Auf die Schale kommt es an

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Text von: redaktion

Die Firma MCI bewegt sich mit Zitrusaromen erfolgreich in einem Nischenmarkt und wächst rasant am Standort Kirchgandern.

Es riecht fruchtig und erfrischend, einfach gut. Überall im Gebäude dieser leichte, angenehme Duft, der auch später noch in der Nase haften bleibt. Das zitrusfrische Aroma lässt den Durst auf ein alkoholisches Kaltgetränk mit Limetten am Abend steigen – beendet wird diese schöne Vorstellung durch einen anderen Geruch. Jetzt riecht es nach einem hoch dosierten Scheuermittel, das einen daran erinnert, zu Hause mal wieder den Putzlappen zu schwingen. Es sind lediglich Geruchsproben an Papierstreifen, die solche Duftvielfalt und Gedanken vermitteln.

Das alles und noch viel mehr steckt in einer einzigen Zitrusschale. Aus einer ausgepressten Schale lassen sich 15 bis 20 verschiedene Duft- und Geschmacksstoffe filtern, die auf Anhieb nicht immer einer Frucht zugeordnet werden würden.

Ausgangsprodukt ist das aus den Schalen ausgepresste Öl, aus dem die Mitarbeiter der Firma MCI Miritz Citrus Ingredients diese Duftpalette extrahieren. Diese Ingredienzien, also Inhaltsstoffe, werden unter anderem an die Nahrungs-, Genuss- und Parfumindustrie verkauft. Seit über 40 Jahren produziert das Familienunternehmen diese Einzelkomponenten aus Zitrusfrüchten wie Orangen, Limetten, Zitronen und Mandarinen – zum Beispiel für Konzerne wie Pepsi Cola oder Mittelständler wie beckers bester in Lütgenrode. Dass MCI in Kirchgandern ein stetig wachsendes Unternehmen ist, zeigt nicht zuletzt der mittlerweile vierte Bauabschnitt innerhalb der vergangenen zwölf Jahre. Am 9. September fand im Beisein des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus die Einweihung des neuen Anbaus statt. Dort ist nun ein Teil der Infrastruktur ausgelagert und eine eigene Kläranlage für die industriellen Abwässer entstanden.

In den Standort knapp hinter der niedersächsischen Landesgrenze hat MCI in den vergangenen fünf Jahren mehr als 15 Millionen Euro investiert, um die Produktion quantitativ und qualitativ auszubauen. Der Umsatz ist seit 2001 von rund 18 Millionen Euro rasant gestiegen – auf mindestens 32 Millionen Euro in diesem Jahr.

Das Familienunternehmen wird seit 1988 in zweiter Generation von Tillmann Miritz (Foto, links) und seinem Cousin Christian Miritz geführt. Den ursprünglichen Standort in Rosdorf gaben sie 1994 auf und zogen in das thüringische Kirchgandern um. Tillmann Miritz nennt als Grund, dass die Stadt Göttingen den Erweiterungsplänen des Unternehmens damals die kalte Schulter zeigte.

„Das eigentliche Aroma einer Frucht steckt in der Schale“, erklärt Tillmann Miritz. Die Früchte werden direkt am Ernteort verarbeitet. Eingekauft wird unter anderem auf Sizilien, wo MCI eine Tochterfirma unterhält, auf dem amerikanischen Kontinent, in Spanien, Griechenland, Israel und Südafrika.

Orangenextrakte machen den weitaus größten Anteil der Produktion aus. „Wir bekommen pro Werktag 150 Fässer allein mit Orangenöl angeliefert“, rechnet Ralf Nolte (Foto, rechts), Assistent der Geschäftsleitung, die beeindruckenden Zahlen vor. Orangenöl macht mit rund 6 500 Tonnen im Jahr den größten Anteil der Produktion aus.

MCI ist nicht nur vor Ort stark. Das High-Tech-Unternehmen vom Dorf hat zusätzliche Geschäfte auf den beiden größten Aromamärkten der Welt, in den USA und in Japan, generiert. Schon heute liegt die Exportquote bei 70 Prozent, davon 30 Prozent außerhalb der EU.

Mit modernsten Verfahren werden die Aromabestandteile unter anderem mittels Zentrifugalkraft, Dampf und Vakuum getrennt, als Einzelkomponenten aus dem Öl gewonnen und wiederum einzeln oder in bestimmten vom Kunden gewünschten Zusammensetzungen verkauft. Dabei handelt es sich nicht um fertige Aromen. „Wir sind der Vorlieferant des Vorlieferanten“, erläutert Nolte.

In einem großen Teil der in Deutschland erhältlichen zuckerhaltigen Limonaden sind Inhaltsstoffe der Firma MCI zu riechen und zu schmecken. Auch die „Meister Proper Zitruskraft“ kam jahrelang aus Kirchgandern. Aber: „Wir wissen gar nicht immer, in welchen Produkten wir drin sind“, gesteht Miritz.

Die Kunden wollen immer das gleiche Produkt. „Da wir nur Naturprodukte verarbeiten und die Ernten von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausfallen, ist dies die eigentlich hohe Kunst“, erklärt Miritz. Da müsse der Natur in den Labors nachgeholfen werden.

„Sie müssen alle Komponenten verkaufen, wenn Sie gut sein wollen“, erklärt Miritz einen Erfolgsfaktor. Einen weiteren sieht er in der starken strategischen Fokussierung auf Zitrusfrüchte. MCI bewegt sich so in einem Nischenmarkt: Weltweit gibt es nur acht bis zehn Firmen dieser Dimension und davon nur ein bis zwei Firmen, die über dieselben modernen technischen Verfahren wie MCI verfügen. Das hohe Technikniveau ist für Miritz ein weiterer Erfolgsfaktor. So läuft die vollautomatische Produktion rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Um am Ende als Erfrischungsgetränk oder Reiniger in unserem Haushalt aufzutauchen …

Zitrusaromen für die Welt

Seit über 40 Jahren produziert MCI Miritz Citrus Ingredients Einzelkomponenten aus Zitrusfrüchten wie Orangen und Zitronen für die Nahrungs-, Genuss- und Parfumindustrie. Das Familienunternehmen wird seit 1988 in zweiter Generation von Tillmann Miritz und seinem Cousin Christian Miritz geführt. Der Umsatz ist seitdem rasant gestiegen: Von 2,1 Millionen Euro (1989) auf über geschätzte 32 Millionen in diesem Jahr. 1994 zog MCI von Rosdorf ins thüringische Kirchgandern und investiert seitdem kontinuierlich in den Standort. Das Unternehmen, das eine Exportquote von 70 Prozent hat, beschäftigt dort über 70 Mitarbeiter.