Auf den Hund gekommen

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: redaktion

Dass eine Ehefrau im Unternehmen ihres Mannes mitarbeitet, ist nichts Ungewöhnliches. Bei der Malerwerkstatt Ringeisen GmbH in Northeim leitet die Ehefrau des Firmenchefs das Büro. Katja Ringeisen hat es aber nicht bei dieser traditionellen Aufgabenverteilung belassen, sondern sie hat sich einen eigenen Geschäftsbereich aufgebaut. Als Hundeführerin und Schimmelexpertin hat sie dem Handwerksunternehmen ganz neue Kundenkreise erschlossen.

Katja Ringeisen zu ihren Kunden fährt, hat sie immer einen vierbeinigen Begleiter dabei. Ihr Hund Joey ist nicht nur ein treuer Gefährte, sondern auch ihr wichtigster Mitarbeiter.

Der schwarze Labrador hat einen besonderen Riecher für ungesundes Wohnklima, er kann verborgenen Schimmel in Räumen und Häusern erschnüffeln.

Katja Ringeisen hat den Hund vor vier Jahren zum ,Schimmelspürhund‘ ausbilden lassen – und damit selbst einen guten Riecher bewiesen: Sie berät Hausbesitzer, die Probleme mit Schimmelbefall haben.

Mit dieser Geschäftsidee hat sie innerhalb kurzer Zeit eine Marktnische erobert und damit ganz eigene Akzente in der Firma gesetzt. Der Einsatz des Spürhundes ist heute eine der vielen Dienstleistungen, die die Malerwerkstatt Ringeisen rund ums Thema ,Gesundes Wohnen und Arbeiten‘ anbietet.

Die Schimmelexpertin ist eine Quereinsteigerin. Ursprünglich hatte die begeisterte Reitsportlerin ihr Hobby zum Beruf gemacht und nach einer entsprechenden Ausbildung in einer Pferdeklinik gearbeitet.

„Das war ein knochenharter Job“, sagt Ringeisen heute. Auf die Dauer erwies sich die Arbeit als zu anstrengend. Sie gab ihren Traumberuf auf und arbeitete mehrere Jahre in einem Laden für Wohnaccessoires in Northeim.

Der Einstieg in die Firma

Im Jahr 2009 wechselte sie dann in den Familienbetrieb ihres Ehemannes Olaf Ringeisen. Der war 2002 nach seiner Meisterprüfung in den elterlichen Betrieb eingestiegen. 2010 übernahm er von seinem Vater Rolf Ringeisen in der vierten Generation das traditionsreiche Handwerksunternehmen, das in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert.

Katja Ringeisen hatte ihren Mann schon vorher auf Messen begleitet und regelmäßig in der Firma ausgeholfen.

Nun übernahm sie dort die Büroleitung. „Ich habe erstmal das Computersystem zum Absturz gebracht“, sagt sie lachend. Sie habe sich jedoch einfach gesagt: „Das musst du jetzt lernen.“

Katja Ringeisen eignet sich schnell alle nötigen Kenntnisse an. Nach einer Weile empfindet sie die reine Schreibtischarbeit jedoch als unbefriedigend: „Immer nur zuarbeiten, das ist auf die Dauer nicht so toll.“

Auch für die Beziehung sei eine berufliche Konstellation, in der der Ehemann die dominierende Rolle habe, nicht unbedingt förderlich: „Mein Mann und ich arbeiten gern zusammen, aber das sollte schon auf Augenhöhe sein. Das ist uns beiden wichtig.“

Bald nach ihrem Einstieg in die Firma hört die Büroleiterin von einer Spezialausbildung für Hunde, die darauf trainiert werden, versteckte Schimmelpilze aufzuspüren.

Sie hat sich damals gerade einen Labrador zugelegt, der zwei wichtige Voraussetzungen mitbringt: Joey hat einen besonders stark ausgeprägten Geruchssinn und schnüffelt gern herum.

Die Ausbildung kostet viel Zeit und viel Geld, doch für Katja Ringeisen steht der Entschluss fest: „Das wird mein Geschäftsbereich, den baue ich mir auf.“ Eineinhalb Jahre später hat Joey seinen ersten Einsatz.

Heute ist der Vierbeiner ein viel beschäftigter Profi-Schnüffler, dem die Arbeit so schnell nicht ausgehen wird. Innovative Bautechnologien und modernes Wohnverhalten tragen dazu bei, dass sich in immer mehr Räumen und Häusern gesundheitsschädliche Schimmelpilze ausbreiten können.

Häufig ist der Schimmel nicht sichtbar, sondern verbirgt sich hinter Tapeten, Wandverkleidungen oder unter dem Estrich.

Dank Joeys Supernase kann die Firma Ringeisen ihre Kunden vor solch bösen Überraschungen bewahren: Bevor die Maler mit dem Streichen beginnen, macht der Hund einen Kontrollgang, um sicherzustellen, dass ein Raum tatsächlich schimmelfrei ist.

Hat er eine befallene Stelle entdeckt, kratzt er mit den Pfoten oder legt sich auf den Boden. Die Trainerin weiß die Mimik zu deuten: „Das ist ganz wichtig, dass man den Hund lesen kann.“

Gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit ist Katja Ringeisen dem Bundesverband Schimmelpilzsanierungen beigetreten und hat sich bei Fortbildungen ein umfangreiches Spezialwissen angeeignet.

Ihr Engagement hat sich ausgezahlt: Die Firma Ringeisen ist als mehrfach zertifizierter Fachbetrieb für Schimmelsanierungen anerkannt. Auch intern hat sie sich damit viel Respekt verschafft.

Anfangs hatten manche Mitarbeiter sie nur als ,Frau vom Chef‘ gesehen. Manche nahmen sie nicht ernst, weil sie ,nicht vom Fach‘ sei. Katja Ringeisen hat sich davon nicht beeindrucken lassen.

Ihr Mann habe ihr stets den Rücken gestärkt und sie ermutigt, berichtet sie.

Inzwischen ist sie als Chefin anerkannt – eine Chefin, die Ansprechpartnerin für alle ist und auch mal mit den Mitarbeitern ein Bier trinkt. Vor Kurzem hat sich Katja Ringeisen eine Auszubildende zugelegt. Die junge Schwarzwildbracke Frieda soll ebenfalls einmal als Schimmelspürhund arbeiten.

Der Zweithund dient auch der Qualitätssicherung: Selbst die beste Spürnase kann sich mal irren – da ist es gut, noch eine Zweitmeinung einzuholen.