24/7 mobil – die moderne Sklaverei

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Text von: redaktion

SerNet-Geschäftsführer Johannes Loxen stellt die vier führenden Smartphone-Plattformen vor und zeigt, welches System zu welchem Unternehmen passt.

Beim Thema „Smartphones“ ist Johannes Loxen, Geschäftsführer der SerNet GmbH, sofort in seinem Element. Zielstrebig teilt er den Begriff in seine zwei Bestandteile und beginnt zu erklären: „’Phone’ ist klar, hier geht es um Telefonie, SMS und ein Telefonbuch – das kennt jeder.“ Doch was macht ein Mobiltelefon „smart“? Loxen spricht über die Konvergenz von Daten und Sprache, die Synchronisation zwischen Telefon und PC, E-Mails und Internet. Wie nebenbei zieht er sein iPhone aus der Hosentasche und präsentiert Touchscreen und Apps live am Gerät. „Das alles können ältere Mobiltelefone nicht.“

Viele Smartphone-Plattformen sind aktuell auf dem Markt – vier von Ihnen kämpfen um die Marktführerschaft. Erster Entwickler war Microsoft mit Windows Mobile. Hier ist noch die Rede von Leistungsschwäche, einer unhandlichen Stiftsteuerung,einer schlecht integrierten Oberfläche und mangelnder Sicherheit. „Microsoft hatte wie immer einen eigenen Standard definiert. Deshalb fand wenig Weiterentwicklung statt“, sagt Loxen. Als erstem platzte Blackberry der Kragen. „Die haben sich überlegt: Wir bauen ein kleines Handy mit kompletter Tastatur, das hauptsächlich E-Mails versenden kann.“

Dazu wird die „Push“-Technik entwickelt, bei der das Telefon ständig bei einem zentralen Server in England nach neuen Mails fragt. Die Brücke zwischen England und dem Mail-Server im Unternehmen schließt ein individueller Blackberry-Server. Dass die Mails bei Blackberry zwischengespeichert werden, galt lange als unsicher. Heute ist die Sicherheit der Verschlüsselung aber ausgereift und geprüft. Mit dem Blackberry beschleunigt die Herstellerfirma RIM die Arbeitswelt von „nine to five“ auf 24/7 mit einer persönlichen Erreichbarkeit rund um die Uhr. „Eine moderne Sklaverei“, wirft Loxen ein. Bald entdeckt Apple den Markt für sich. Nachdem das Unternehmen soeben mit seinem iPod den Musikverteilungsmarkt aufgeräumt hat, kommt das erste iPhone auf den Markt. Das Touchpad lässt sich jetzt mit einem Finger bedienen und die Apps bringen eine neue Dimension auf das Mobiltelefon.

„Mit der Kombination aus Daten, Sprache und Medien spricht Apple jeden Menschen auf dem Planeten an, der elektronisch kommunizieren will.“ Die Marktanteile schnellen in die Höhe. Während bei Apple und Blackberry die Betriebssysteme auf ein Gerät fixiert sind, drängt Google mit einem freien System auf den Markt. Vor drei Jahren bildet der Suchmaschinen-Riese ein Konsortium mit mehreren Handyherstellern und entwickelt „Android„.

Als Open-Source-System basiert es auf Linux und kann von jedem Telefon-Hersteller genutzt werden. „Heute baut fast jeder sein eigenes Google-Smartphone.“ Bei der Entwicklung der Software schaut sich Google vor allem bei Apple einiges ab. So stehen die Fingerbedienbarkeit und Apps im Vordergrund. Zuletzt kehrt auch Microsoft mit Windows Phone 7 in den Markt zurück. „Wie immer ist Microsoft auch hier nicht der große Innovator.“ Schon beim Internet Explorer oder Windows für den PC folgte der Konzern anderen Produkten nach. „Microsoft hat abgewartet und nimmt sich jetzt das Beste aller Hersteller heraus, fügt leichte Verbesserungen hinzu und bringt das Produkt mit einem enormen Marketingaufwand in den Markt.“

Aktuell stehen also vier Plattformen zur Verfügung. „Fünf!“, korrigiert Loxen. Die Symbianplattform von Nokia gilt allerdings trotz Marktführerschaft bei den Stückzahlen im Handy-Markt als nicht weiterentwicklungsfähig in Richtung „smart“. Die Auswahlentscheidung, welches System zu welchem Unternehmen passt, ist nicht so einfach, wie bei den drei PC-Betriebssystemen Windows, Mac/OS und Linux. Die Smartphoneplattformen bringen verschiedene Stärken und Schwächen mit. „Will ich beispielsweise von überall auf der Welt günstig E-Mails verschicken, muss ich mich für Blackberry entscheiden.“

Durch Roamingverträge mit Anbietern auf der ganzen Welt kann Blackberry sehr günstige E-Mail-Flatrates anbieten. Allerdings lohnt sich die Einrichtung des notwendigen Servers erst ab 10 bis 20 Mobiltelefonen. Außerdem ist der Käufer auf die Blackberry-Geräte festgelegt. Anders sieht das beim Android aus. „Die große Auswahl an Mobiltelefonen verschiedener Hersteller sorgt für niedrige Preise.“ Zudem ist die Entwicklung firmeneigener Anwendungen sehr einfach. Allerdings lässt sich Android häufig nicht so reibungslos in die Firmennetzwerke integrieren. Hier hat Windows Phone 7, zumindest bei Unternehmen mit Windows-PCs, einen klaren Vorteil. „Wenn das Mobiltelefon mit Microsoft-Exchange zusammenarbeiten soll, ist Windows Phone für viele Anwender die erste Wahl.“

Als Nachteil verweist Loxen auf den Zwang zum Windowsweg und die eingeschränkte Entwicklung eigener Software. Das Microsoft der größte Hersteller am Markt ist, versteht er als Vor- und Nachteil. „Zum einen wird Microsoft auf Grund seiner Größe jede Krise überstehen, aber sie üben zugleich auch den größten Zwang aus.“ Die deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibenden Verkaufszahlen von Windows-Phone zeigen die Reaktion des Marktes auf diesen Zustand. Zu guter Letzt bleibt noch Apple. Wer zusätzlich zu den üblichen Smartphone-Funktionen eine ausgereifte Medienunterstützung mit Apps, Spielen und Videos sucht, ist mit einem iPhone gut bedient. Da es sich einfach handhaben lässt, ist es laut Loxen zudem das Smartphone für technikferne Nutzer. Allerdings gilt: Je „smarter“ das Phone, desto mehr ist es auch ein Arbeitszeitvernichter. Dazu kommt der hohe Anschaffungspreis für das iPhone.

Die Entscheidung für eine der Plattformen ist sehr individuell. Letztendlich bieten die Geräte alle die selben Grundfunktionen, wobei diese für Loxen noch ausbaufähig sind. „Es geht noch smarter.“ Er vermisst zum Beispiel die Verknüpfung von Kommunikationskanälen. „Noch immer muss ich mich zwischen SMS und E-Mail entscheiden, obwohl ich letztendlich nur irgendwie eine Nachricht schicken möchte.“ Eine SMS als E-Mail weiterzuleiten ist zumindest beim iPhone noch extrem kompliziert. Mit einer sprunghaften Weiterentwicklung rechnet Loxen indes nicht. „Die Softwarehersteller haben kein Interesse an offenen Standards, da diese einen Wechsel zwischen Anwendungen erleichtern.“ Ein weiterer Bremsklotz sind die Carrier wie die Telekom, die ihr Geld hauptsächlich im Sprachbereich verdienen. Deshalb besteht für sie kein Interesse an der Konvergenz zwischen Sprach- und Datenbereich. Aber Loxen weiß: „Dies bremst die Entwicklung der Smartphones zwar, aufzuhalten ist sie aber nicht mehr.“

Termin: In Kooperation mit dem faktor organisieren die Göttinger IT-Dienstleister SerNet und winwerk am 13. April, 15 Uhr, eine Informationsver- anstaltung zum Thema Smartphones und sicheres mobiles Internet. Die Möglichkeiten der Plattformen werden detailliert vorgestellt.
Anmeldungen: www.sernet.de/events

Plattform Pro Contra
Blackberry
  • Preiswerte E-Mails weltweit
  • Push-Mail
  • Reduzierung auf das Wesentliche, dienstliches Gerät, kein Spielzeug
  • Mail-Server lohnt sich erst ab 10 bis 20 Mobiltelefonen
  • Kaum Integration von Medien
  • Wenige Modelle mit Touchpad
Apple iPhone
  • Touchpad mit Ein-Fingerbedienung
  • Viele Apps
  • Einfache Handhabung
  • Integration von Medien
  • Hoher Preis
  • Wenige Konfigurationsmöglichkeiten
  • Für manche Firmen zu sehr Spielzeug
  • Starke Benutzer-Gängelung
Google Android
  • Günstiger Preis
  • Wahlfreiheit
  • Großer Anbietermarkt
  • Offenes System
  • Diversifizierung
  • Viele verschiedene Mobiltelefone mit eigenen Softwareversionen
  • Schlechtere Integration in Firmennetze
Wimdows Phone
  • Microsoft-Integration
  • Gute Alternative in der Handhabung der Geräte
  • Größter Hersteller
  • Marktfolger, Innovatoren in ihrem Bereich im Vorteil
  • Zwang zum Microsoft-Weg
  • Größter Integrationszwang