©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Stefan Liebig

Ideen, die bewegen: Carsten Marhold wird mit seinem Hochbeet Magic Green Bed zum Selbstversorger und schafft damit die Grundlage für eine nachhaltige Lebensweise. Dafür wird er jetzt mit der Urkunde Gute Gründe(r) ausgezeichnet.

Bevor es vor zwei Jahren zum Burnout kommt, zieht Carsten Marhold (Foto) die Reißleine. Bis zu 16-stündige Arbeitstage in unangenehmem Arbeitsklima bringen den gelernten Kfz-Mechaniker an den Rand seiner Kräfte. Der heute 42-Jährige, der sich in einigen Berufsstationen zum Staatlich geprüften Techniker und Kfz-Sachverständigen weiterqualifiziert hatte, nimmt sich genau im richtigen Moment eine Auszeit. „Und schon nach einiger Zeit spürte ich, wie ich wieder zu mir kam. Plötzlich konnte ich auch wieder kreativ werden“, erzählt der naturverbundene gebürtige Nordhäuser vom seinem Start in die Gründerszene.

Marhold besitzt nur ein kleines Grundstück, das er aber sowohl seinem Sohn als Spielfläche zur Verfügung stellen möchte als auch zum Anbau von eigenem Gemüse nutzen will. Die Lösung: Ein Hochbeet muss her. Schnell wird jedoch klar, dass der Markt seine Ansprüche nicht erfüllt: Es sollte ein sich selbst bewässerndes Hochbeet sein, das längere Abwesenheiten des Besitzers überstehen kann. Außerdem sollte es aus nachhaltigen Komponenten bestehen, einfach aufzubauen und ergonomisch zu bewirtschaften sein. „Eines Morgens wachte ich dann auf und hatte meine Erfindung geträumt – ich musste sie nur noch zu Papier bringen“, berichtet der Fan des urbanen Gartenbaus von seinem Innovationsprozess.

Viele Wünsche gilt es nun auf einmal umzusetzen – aber Marholds technischer Sachverstand, gepaart mit dem handwerklichen Geschick seines Bruders Steffen, lassen schnell erste Prototypen entstehen. Als diese nicht nur die Familie beeindrucken, fällt der Entschluss: Die agabeco GbR soll gegründet werden. Mit einem detaillierten Businessplan geht es zur Bank. Das Konzept überzeugt auch hier, doch nun kommen Bruder Steffen an dem risikoreichen Schritt in die Selbstständigkeit Zweifel. Er zieht sich aus der GbR zurück, bleibt aber weiter für den handwerklichen Bereich zuständig.

Carsten Marhold aber lässt sich von seinem Plan nicht abbringen und macht als Einzelunternehmer weiter – wenn auch mit etwas weniger Schwung. Denn der Bankkredit wird unter diesen neuen Bedingungen nicht bewilligt, und der Gründer muss parallel an vier Tagen in der Woche beim TÜV in Kassel arbeiten. Ein mutiger Anruf bei Birgitt Witter-Wirsam, der Geschäftsführerin von Holzland Hasselbach in Rosdorf, eröffnete dann schließlich überraschend schnell den ersten Schritt in den Markt: Marhold darf dort ausstellen und sein neues Hochbeet Magic Green Bed anbieten – und auch auf dem Messestand des Holzfachhandels auf einer regionalen Baumesse ist er nur kurze Zeit später mit seinem Unternehmen agabeco vertreten. Heute führt er sein eigenständiges Geschäft mit Sitz in Rhumspringe und Ausstellungsbeeten in Groß Schneen.

Immer wieder nutzt der wissbegierige Marhold Möglichkeiten, sich neue Kenntnisse anzueignen und ein Netzwerk aufzubauen. So wendet er sich im vergangenen Jahr an die Ideenbeweger – ein Angebot am Zentrum für Entrepreneurship an der PFH Private Hochschule Göttingen. Die helfen, damit gute Ideen weder am Finanziellen noch am ebenso nötigen, häufig aber nicht vorhandenen Marketingwissen scheitern. In zweimonatigen Vorbereitungskursen erhalten Start-ups hier umfassende Coaching-Angebote. Durch den Zugang zum Ideenbeweger-Projekt ,Crowdfunding für Südniedersachsen‘ erhalten sie zudem im Falle einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne Geld für ihr Projekt. Damit können sie ihre Ideen realisieren und potenzielle Partner und Kunden ansprechen. Auch Carsten Marhold kann damit erfolgreich sein junges Unternehmen marktgerecht weiterentwickeln.

„Gemeinsam mit 30 anderen Jungunternehmern bekamen wir ein super Coaching. Wir stellten noch einmal alles kritisch auf den Prüfstand und merzten Schwachstellen aus“, erklärt Marhold den Prozess. „Zwar haben wir am Ende mit dem Crowdfunding die gewünschte Summe nicht erreicht, aber ich habe extrem viel gelernt und konnte auch wertvolle Kontakte knüpfen“, erzählt der Gründer alles andere als enttäuscht.

Heute – einige Monate später – tüftelt er bereits an kleineren Versionen seines Hochbeets, die auch auf städtische Balkone passen. Was dem immer noch beim TÜV angestellten Erfinder neben Zeit allerdings weiterhin fehlt, ist das nötige Investitionskapital und die PR. Da kommt es gerade recht, dass Marhold zu Beginn der Gartensaison zum Gewinner der Auszeichnung Gute Gründe(r) erklärt wurde. Ein Preis, den die WRG Wirtschaftsförderung Region Göttingen gemeinsam mit der GWG Wirtschaftsförderung Stadtentwicklung Göttingen und faktor als Medienpartner zweimal im Jahr verleiht. „Das war natürlich eine unglaublich schöne und hilfreiche Überraschung“, sagt der Ideenfinder zufrieden.

Für die Juroren war die Mischung aus überzeugendem Konzept und Hartnäckigkeit ausschlaggebend. „Durch das ergonomische Hochbeet mit automatischer Bewässerung hat Carsten Marhold ein innovatives Produkt auf den Markt gebracht, das es Menschen jeder Altersgruppe ermöglicht – egal, ob in der Stadt oder auf dem Land lebend und unabhängig von einer Gartenfläche –, eigenes Gemüse anzubauen“, erklärt Wirtschaftsförderin Karin Friese von der WRG. „Als Reaktion auf den zunehmenden Wunsch der Bevölkerung nach einer gesunden und nachhaltigen Lebensweise ist dies eine Idee, die in jedem Fall Zukunft hat.“