Aus dem richtigen Holz

©Marco Bühl
Text von: Stefan Liebig

Sich den Kampf gegen soziale und ökologische Missstände auf die Fahne zu schreiben, ist ein ehrenwertes Ziel. Wenn dabei auch noch ein Produkt entsteht, dass nicht nur die Welt, sondern auch die eigenen vier Wände besser aussehen lässt – umso besser. 

Doch exklusives Design und Nachhaltigkeit in einem bezahlbaren Produkt zusammenzubringen, gelingt nur wenigen Herstellern. Einer von ihnen ist Manuel Voss. Der 29-jährige Göttinger Gründer und Inhaber von GreenHaus lebt seine Philosophie der Vernetzung regionaler Akteure unter ästhetischen, ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten. Und der Erfolg seines Unternehmens in einem, wie er sagt, ,maximal intransparenten Möbelmarkt‘, scheint ihm recht zu geben.

Herr Voss, es gibt heute in fast jeder Branche unzählige Öko-Siegel – auch auf dem Möbelmarkt. Wie sinnvoll sind diese?

Diese Siegel sind unüberschaubar, und nicht zuletzt bezahlen die Produzenten für diese Auszeichnungen. Darüber, wie zuverlässig so ein System sein kann, lässt sich nur spekulieren. Der Kunde kann nicht wirklich einordnen, was sie bedeuten. Letztlich kommt es auf das Vertrauen an. Auch GreenHaus setzt zurzeit noch auf das Vertrauen der Käufer, aber wir erarbeiten gerade mit einem Göttinger Start-up-Unternehmen ein Nachweisverfahren, mit dem wir künftig einen wissenschaftlichen Nachweis über die Herkunft des Holzes liefern können, das in jedem Möbel verarbeitet ist.

Wofür steht das ,Grün‘ in Ihrem Haus konkret?

Es steht in erster Linie für Natur und Ökologie im Wohnumfeld. Dies beinhaltet zum einen den Einsatz von nachhaltig produzierten Rohstoffen bei der Herstellung. Zum anderen bieten unsere Einrichtungsgegenstände integrierte Bereiche für Pflanzen zur Wohnungsbegrünung. Am Ende soll ein ökologisch einwandfreies Holzmöbel stehen, das eben nicht wie ein Jutesack gestaltet ist. Wir bieten eine zukunftsfähige Verbindung von exklusiver Optik und einem fairen Wirtschaftsprozess.

Und wie sieht dieser faire Wirtschaftsprozess in der Praxis aus?

Neben der Verwendung von Hölzern aus Wäldern in Kundennähe sowie der Vermeidung von ausdünstenden Beschichtungen und Verleimungen achten wir auch auf gute Arbeitsbedingungen der für uns arbeitenden Tischler. Wir vergeben die Aufträge an kleine Handwerksbetriebe. So können die Meisterbetriebe ihre Kapazitäten besser auslasten. Das umfassende Fachwissen bleibt erhalten, und es wurden sogar bereits neue Arbeitsplätze geschaffen. Letzteres freut mich besonders und zeigt, dass wir den richtigen Ansatz verfolgen.

Wie kamen Sie überhaupt vor eineinhalb Jahren auf diese Idee?

Als Betriebswirt arbeitete ich im Management des Lebensmitteleinzelhandels. Dort habe ich die Missstände in sozialer und ökologischer Hinsicht erst richtig wahrgenommen. Das war der Ansatz zum Umdenken. Wie es anders geht, habe ich im Rahmen des Studiums Ökosystemmanagement gelernt. Da ich auch mit dem Gedanken gespielt hatte, Innenarchitektur zu studieren, kam ich schließlich auf die GreenHaus-Idee. Dass wir inzwischen etwa acht freie Mitarbeiter beschäftigen und den Break-even-Point schon fast erreicht haben, bestätigt und motiviert mich für die Zukunft.

Und wie sehen die weiteren Zukunftspläne aus?

Um die Fähigkeiten der Tischlermeister noch effektiver zu nutzen und auch Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, zu unterstützen, planen wir Kooperationen mit Behindertenwerk-stätten oder der JVA zur Produktion der einfacheren Bauteile.

Das sind viele gute An- und Vorsätze – aber ist das auch für den Kunden noch bezahlbar?

Unsere Möbel gibt es natürlich nicht zum Dumpingpreis. Aber bedenken Sie, dass ein Tisch für 2.000 Euro als hochwertiges  Möbel mindestens zehn Jahre lang unzähligen Mahlzeiten und geselligen Treffen dient. Das sind keine 20 Euro im Monat – sollten wir das nicht für ein angenehmes Ambiente ausgeben? Zudem kann man sich mit gutem Gewissen an dieses Einrichtungsstück setzen. Gerade diese Tatsache schätzen übrigens auch unsere Geschäftskunden im Bereich von Büro- und Konferenzmöbeln.

In welchen Regionen vermarkten Sie Ihre Produkte derzeit?

Im Moment sind wir noch in einem Umkreis von 100 Kilometern um Göttingen unterwegs und verfügen hier bereits über mehrere Ausstellungsflächen bei kooperierenden Möbelhäusern und Inneneinrichtern. Aber perspektivisch werden wir uns unsere Partnerforste und -tischler künftig deutschlandweit suchen, um überall regional wirtschaften zu können.

Planen Sie langfristig auch, den Möbeldiscount herauszufordern?

Wir entwickeln tatsächlich gerade gemeinsam mit der Universität Chemnitz einen fluiden Holzwerkstoff. Mit diesem  Produkt können wir erschwingliche Designmöbel in größeren Mengen produzieren. Dieser Rohstoff wird aus Ligninfasern  recycelt, die ansonsten in der Verbrennung landen. Also wieder eine optimale Verbindung von Ökonomie und Ökologie. Damit erschließen wir mit unseren Produkten eine größere Käuferschicht. Mit der Massen -produktion der Möbelindustrie können und wollen wir aber nicht konkurrieren.

Herr Voss, vielen Dank für das Gespräch!

 

Manuel Voss wurde 1987 in Emden geboren. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der PFH Emden und Ökosystemmanagement an der Georg-August-Universität Göttingen und versteht sich als Netzwerker – keineswegs als ,ostfriesischen Eigenbrödler‘. GreenHaus gründete er 2015 mit drei Partnern, die inzwischen aus dem Unternehmen ausgestiegen sind. Seit Januar 2016 lautet die Firmierung GreenHaus UG, Manuel Voss ist alleiniger Geschäftsführer.