen: Die Forscher konnten erstmals im lebenden menschlichen Gehirn die Mechanismen sichtbar machen, die im Konflikt zwischen „Kopf und Bauch“ ablaufen.

„Wir konnten zeigen, dass ein spezielles Areal im Stirnlappen des Menschen die neuronale Aktivität in tiefer gelegenen Strukturen des Belohnungssystems unterdrückt. Dies geschieht, wenn zugunsten einer vernünftigen Entscheidung auf kurzfristige Belohnungen verzichtet wird“, sagt Studienleiter Oliver Gruber.

Die Ergebnisse der Göttinger Neurowissenschaftler könnten unter anderem dabei helfen, die Methode für die Erforschung von schizophrenen und affektiven Psychosen sowie Suchterkrankungen zu verbessern. Bei diesen und anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen, die mit Störungen der Impulskontrolle einhergehen, werden Störungen des Stirnhirns und des Belohnungssystems als mögliche Ursachen angenommen.

An der Universitätsmedizin Göttingen wurden bereits weiterführende Forschungsprojekte gestartet, um nun die pathophysiologischen Grundlagen dieser Erkrankungen weiter zu erforschen.