Generation Z – hinter den Kulissen mit Martin Rasmussen

©Privat / Martin Rasmussen
Text von: Marisa Müller

Die neue Generation: für Arbeitgeber eine Herausforderung. faktor hat mit Unternehmen, jungen Menschen und Experten gesprochen, und dabei ganz erstaunliche Entdeckungen gemacht. faktor-Interview: Martin Rasmussen über die Generationenfrage. 

Martin Rasmussen, 36 Jahre, Generation X, Managing Director/Copernicus

 

Wie nehmen Sie die Vertreter der jungen Generation wahr? Wie wirken die Ys und Zs auf Sie?

Auch wenn wir ein Unternehmen mit einem durchschnittlich jungen Team sind (Altersdurchschnitt 31), so haben auch wir Mitarbeiter, die noch aus der Generation Sicherheit und nicht aus der Generation Spaß kommen. Ich merke das deutlich bei Jahresgesprächen. Mitarbeiter der Generation Sicherheit bringen öfter das Thema Gehalt auf den Tisch. Geld ist bei ihnen noch ein Motivationsgrund und bezüglich der jeweiligen Arbeitsaufgabe sind sie genügsamer und eher bereit, langweilige Routineaufgaben zu übernehmen, dabei aber sehr treu und zuverlässig.

Bei Mitarbeitern der Generation Spaß bin ich verblüfft, dass das Geld und auch die von uns stets angestrebte Sicherheit durch unbefristete Verträge zwar gerne angenommen werden, beides aber nicht das zentrale Argument sind. Viele meiner akademisch-geprägten jungen Mitarbeiter denken ohnehin nicht über das Haus mit Garten im Vorort für’s Leben nach. Selbst in der Familienphase denken noch viele ans Ausland und gehen ohnehin davon aus, nicht bis zur Rente bei mir zu bleiben (auch wenn ich das will und ihnen biete). Das ist in gewisser Weise durchaus unbeschwert, weil sie nicht so viel Sicherheit brauchen, spontaner sind, und dadurch u.U. sich flexibler auf neue Situationen einstellen können.

Was wollen die jungen Jobeinsteiger?

Meinen jungen Mitarbeitern muss ich täglich etwas bieten. Arbeiten ist für sie nicht mehr Broterwerb. Arbeit muss Spaß machen, cool sein, etwas, dass mit der eigenen Alltagsplanung komplementär verläuft, Hobbies und Freizeit dürfen von der Arbeit nicht gestört werden. Abstriche zu machen ist nicht mehr angesagt.

Was die Generation von unserem Unternehmen fordert ist eine abwechslungsreiche Aufgabe, viel Interaktivität, viel Mitbestimmung, eine immer gute Ausstattung des Arbeitsplatzes und dass unsere Firma und ihre Dienstleistungen der Lebenswirklichkeit der Generation Spaß entsprechend. D.h., die Technologien und Kommunikationswege, die unsere Mitarbeiter aus ihrem Alltag gewohnt sind, müssen ganz klar auch in der Firma laufen. Ich könnte einem Mitarbeiter nicht vermitteln, etwas auf einem anderen als dem modernsten Weg zu erledigen, nur weil das vielleicht bisher so gemacht wurde. Die Mitarbeiter der Generation Spaß treiben die Firma stets zu Innovationen und zu Modernisierungsprozessen an.

Welche Rolle spielt Einfühlungsvermögen oder Verständnis, um die Generation Z zu begeistern?

Schon eine Menge. Ich selbst bin mit 36 noch recht jung. Ich weiß aber von bekannten Geschäftsführern, die selber schon ein fortgeschritteneres Alter haben, dass sie manchmal staunen, was ihre Mitarbeiter so alles verlangen. Auch die typische „Anwaltsfloskel“ nach dem Motto „meine Mitarbeiterin kann doch froh sein, dass sie überhaupt diesen Job hat“, ziehen so gar nicht mehr. Wir Unternehmen ringen um die guten Mitarbeiter, die umworben und gepflegt werden wollen. Die Toleranz ist wesentlich niedriger, als ich es von meinen Eltern oder gar Großeltern kenne, die eine stärkere Obrigkeitsgläubigkeit hatten und dem Chef als Respektsperson eher gefolgt sind, auch wenn man dazu durch ein Tal gehen muss. Die Idee von der lebenslangen Treue wie ein Fritz Walter beim 1. FC Kaiserslautern ist eine Idee unserer Großeltern, maximal noch der Eltern.

Was gefällt Ihnen an der neuen Generation?

Ich mag die Idee sehr gerne, dass Arbeit und Freizeit dahingehend verschmelzen, dass Arbeitsraum Lebensraum ist und jeder, der es sich erlauben kann, sich wohlfühlen will und etwas tun will, in dem er sich selbst verwirklichen kann. Sofern ein Arbeitsplatz das bieten kann, geht damit eine hohe Zufriedenheit einher. Sofern…

Vielen Dank für das Gespräch!