Alternative Energien

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Text von: redaktion

Alternative Energien und ihre Tauglichkeit für Unternehmen

Alternative Energie – auch für mein Unternehmen geeignet? Welche Möglichkeiten bietet die Bioenergie für potenzielle Nutzer aus dem industriellen Bereich? Die Vielfalt ist groß, und die unterschiedlichen technischen Konzepte sind vielfältig, marktfähig und -gängig oder aber noch in der Entwicklung.

1. Abschätzung des Energiebedarfs und Projektskizze

Ist der Energiebezug oder die -erzeugung wärmebasiert oder auf den Strombedarf abgestimmt? Sind die regenerativen Kraftstoffe für den Einsatzzweck meiner Motoren ausgelegt? Ordnen Sie die Energieformen in Ihrem Betrieb. Nicht immer ist es wirtschaftlich, den Bedarf durch regenerative Energien zu ersetzen. Aus einer Idee und der Projektskizze sollte eine Machbarkeitsstudie resultieren. Die Projektskizze enthält alle wesentlichen Grunddaten Ihres Betriebes, das technische Grobkonzept, die benötigte Energieform, die Quantität in ihrer zeitlichen Verteilung, die mögliche Art der hierzu passenden Rohstoffe zur Energiebereitstellung und die Logistik. Eine erste Kostenabschätzung gibt Hinweise Auf die Fortführung der Skizze.

2. Welche Endenergieformen und welche Rohstoffe?

Wärme: Zurzeit in allen einschlägigen Größenordnungen und technischen Variationen erhältlich. Beurteilen Sie nicht nur die Technik, sondern besonders auch die Logistik und die Händlerstruktur für den Rohstoff. Falls Sie in der Lage sind, aus eigenen biogenen Rohstoffquellen Ihren Bedarf zu decken, müssen Sie sich über die Aufbereitung im Klaren sein. Der zusätzliche Arbeitsbedarf darf nicht unterschätzt werden (z. B. Reinigung, Metallentfernung). Die technische Auslegung der Wärmeerzeugungsanlage ist auf den Rohstoff abgestimmt. Konform zu den fossilen Energieträgern wie Öl, Gas, Kohle gibt es Brennstoffnormen, die der Anlagenhersteller für seine Anlagen zugrunde gelegt hat. Ein Fremdbezug des Rohstoffes muss eine langfristige Perspektive haben. Die Verträge sollen hierzu alle wesentlichen Qualitätsparameter (Brennwert, Wassergehalt, Stückigkeit, Herkunft des Materials) enthalten, die Abrechnungsbasis muss geklärt sein.

Elektrizität: Selbstverständlich kann man mit einer Anlage, die einen festen Brennstoff nutzt, über Dampfturbinen oder Gasturbinen auch Strom erzeugen. Die Größenordnung beginnt aber bei realistischen 1 Megawatt elektrisch (MWel), besser bei 5 MWel. Holzvergaser- und Pyrolyseanlagen werden am Markt angeboten, ihre Stand- und Laufzeiten sind teils beeindruckend. Ein sicherer Betrieb ist möglich, aber Sie sollten sich bei den Herstellern nach Referenzanlagen erkundigen. Biogasanlagen, die über ein Blockheizkraftwerk das Biogas zu Strom und Wärme umwandeln, sind mittlerweile Standard und im Größenbereich unter 1 MWel marktgängig. Hier muss das gesamte Geschäftskonzept auf die Nutzung der Wärme abgestellt sein. Dies gilt für die gesamte Stromerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Einspeisevergütung liegt über den Kosten des Strombezugs des örtlichen Energieversorgers.

Und hier gilt besonders die Frage der Rohstoffversorgung und -sicherheit. Für den Betrieb einer 1 MWel-Anlage benötigen Sie im Jahr bei ca. 8 000 Stunden rund 6 000 Tonnen Holz.

Kraftstoff: Dies sollten Sie den einschlägigen Anbietern überlassen – hier ist es wichtiger, sich über den Einsatzzweck von reinen Pflanzenölen oder Pflanzenmetyhlestern (PME) zu vergewissern. Eine Umrüstung von Motoren ist dazu erforderlich.

Die Unbedenklichkeitsbescheinigung der Motorenhersteller ist auf jeden Fall einzuholen. Die gelaufenen Flottenversuche ergaben als Grundaussage, dass für reine Pflanzenöle ein Einsatz im oberen Leistungsbereich günstig ist. Der PME-Einsatz geht leider zurück, da durch die Beimischung zum fossilen Diesel und durch Besteuerung die betriebswirtschaftliche Vorzüglichkeit abnimmt. Für große Nutzfahrzeugbestände ist es weiterhin ökonomisch, PME einzusetzen.

3. Was nun?

Erkundigen Sie sich gleich bei Unternehmen und Referenzbetrieben, welche Energieform und -umwandlung aus nachwachsenden Rohstoffen sie bevorzugen. Lassen Sie sich einen plausiblen Kostenrahmen für die verschiedenen Planungstiefen eines Projektes darlegen. Bedenken Sie, dass die fossilen Rohstoffe, trotz der jetzigen leichten Beruhigung am Markt, endlich sind und die Kosten politisch leicht beeinflussbar sind. Die Bioenergie hat Zukunft.Dr. Christian Ahl, Beratung zur Bioenergienutzung in Göttingen