Alternativer Erfolg

©Sebastian Mauritz
Text von: Christian Mühlhausen

Das etwas andere Unternehmen: Naturkost Elkershausen wurde mit dem Motto „Regional erste Wahl“ größter Naturkostgroßhändler im Norden.

Von Zufall oder Glück als alleinigem Erfolgsfaktor zu sprechen wäre verfehlt. Und doch ist die Entstehung der Naturkost Elkershausen GmbH aus Göttingen das Gegenstück einer strategisch geplanten Unternehmensgründung. Der Betrieb – inzwischen zu Norddeutschlands größtem regionalen Naturkostgroßhändler gewachsen – ist ein Paradebeispiel dafür, dass sich binnen weniger Jahre aus der ideologischen Lebenseinstellung einiger Idealisten ein florierender Betrieb entwickeln kann. Das Unternehmen, das heute Läden zwischen Bremen und Fulda und zwischen Dresden und Bielefeld beliefert, erzielte im vergangenen Jahr mit 118 Mitarbeitern rund 36 Millionen Euro Jahresumsatz.
Die Wiege vieler Unternehmen stand in Garagen und Jugendzimmern. Die Erfolgsgeschichte vom heutigen Geschäftsführer Hermann Heldberg begann hingegen Anfang der siebziger Jahre in einer Landkommune. Dem Zeitgeist folgend, verschlug es ihn wie so viele junge Menschen damals aufs Land oder besser gesagt: nach Elkershausen. Sein Ziel und das seiner sechs Mitstreiter: auf einem Resthof leben – ökologisch korrekt, vollkommen autark und selbstbestimmt. Gemüsebeete anlegen, Getreide ernten und daraus Brot backen. Schafe halten und sich über das legefrische Ei aus dem Hühnerstall freuen. Und nach getaner Arbeit am Küchentisch bei Rotwein über Atomkraft und Abrüstung diskutieren. „Das bisschen Geld, das wir brauchten, verdienten wir auf Flohmärkten und mit Gelegenheitsjobs“, erinnert sich der gelernte Erzieher und Landhandelskaufmann.
Es war die Zeit, in der die biologische Lebens- und Wirtschaftsweise ihren Lauf nahm. In Nordhessen entstanden erste Bioland-Bauernhöfe, Naturkostläden gab es aber allenfalls in den großen Städten. An ökologisch erzeugte Produkte zu gelangen, die nicht selbst angebaut werden konnten, war damals eine Sisyphosarbeit. Der Markt war klein, und Händler gab es nicht.
Also machte sich Heldberg ans Werk, um für seine eigene und für andere Landkommunen Bio-Lebensmittel zu organisieren. „Wir hatten ja viel Zeit“, sagt der gebürtige Verdener. Den Handel mit Dünger, Getreide, Kohle und Pflanzenschutzmitteln hatte er ja gelernt, nun spürte er bundesweit Importeure für Öko-Reis und Trockenfrüchte auf.

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