Agentur für Arbeit: Steigender Bedarf an Fachkräften immer deutlicher zu spüren

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Text von: Belinda Helm

Der steigende Bedarf an Fachkräften wird auch in der Region Göttingen immer deutlicher spürbar. Das hat die Agentur für Arbeit Göttingen auf ihrer Jahrespressekonferenz am Dienstagvormittag verkündet.

Bemühten sich die von der Wirtschaftskrise gebeutelten Betriebe in den vergangenen zwei Jahren noch darum, ihre Arbeitnehmer mit Instrumenten wie der Kurzarbeit halten zu können, oder waren gar zu Personalabbau gezwungen, suchen viele Unternehmen seit Frühsommer 2010 wieder verstärkt Personal. Vor allem die Branchenbereiche Gummi- und Kunststoffwaren, Metallerzeugnisse, Lagerei, Post- und Kurierdienste meldeten laut der Agentur freie Stellen.

Das bestätigen auch die jüngsten Arbeitslosenzahlen: 19. 579 Personen waren laut der Agentur für Arbeit im Januar im Agenturbezirk Göttingen (Hann. Münden, Uslar, Einbeck, Northeim, Duderstadt, Osterode und Göttingen) arbeitslos gemeldet. Im Januar 2010 waren es 1.632 Personen mehr. Im Vergleich zum Vormonat Dezember 2010 jedoch stieg die Anzahl der arbeitslos gemeldeten Personen um 10,8 Prozent.

Laut Klaus-Dieter Gläser, Vorsitzender der Agentur für Arbeit in Göttingen, jedoch „kein Grund zur Sorge“. Es handelt sich dabei nach Angaben Gläsers um eine saisonale Gesetzmäßigkeit: Betriebe müssen witterungsbedingt Arbeiten ruhen lassen und befristete Verträge enden häufig zum Jahresende.

Auch die Zahl der von Kurzarbeit betroffenen Arbeitnehmer sei zurückgegangen. So nahmen laut Gläser im September 2010 nur noch 207 Betriebe im Bezirk das Instrument Kurzarbeit in Anspruch, im Vorjahr waren es noch 396.
Im Ausblick auf das aktuelle Jahr und den verstärkten Bedarf an Fachkräften betonte der Agenturchef, dass man sich in diesem Jahr in der Agentur für Arbeit deshalb vor allem im Bereich der beruflichen Weiterbildung einen Förder-Schwerpunkt setzen werde, um Arbeitslose sinnvoll zu qualifizieren. Gläser appellierte aber gleichzeitig an die Betriebe, auch selbstständig in die Aus- und Weiterbildung von Arbeitskräften zu investieren und mehr Ausbildungsplätze, auch für schwächere Schüler, zur Verfügung zu stellen. Denn in diesem Jahr werden aufgrund des doppelten Abiturjahrganges und die aussetzende Wehrpflicht wesentlich mehr Jugendliche nach Ausbildungsplätzen suchen.

Zudem verwies Gläser auf den dringend notwendigen Ausbau der Frauenbeschäftigung. Man müsse sich weiterhin um den Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen und flexiblere Arbeitszeiten bemühen. „Wir haben auf unserem Arbeitsmarkt viele schlummernde Potenziale, man muss sie nur wecken.“ Und dabei sei auch die Politik gefordert. „Der Bedarf an medizinischem Personal zum Beispiel wird vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung immer weiter steigen, allerdings sind die Rahmenbedingungen für die Berufe, sowohl in der Pflege als auch im ärztlichen Bereich, nicht optimal und deshalb für junge Menschen kaum noch attraktiv.“ Zudem würden die Bedingungen oftmals weit gegen die in Nachbarländern abfallen.

Grundsätzlich blickte Gläser positiv in die Zukunft. „Ich gehe davon aus, dass sich der positive Trend aus dem Jahr 2010 auch in dieses Jahr fortschreiben lässt, vielleicht etwas weniger dynamisch.“