Adel verpflichtet?!

© Alciro Theodoro Da Silva
Text von: Claudia Klaft

Was bedeutet es, aus einer adeligen Familie zu kommen – darüber sprach faktor mit dem Prinz von Hannover, der sich in Göttingen einen eigenen Verlag aufgebaut hat.

„Hannover“ – so meldet er sich am Telefon, und in dieser knappen Form stellt er sich auch persönlich vor. Heinrich Prinz von Hannover legt keinen Wert auf förmliche Anrede und höfisches Gehabe. Knapp und auf den Punkt – so ist es ihm am liebsten. Genauso auf den Punkt ist ein klares Nein auf Fragen, über die er nicht reden möchte. Auch die Büroräume seines Verlages in der Göttinger Innenstadt sind schnörkellos, nur einige antike Gegenstände zeugen von der adligen Abstammung der Familie. Die Gemälde, vor denen er sich fotografieren lässt, zeigen die Schwiegereltern Friedrich des Großen. Sein Kunst- und Geschichtsverständnis lässt er auch beim weiteren Gespräch immer wieder durchblicken, und es prägt auch seinen Verlag MatrixMedia, in dem er hauptsächlich Publikationen zu Geschichte, Kunst und Kultur herausgibt. Gerade ist er dabei, das Frühjahrsprogramm zusammenzustellen.

Herr Hannover, was wurde Ihnen persönlich in Bezug auf Familie, Geld und Tradition beigebracht? Meine Eltern haben mir die Möglichkeit gegeben, eine gute Ausbildung absolvieren zu können wie Abitur, Studium usw. Dabei habe ich natürlich vieles über Familie, Geld und Tradition erfahren.

Welche Werte spielen für Sie eine besondere Rolle? Ich glaube, dass man als Mensch immer so handeln sollte, dass man selber dafür die Verantwortung tragen kann. Ich meine damit auch den Umgang mit Menschen, der so sein soll, wie man auch gerne selber behandelt werden will.

Ist das eine besondere Verantwortung, die Werte und das Vermögen von Generationen auf seinen Schultern zu tragen? Wie gehen Sie damit um? Da ich persönlich nicht wirklich ein großes Vermögen geerbt habe, kann ich nur sagen, dass ich glaube, wenn man ein Vermögen selber erarbeitet hat, dann geht man damit auch sehr verantwortungsbewusst um.

Welche Vor- oder Nachteile haben sich für Sie als Unternehmer durch die Abstammung aus einer adeligen Familie ergeben? Meine Herkunft hat nicht wirklich mein Leben als Unternehmer gefördert oder den Einstieg dahin erleichtert. Ich komme ja nicht aus einer Verlegerfamilie und konnte somit auch nicht auf eine berufliche Tradition der Familie zurückgreifen.

Sie verlegen viele Bücher mit einem adeligen Hintergrund. Hat sich dieser Schwerpunkt ausschließlich aus Ihrem familiären Umfeld ergeben? In meinem Verlag erscheinen vornehmlich Sachbücher zu historischen Themen. Aber wir veröffentlichen auch Bücher zu ganz anderen Inhalten. Sicher hat meine Herkunft die Beschäftigung mit dem Themenbereich Geschichte positiv beeinflusst.

Wie haben Sie persönlich den Weg zu Ihrem jetzigen Job gefunden? Ursprünglich habe ich Sportwissenschaften, Publizistik und Psychologie studiert. Da war es sicher auch ein Zufall, dass ich Verleger geworden bin. Grundsätzlich hatte ich das aber nie geplant.

Hatten Sie die Möglichkeit, Ihren beruflichen Werdegang völlig frei zu gestalten, oder hat Ihre Familie Einfluss darauf genommen? Meine Eltern haben mir die Möglichkeit gegeben, eine gute Ausbildung zu erhalten. Damit konnte ich dann frei entscheiden, welchen beruflichen Werdegang ich einschlage.

Gab es andere Erwartungen an Sie, sowohl aus dem familiären als auch dem öffentlichen Bereich? Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich glaube aber, dass Eltern ihren Kindern einen Beruf wünschen, der diese in gewisser Weise auch finanziell absichert. Da steht der Verlegerberuf sicher nicht an oberster Stelle einer Wunschliste.

Wie sehen Sie im Allgemeinen den familiären Einfluss bei Adeligen, wenn es um die allgemeine Entwicklung und im Speziellen um die Berufswahl oder auch die Fortführung von Unternehmen oder Familientraditionen geht? Die Eltern legen besondere Sorgfalt in die Ausbildung ihrer Kinder, dann aber muss der Nachwuchs seinen eigenen Weg gehen. Alter ererbter Familienbesitz soll zusammengehalten werden, und bei ehemaligen Fürstenhäusern bleibt dieser traditionell in einer Hand.

Welche Besonderheiten gibt es für Unternehmer aus Adelsfamilien, wenn es um die Unternehmensnachfolge geht? Grundsätzlich stellt sich bei allen die gleiche Frage, nicht nur im Adel. Wer ist befähigt, die Nachfolge fortzuführen, und wie kann das Unternehmen sicher in die Zukunft geführt werden. Da stellen sich immer viele Fragen, die heute anders beantwortet werden müssen wie noch vor einigen Jahrzehnten.

Unternehmer wie Sie stehen in der Regel nicht nur als Unternehmer, sondern auch als Privatperson in der Öffentlichkeit. Wie gehen Sie damit um? Welche Auswirkungen ergeben sich daraus auf Ihr Arbeitsleben? Es hat Vor-, aber auch Nachteile, die man als Unternehmer immer abwägen muss. Da macht man auch Fehler, mit denen man umgehen kann, und aus denen man immer wieder dazulernt.

Wie stellen Sie sich Ihre eigene Nachfolge in Ihrem Verlag und auch in der Familie selbst vor. Inwiefern spielen dabei Ihre Kinder eine Rolle? Die Nachfolge bei mir im Unternehmen stellt sich noch nicht. Meine Kinder gehen alle noch zur Schule, und ich versuche, ihnen eine gute Ausbildung zu ermöglichen, so wie es mir meine Eltern auch ermöglicht haben.

Vielen Dank für das Gespräch!