Älter werden ist nicht schwer …

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Text von: Stefan Liebig

Wir werden alle nicht jünger – ein Umstand, mit dem es sich gut leben lässt. Wenn wir jedoch merken, dass unsere lieben Angehörigen auf immer mehr Unterstützung oder sogar Pflege angewiesen sind, kommen wir oft an unsere Grenzen. Gut, dass es Hilfsangebote gibt – sie müssen nur rechtzeitig wahrgenommen werden!

Solange wir es noch schaffen, kümmern wir uns selbst um alles – ein Satz, den viele Eltern ihren erwachsenen und besorgten Kindern entgegnen, wenn es darum geht, dass eben nicht mehr alles so einfach von der Hand geht wie früher. Wenn die Einkaufstaschen schwerer wirken, die gewohnten Wege länger scheinen, die Treppen sich plötzlich steiler anfühlen. Die Augen sehen nicht mehr jedes Staubkorn auf dem Schrank, und die Behördenschreiben füllen sich auch nicht mehr wie von selbst aus. Das Schwierige daran: Meist finden die Veränderungen schleichend statt und betreffen aktuell eine Generation, die es nicht gewohnt ist, wie selbstverständlich Hilfe von außen zu akzeptieren.

Längst wohnen nur noch selten mehrere Generationen unter einem Dach – und selbst wenn, ist ständige Hilfe nicht gewährleistet, da häufig alle Kinder und Enkel berufstätig sind. Dennoch hat natürlich jeder Mensch das Recht, nach eigenem Ermessen zu entscheiden, wie lange er in den eigenen Wänden wohnen bleibt und welche Hilfe von außen er bereit ist zu akzeptieren. In vielen Fällen erleichtern einem schon einfache Hilfsmittel das Leben. Aber um eine optimale Versorgung auch auf Dauer sicherzustellen, muss vieles bedacht werden: Wer kann wie helfen? Wer trägt die Kosten? Wo gibt es Kredite oder Zuschüsse? Was tun bei Pflegebedürftigkeit? Fragen, Anträge und Informationen, die sich unüberwindbar aufzutürmen scheinen. ,Erste Hilfe‘ leistet hier eine zentrale Anlaufstelle: der Senioren- und Pflegestützpunkt Niedersachsen im Landkreis Osterode am Harz. Ulrike Stahmann-Fuchs und Gaby Quintscher stehen beratend zur Seite, wenn es um die Pflege und seniorengerechtes Wohnen geht.

Ein wesentlicher Punkt ihrer Beratung spielt sich dabei übrigens nicht in ihren Büros ab, sondern bei den Hilfesuchenden vor Ort. Insbesondere in den ländlichen Gebieten des Landkreises sind diese Hausbesuche inzwischen etabliert. „Eine pass genaue individuelle Beratung lässt sich nur durchführen, wenn wir uns ein Bild von der Wohnsituation machen können“, erklärt Stahmann- Fuchs. Doch das ist häufig der Knackpunkt. Denn viele ältere Personen wehren sich zunächst gegen Fremde in ihrem Privatbereich. Sie möchten keinen Besuch, dem sie ihre Probleme und Schwachstellen offenbaren. Diese Hemmschwelle muss erst durch eine sensible und fachkundige Ansprache überwunden werden. Doch meistens öffnen sich die alten Menschen den externen Beratern letztlich eher, als auf die oftmals von Emotionen geleiteten Ratschläge der Angehörigen zu hören.

Für die Zukunft wünschen sich Stahmann- Fuchs und ihre Kollegin eine Zunahme von alternativen Wohnformen im Landkreis, wie zum Beispiel die Senioren-WGs im Göttinger Stadtgebiet. Dort hätten die Bewohner durch die Gemeinsamkeit und gegenseitige Fürsorge Abwechslung und eine Aufgabe. Das Ziel unserer Gesellschaft muss sein, dass alte Menschen so lange wie möglich gut versorgt sind und sicher in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Stahmann- Fuchs empfiehlt daher allen Angehörigen, das kostenlose und neutrale Angebot des Senioren- und Pflegestützpunkts rechtzeitig wahr zunehmen: „Je früher dieses Angebot genutzt wird, desto gründlicher und systematischer kann man sich auch auf schwierigere Zeiten vorbereiten.“

Im Fall der Fälle

Gut vorbereitet
Unabhängig vom Alter ist dringend anzuraten, eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung zu verfassen. Für den Fall einer Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder eines Unfalls sollten die wichtigsten Punkte geregelt sein: Wer soll im Notfall benachrichtigt werden und wichtige Entscheidungen treffen? Wer kümmert sich um Bankgeschäfte und andere Behördenvorgänge? Um hier rechtliche Fallstricke zu vermeiden, sollte man sich unbedingt beraten lassen oder Infomaterial beim Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz anfordern. Weitere Infos unter: www.bmjv.de

Neue Gesetzeslage
Im Januar 2017 tritt das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft. Aus den bisherigen drei Pflegestufen werden dann fünf Pflegegrade. Auswirkungen hat dies in erster Linie auf Menschen, die von Demenz betroffen sind. Diese Gruppe wurde bislang vernachlässigt und erhält künftig deutlich verbesserten Zugang zum Pflegesystem, was sowohl für die Pflege zu Hause als auch in einem Pflegeheim gilt.

Pflegeauszeit
Unter www.wege-zur-pflege.de bietet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ausführliche Unterstützung im Bereich Pflege. Für Berufstätige, die sich um Familienangehörige kümmern müssen oder wollen, hat es beispielsweise in der jüngeren Vergangenheit viele helfende Änderungen gegeben. So wurde u. a. das Pflegeunterstützungsgeld für kurzzeitige Arbeitsverhinderung bis zu zehn Tage, die Pflegezeit mit teilweiser oder vollständiger Freistellung für bis zu sechs Monate und die Familienpflegezeit für bis zu 24 Monate eingeführt.

Mobil versorgt
Wer zu Hause gepflegt werden möchte, hat auch das Recht darauf. Um dafür finanzielle Unter stützung zu erhalten, muss eine Pflegestufe beantragt werden. Bei der Auswahl des Pflegedienstes helfen die Recherche im Internet, die Erfahrung von Bekannten und natürlich auch die Experten vom Senioren- und Pflegestützpunkt. Ein wichtiger Tipp für den Fall, dass (auch) Angehörige an der Pflege beteiligt sind: Ab einem Umfang von 14 Stunden wöchentlich sollte man sich über die Sozialversicherungspflicht und andere mögliche Leistungen informieren.

Finanzielle Unterstützung
Bei Wohnumfeldverbesserungen sollte die Pflegeversicherung kontaktiert werden. Zudem gibt es in vielen Fällen günstige Kredite bei der KfW oder bei der NBank. Entschließt man sich, bereits bei einem Neubau barrierefrei zu bauen, so gibt es häufig kommunale Zuschüsse. Hierzu gibt es eine Beratungskooperation der Pflegestützpunkte mit den Bauämtern. Im Falle einer stationären Dauerpflege ist eine rechtzeitige Kontaktaufnahme zum Sozialhilfeträger ratsam, der einspringen muss, wenn der Kapitalbedarf für die Pflegeunterbringung die Mittel der zu pflegenden Person und deren Angehörigen übersteigt.

Pflege der Zukunft
83 Prozent der Bundesbürger können sich vorstellen, zu Hause einen Service-Roboter zu nutzen, wenn sie dadurch im Alter länger in den eigenen vier Wänden wohnen könnten. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) anlässlich der Hannover Messe durchgeführt hat. Roboter können zukünftig verstärkt dazu beitragen, nicht nur die Hausarbeit zu erleichtern, sondern auch Menschenleben zu retten und Tätigkeiten auszuführen, die für Rettungs- und Einsatzkräfte gefährlich sind.

Goldene Regel
Für alle Unterstützung von außen gilt: Je früher man sich kümmert, desto mehr Stress bleibt einem selbst erspart – und allen Beteiligten. Gerade bei Anträgen sind Fristen unbedingt einzuhalten. Aufgrund der Unüberschaubarkeit der vielen Angebote und der unterschied lichen Ansprechpartner sollte der Pflegestützpunkt die erste Adresse sein.

Ansprechpartner für alle Pflegethemen

Ulrike Stahmann-Fuchs, Senioren- und Pflegestützpunkt, Herzberger Straße 5, 37520 Osterode am Harz, Tel. 05522 9604249, pflegestuetzpunkt@landkreis-osterode.de

Gaby Quintscher, Senioren- und Pflegestützpunkt, Kreishaus Göttingen, Reinhäuser Landstraße 4, 37083 Göttingen, Tel. 0551 5252909, senioren-und-pflegestuetzpunkt@ landkreisgoettingen.de