Alles bleibt anders

©Marco Bühl
Text von: Christian Vogelbein

Carl-Otto und Niklas Künnecke leiten in Holzminden ein traditionsreiches Familienunternehmen. Im Vater-Sohn-Gespräch reden sie über Generationen, Gemeinsamkeiten und den Wunsch, alles anders machen zu wollen.

Ideas create solutions‘ – damit verdient der zukunftsgewandte Familienbetrieb Otto Künnecke aus Holzminden sein Geld. Vor 75 Jahren als kleine Schlosserei gegründet, ist er heute längst über die Grenzen der Region bekannt – als weltweit führender Hersteller von intelligenten Maschinenlösungen für die Personalisierung, Sortierung und den Versand von Sicherheitsdokumenten. Mit Generationswechseln kennen die Künneckes sich aus. Die bisherigen drei Firmenoberhäupter trugen den Vornamen Otto. Dass man mit Traditionen brechen kann, zeigt nicht zuletzt der jüngste Nachwuchs. Mit Niklas steht die vierte Generation in den Startlöchern. Anderer Vorname, andere Visionen – der 25-Jährige gehört zur Generation Y, die Selbstverwirklicher und Idealisten. Vater Carl-Otto Künnecke hatte anfänglich selbst so seine Schwierigkeiten mit dem Familienerbe. Nun begleitet er seinen Sohn auf dem Weg an die Unternehmensspitze – und gemeinsam stellen sie sich die Frage, wie es weitergeht.

Beschäftigen Sie sich mit dem Thema Generationen?
Carl-Otto Künnecke:
Aspekte wie Work- Life-Balance sind Themen, mit denen wir uns immer mehr auseinandersetzen müssen. Die Generation meiner Vorväter, die dieses Unternehmen groß gemacht hat, hat die Arbeit über alles gestellt. Diesen Einsatz können wir in Zukunft aber nicht mehr erwarten.
Niklas Künnecke: Wir haben gerade erst zu Hause über die Unterschiede der Generationen gesprochen. Über meine Generation Y, über die meines Vaters, aber auch über die aktuell jungen Berufseinsteiger, die demnächst noch auf uns zukommen werden. Es ist wichtig zu wissen, worauf wir uns vorbereiten müssen.

Wo sind die Unterschiede der Generationen Y und Z im Vergleich zu älteren Mitarbeitern?
Carl-Otto:
Wir haben derzeit einen Maschinenbauer im Masterstudium angestellt, der nach seiner akademischen Ausbildung in die Babypause geht. Das hätte sich früher, zu meiner Zeit, kein Mann getraut. Ich erlebe die Ys und auch die darauffolgende Generation Z aber auch als weniger ehrgeizig, als wir es in der Jugend waren. Es zählen einfach andere Werte. Weniger Karriere, mehr Privates.

Sie sprechen von Ehrgeiz und Zielen. Sie wollten also schon immer den vorgezeichneten Weg Ihres Vaters verfolgen?
Carl-Otto:
Bis zu meinem siebten Lebensjahr ganz bestimmt (lacht). Dann wurden meine Haare länger und der Protest größer. Das endete dann darin, dass ich nach der Schulzeit ein Jahr als Hippie und Landstreicher in den USA unterwegs war. Aber dann wurde mir bewusst, dass mich meine Antihaltung und das Dagegensein im Leben nicht weiterbringen würden.

Was ist dann passiert?
Carl-Otto:
Nach dem Tod meines Großvaters wurde sein Wohnhaus in Holzminden frei. Ich bin zurückgekehrt und dort eingezogen, habe begonnen, im Unternehmen mitzuarbeiten und gemerkt, dass ich mit meinem Vater inzwischen besser auskomme. Anfang der Neunzigerjahre habe ich die Geschäftsführung übernommen und das Unternehmen nach meinen Vorstellungen neu ausgerichtet.

Herr Künnecke, würden Sie als Sohn es als Glück bezeichnen, in das Familienunternehmen einsteigen zu können? Niklas: Das kommt auf den Zeitpunkt der Betrachtung an. Als Teenager war mir klar: Das ist nichts für mich. Die Firma habe ich eine lange Zeit feindselig betrachtet, denn meiner Ansicht nach nahm sie mir meinen Vater weg. Er hat damals viel Zeit bei der Arbeit verbracht.

Wann haben Sie Ihre Meinung zur Firma geändert?
Niklas:
Das muss kurz nach dem Zivildienst gewesen sein, so mit ca. 20 Jahren. Ich habe viel mit meinem Vater gesprochen …, und inzwischen habe ich das Unternehmen liebgewonnen.

War es für Sie ein erdrückender Gedanke, vielleicht nicht in die Fußstapfen Ihrer Vorgänger zu passen?
Niklas:
Ja, und ich glaube, dass der Druck irgendwann auch noch richtig groß werden kann, besonders wenn es zu der Übergabe der Führungsverantwortung kommt. Es wird sicher noch Konflikte geben. Aber irgendwie werden wir uns arrangieren – das können wir heute schon ganz gut. Die Zusammenarbeit wird immer besser.

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