Agentur für Arbeit zieht Bilanz: Ausbildungssituation weiter dramatisch – Flüchtlinge eine Chance

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Das Jahr der Rekorde – am vergangenen Dienstag, 05. Januar 2016, blickte die Agentur für Arbeit Göttingen zurück auf ein erfolgreiches Jahr und gab dabei auch einen optimistischen Ausblick auf das kommende Jahr.

Im Jahr 2015 war der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Göttingen, der die Landkreise Göttingen, Northeim und Osterode umfasst, insgesamt mehr als gut aufgestellt – der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen Klaus-Dieter Gläser bezeichnete die vergangenen zwölf Monate sogar als „Jahr der Rekorde“. Während des gesamten Zeitraumes lagen die Arbeitslosenzahlen unter dem Wert von 2014. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent und liegt damit noch unter dem bundesweiten Durchschnitt (6,4 Prozent).

Auch der Bedarf an Arbeitskräften war im zurückliegenden Jahr auf konstant hohem Niveau. Betriebe und Verwaltung meldeten insgesamt 13.564 Stellen, ganze 13,5 Prozent mehr als im Jahr 2014. Dabei stieg jedoch auch die Zahl der Stellenangebote, die nicht zeitnah besetzt werden können und länger als drei Monate auf eine Besetzung warten. „Diese Daten zeigen, dass es schwieriger wird die Stellen zu besetzen“, so Gläser. „Wir sehen in der Fachkräftesicherung für uns eines der wichtigsten Themen der Zukunft und werden auch in den nächsten Jahren einen Förderschwerpunkt auf die berufliche Qualifizierung legen.“

Ausbildungsmarkt

Das Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage spiegelte sich auch in der Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt wieder: 152 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz oder Alternative – auf der anderen Seite 190 unbesetzte Ausbildungsstellen.

Lorenz Böning, Teamleiter der Berufsberatung, führt das vor allem auf das bekannte demographische Problem zurück. Die wenigen vorhandenen Schüler würden hauptsächlich die Gymnasien besuchen, nach ihrem Schulabschluss hätten sie kaum Interesse eine Ausbildung zu beginnen.

Auch logistisch stelle der Beginn der Ausbildung eine Herausforderung dar, da es sich bei dem Agenturbezirk Göttingen um einen Flächenbezirk handelt. Minderjährige Auszubildende seien in vielen Fällen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen Auf diese Weise den Bezirk zu durchqueren sei oftmals problematisch, bisweilen sogar unmöglich. Für eine passende Lösung sei hier die Kreativität der Ausbildungsbetriebe gefragt.

Projekte

Die Agentur für Arbeit hat in den vergangenen Monaten einige Zusatzprojekt gestartet, so zum Beispiel das Projekt ‚Potenziale erkennen – Willkommen in Niedersachsen‘, das im Kooperation mit der niedersächsischen Wirtschaftsförderung entstanden ist. Im Rahmen dieses Projektes konnten im Erstaufnahmelager im Friedland durch zwei Mitarbeiter der Agentur für Arbeit im letzten halben Jahr bereits 300 Berufsberatungen von Flüchtlingen durchgeführt werden.

Auch mit dem Projekt ‚Mittendrin‘ konnte die Agentur für Arbeit in Kooperation mit der Stadt und dem Landkreis Göttingen, dem Landkreis Osterode und der Beschäftigungsförderung Göttingen als beauftragtem Träger einige Erfolge verzeichnen. Das Projekt hat sich die intensivere Betreuung und Vermittlung von Schwerbehinderter zum Ziel gesetzt und im vergangenen Jahr schon zu 21 erfolgreichen Vermittlungen geführt.

Mit den Flüchtlingen in ein gutes neues Jahr

Klaus-Dieter Gläser blickt zuversichtlich auf das kommende Jahr. Dabei beruft er sich auf die Voraussage des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Diese prognostiziert für das Jahr 2016 eine robuste Wirtschaftslage und eine stabilen, aufnahmefähigen Arbeitsmarkt. Bei anhaltend hoher Nachfrage werde die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in der Region weiter steigen.

Von einem drastischen Anstieg der Arbeitslosenzahlen ist nicht auszugehen – auch nicht auf Grund der Flüchtlinge, die voraussichtlich im Laufe dieses Jahres nach und nach auf den Arbeitsmarkt strömen werden. Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl geringfügig nach oben korrigieren wird; es werde maximal 100.000 zusätzliche Arbeitslose in Deutschland geben, so die Agentur für Arbeit..

In der Flüchtlingskrise stecke indes aber auch eine Chance für den Stellenüberhang auf dem Ausbildungsmarkt. Die Flüchtlinge brächten oftmals schon Vorkenntnisse und Qualifikationen mit, es müsse lediglich die Sprachbarriere überwunden werden. So hofft die Agentur für Arbeit, dass die ersten Ausbildungsstellen bereits in zwei Jahren mit Flüchtlingen besetzt werden können.