25. Verleihung des Alexanderpreises in Göttingen

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Text von: redaktion

Am Samstag, den 8. Februar, wurde im Deutschen Theater in Göttingen der Alexanderpreis vergeben. Der Artikel “Eine Frage des Glücks“ der Journalistin Heidi Niemann, erschienen in der faktor-Herbstausgabe 2013, wurde mit dem zweiten Platz geehrt.

Die Alexanderstiftung vergibt jährlich den Alexanderpreis und würdigt damit journalistische Arbeiten, die sich mit der „Vergangenheit der Stadt Göttingen und ihres Umfeldes“ beschäftigen.

Aus den eingereichten Beiträgen ermittelt eine Jury die Preisträger, die jeweils im Frühjahr mit dem Alexanderpreis ausgezeichnet werden. In seiner Begrüßung betonte der Vorsitzende der Alexanderstiftung Jens Wortmann, dass die in den 25 Jahren ausgeschütteten gut 68.000 Euro Preisgelder an 78 verschiedene Preisträger und 110 Preisen vergeben worden sind. Zwei von den vier heutigen Preisträgern gehörten gewissermaßen zu den „Stammgästen“ der Stiftung: Jörn Barke, der heute den ersten Preis erhielt, wurde bereits zum siebten Mal, Michael Schäfer zum sechsten Mal ausgezeichnet.

Vor knapp 100 Gästen wurde Barke für seine Arbeit „Groner Landstraße 9″ (Göttinger Tageblatt) mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Das Gebäude am Rande der Göttinger Innenstadt ist seit Fertigstellung ein sozialer Brennpunkt; Polizei und Feuerwehr sind dort ständig im Einsatz. Barke hat sich diesem Betonbau angenommen und die verschiedenen Aspekte der Bewohner, deren Herkunft und des sozialen Umfelds gewidmet. Die Laudatio hielt der Göttinger Journalist und selber mehrfacher Preisträger Sven Grünewald.

Er hob hervor, dass Barke in seinem der Artikel natürlich nicht bei dieser oberflächlichen Betrachtung stehen bliebe: „Sein Augenmerk liegt klar und differenziert auf dem Ist-Zustand, den Schattenseite und den Lichtblicken.“ Michael Schäfer erhielt den zweiten Preis für seine Artikel-Serie über das Haus „Merkelstraße 3″, erschienen im Göttinger Tageblatt. Diese Gründerzeitvilla hat eine sehr wechselhafte Geschichte. Zuletzt beherbegte sie die Firmenzentrale der „Göttinger Gruppe“. Jetzt hat sie der Hogrefe-Verlag saniert und zu seinem Firmensitz gemacht. Inhaber Jürgen Hogrefe hat sich der Vergangenheit gestellt – auch der Enteignung der früheren jüdischen Besitzer. So konnte die Geschichte des Hauses umfangreich aufgearbeitet werden.

Laudator Heinz Peter Lohse fasste zusammen: „Villa Merkelstraße 3″ ist einerseits die „Geschichte eines Hauses“, wie es im Untertitel der Serie steht. Durch die vielen kleinen Geschichten über die Bewohner des Hauses wird in der Serie andererseits auch ein Stück Stadtgeschichte in journalistisch aufbereiteter Form erzählt. Heidi Niemann betreibt eine eigene Presseagentur, den Presse Informationsdienst (pid). Als freie Journalistin veröffentlicht sie in verschiedenen Medien. Im Göttinger Magazin „faktor“ ist der Artikel „Was macht Menschen glücklich?“ erschienen. Bezugnehmend die Arbeiten zweier Wissenschaftler in Göttingen, habe Niemann das komplexe Thema „in klarer Diktion deutlich gemacht, ohne selbst einer Euphorie zu verfallen“, so Laudator Achim Block.

Einen Sonderpreis bekam Friedrich-W. Klemme. Inzwischen in Stuttgart lebend, erinnert er sich in dem Buch „Wie es früher in Göttingen einmal war“. Kuratoriumsvorsitzender Wortmann betonte in seiner Laudatio, dass Bücher eigentlich nicht Gegenstand des Wettbewerbes sind. Aber diese Erinnerungen hätten auch den Stifter Wolfgang Alexander gefallen und müssten deshalb mit einem Sonderpreis ausgezeichnet werden.

Den diesjährigen Festvortrag hielt Stadtarchivar und Leiter des Städtischen Museum Ernst Böhme. Er bot einen Einblick in die Arbeitsweise und die Geschichte des Städtischen Museums Göttingen, das auch als „kollektives Gedächtnis der Stadt“ bezeichnet werden könne. Am Ende des Vortrags brachte er zwei Beispiele über die Hintergründe von Erwerbungen.

Eines war die Wohnzimmereinrichtung aus dem Hause Merkelstraße 3. So schlug Böhme die Brücke von seinem Museum zum aktuell prämierten Text von Michael Schäfer. Für den musikalischen Rahmen sorgten die zwei Klarinettisten Linda Tendler und Christian Müller zusammen mit dem Bassisten Johann Lorenz. Mit kurzweiligen Jazzklängen lockerten sie die Wortbeiträge angehm auf.

Nach den Preisverleihungen blieben noch zahlreiche Besucherinnen und Besucher – darunter auch viele Journalisten – im Keller des Deutschen Theaters und nutzten die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen.