Auf ein Bier im Fass

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Frank Bertram

Martin Deutsch, neuer Vorstand des Einbecker Brauhauses, über Ungeduld, Stammwürze und Chinesen in der Fachwerkstadt

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Das Handy klingelt. Deutsch entschuldigt sich, aber das Gespräch muss kurz sein: die Umzugsfirma. Der Brauereivorstand hat in Einbeck nun nach längerem Suchen eine Altbauwohnung für Ehefrau Petra und sich gefunden – in Innenstadtnähe und inklusive Lieblingsbäcker direkt gegenüber. Der bisherige Wohnort Fürstenfeldbruck bleibt als Feriendomizil bestehen. Deutsch schätzt an der 36.000-Einwohner-Stadt die Nähe zu München. Zum Einkaufen sei das beispielsweise ideal, sagt er. Er möchte das Leben außerhalb der Großstadt aber nicht missen. Deshalb sei die Wohnungsentscheidung auch auf Einbeck gefallen – und nicht auf Göttingen. Für einen Kino- oder Theaterbesuch sei die Universitätsstadt ja nicht weit entfernt. Auch mehrere Joggingstrecken habe er bereits für sich entdeckt. Jeden zweiten Tag hat sich Frühaufsteher Martin Deutsch vorgenommen, rund um die Wallanlagen zu laufen. Und für den Skilanglauf im Winter werde sich in der Nähe auch die passende Loipe finden lassen, ist sich der Bayer sicher. Ein bisschen hat er in seinem ersten Sommer, als er sich eingearbeitet hat, die Biergärten vermisst. Radler und Lemon sind daher auch die einzigen Sorten der Einbecker-Gruppe, die er noch nicht probiert hat.

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Vor drei Jahren hätte er noch dagegen gewettet, dass er einmal nach Norddeutschland ziehen würde. Doch die Aufgabe in Einbeck sei zu reizvoll, sagt Deutsch. Es seien das Unternehmen an sich und die Tatsache, für eine mittelgroße Aktiengesellschaft zu arbeiten, was in der Branche selten zu finden sei.

„Wir müssen den Chinesen beibringen, dass sie in Einbeck suchen müssen und fündig werden – und nicht irgendwo im Sauerland.“

Zudem sei es die Situation der Brauerei nach Stürmen in schwerer See, aus denen sein Vorgänger Walter Schmidt – zusammen mit dem Vorstandskollegen Lothar Gauß – die Einbecker wieder in ruhigere Gefilde gelotst hat. Vor allem aber reizt Deutsch die Marke. Ihrer historischen Bedeutung entsprechend habe das Einbecker Brauhaus als Wiege des Bockbiers keine adäquate Stellung im Markt, findet er. Und möchte das ändern. Die Bierspezialitäten möchte Deutsch in den richtigen Getränkemärkten und bei den wichtigen Händlern an der richtigen Stelle im Regal stehen sehen. Und er nimmt das Ausland ins Visier: In China, Frankreich, England oder Italien seien nur sehr wenige Brauereien mit Starkbieren präsent, – obwohl diese dort nachgefragt werden und beispielsweise die Chinesen nach solchen Biersorten Ausschau halten. „Denen müssen wir beibringen, dass sie in Einbeck suchen müssen und fündig werden – und nicht irgendwo im Sauerland.“ Erste Gäste aus China hat Deutsch bereits empfangen.

Am Ende des Abends kommt schließlich Carsten Macke an den Tisch, der Wirt des Brodhauses. Natürlich geht es im Gespräch schnell ums Bier. Welche Sorte besser am Hahn läuft, was die Gäste zum Winterbock sagen, will der neue Vorstand vom Wirt wissen. Carsten Macke hat noch ein paar Ideen für Verkostungen in der Gaststätte. Wie sich die verschiedenen Sorten zelebrieren lassen. Martin Deutsch hört aufmerksam zu. Über dieses Thema wird er mit dem Pächter ganz sicher nochmal sprechen. Nicht per E-Mail. Persönlich.

Zur Person: Martin Deutsch, geboren 1964 in Fürstenfeldbruck, ist seit Oktober Vorstandsmitglied bei der Einbecker Brauhaus AG und zuständig für die Bereiche Marketing und Vertrieb. Der Diplom-Braumeister und Diplom-Ökonom war von 1995 bis 1998 Verkaufsleiter bei Apollinaris & Schweppes, von 1998 bis 2011 Verkaufsdirektor der Paulaner Brauerei und von 2011 bis 2014 Geschäftsführer bei Schneider Weisse in München. Zuletzt arbeitete der Bayer selbständig. Deutsch ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. 

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