Analyse für die Pharmaindustrie

© Alciro Theodoro da Silva
Text von: Stefan Liebig

PortaCellTec biosciences erhält die Auszeichnung 'Gute Gründe(r)'.

PortaCellTec biosciences ist im zweiten Quartal 2012 Träger des Preises ‚Gute Gründe(r)‘. Für das Biotech-Unternehmen biete der Standort Göttingen mit seinem Umfeld Top-Voraussetzungen für eine gegenseitige Wissens- und Informationsbefruchtung, sagt Klaus Hoffmann, Geschäftsführer der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen (GWG). „Das macht die Konzentration auf Kernkompetenzen möglich“, lobt er.

Die Auszeichnung belohnt die Idee, die seit Jahren erfolgreiche Erforschung von Arzneimittelinteraktionen mit membranständigen Transportproteinen in der Niere und der Leber großen Pharmaunternehmen als Dienstleistung anzubieten. Was sich zunächst einfach anhört, nämlich die Untersuchung von spezifischen Transportprozessen innerhalb der Zellen von Niere und Leber, ist eine hoch spezialisierte Forschungsdisziplin.

Yohannes Hagos, Geschäftsführer von PortaCellTec, erklärt, dass es sich um 16 Transportproteine handle, die sein Unternehmen anhand von genetisch modifizierten Zellsystemen untersuchen könne. Die Dienstleistung bestehe in der Laboruntersuchung von Wechselwirkungen zwischen der Testsubstanz (z.B. Medikamente) und den Transportproteinen. Diese Ergebnisse nutzen die jeweiligen Auftraggeber aus der Pharmaindustrie bei dem Zulassungsprozess ihrer neu entwickelten Medikamente. „Da wir bei unseren Untersuchungen nicht wissen, um welches Produkt es sich handelt, wie es eingesetzt werden soll und wir somit auch nicht erfahren, ob Wechselwirkungen erwünscht oder unerwünscht sind, können wir absolut unvoreingenommen analysieren“, erklärt der gebürtig aus Eritrea stammende Doktor der Physiologie die Vorgehensweise. Er freut und wundert sich gleichzeitig über die Aufmerksamkeit, die ihm und seinen beiden Mitarbeiterinnen Annett Kühne und Saskia Flörl trotz der Komplexität seiner Analysen zuteil wird.

Die steigenden Auftragszahlen rechtfertigen das eingegangene Risiko der universitären Ausgründung – seit 2009 ist das Unternehmen am Markt. Aktuell gebe es sogar Überlegungen, einen weiteren Mitarbeiter einzustellen. Denn die Zulassungsbehörden verlangten immer mehr von Pharmaherstellern, so Hagos. Somit sei für sein Unternehmen eine dauerhafte gute Auftragslage absehbar, „wenn wir weiter gute Arbeit leisten“. Zudem sieht er bei den Auftraggebern eine zunehmende Outsourcing-Tendenz: Um keine eigenen spezifischen Forschungsabteilungen einrichten zu müssen, gäben laut Hagos immer mehr Großunternehmen aufwändige und anspruchsvolle Analysen an Firmen wie PortaCellTec ab. Eine vielversprechende Perspektive also. Für Hoffmann zeigt dies, wie der Technologietransfer von der Uni auf den Markt funktioniert und neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Hintergrund: ‚Gute Gründe(r)‘

Seit diesem Jahr verleihen GWG und WRG gemeinsam den Preis ‚Gute Gründe(r)‘ im Namen von Oberbürgermeister Wolfgang Meyer und Landrat Bernhard Reuter. Der aktuelle Preisträger ist die Göttinger Firma PortaCellTec biosciences. Mit der Aufnahme in die Preisträgerliste belohnt die Jury ausdrücklich neue, vielversprechende und tragfähige Geschäftsideen, die in besonderer Weise geeignet sind, ein positives Gründungsklima in der Region zu fördern. Menschen mit neuen Geschäftsideen sollen ermutigt werden, ihre Vorhaben auch in die Realität umzusetzen. Das Konzept des aus der Georg-August-Universität Göttingen ausgegründeten Unternehmens belegt die Innovationskraft der Forscher und zeigt einen effektiven Weg, Dienstleistungen und Forschungsergebnisse auf dem freien Markt als Produkt anzubieten.