125 Jahre Ruhstrat

© Alciro Theodoro Da Silva
Text von: Stefan Liebig

Das Göttinger Familienunternehmen ist mit seinen Produkten stets am Puls der Zeit.

Effiziente Technik für Ihr Gebäude aus einer Hand‘ – so lautet der Leitsatz der Firma Ruhstrat, die in diesem Jahr ihren 125. Geburtstag feiert. Das Traditionsunternehmen deckt heute das gesamte Spektrum von Handwerks- und Dienstleistungen rund um private und gewerbliche Immobilien ab: Der Unternehmensbereich Haus- und Versorgungstechnik umfasst die Sparten Elektrik, Wärme, Sanitär, Klima, Sicherheit und Automation, während das Facility-Management Sicherheitsdienstleistungen und -ausrüstungen sowie Hausverwaltung anbietet.

„Unser Portfolio ist das Ergebnis einer stets am Kunden orientierten Entwicklung“, sagt Andrea Ruhstrat. Die Unternehmerin führte das heute 200 Mitarbeiter beschäftigende Familienunternehmen über 44 Jahre und hat den Platz in der ersten Reihe nun der nächsten Generation überlassen. Seit 2004 stehen ihr Adoptivsohn Steven Ruhstrat und seine Frau Daniela gemeinsam an der Spitze des Betriebes. Das breite Angebot sei mit der Zeit und „mit viel Pioniergeist“ entstanden und gewachsen, so Steven Ruhstrat im Rückblick.

„Man könnte jeden Tag etwas Neues erfinden“, wird Ernst Ruhstrat zitiert. Am 1. April 1888 gründet er mit seinem Bruder Adolf die Firma Gebr. Ruhstrat. Neben dem Angebot von Telefonen, elektrischen Haustelegrafen sowie Feuermeldern, Alarmapparaten und Blitzableitern geht auch der Beginn der Göttinger Elektrifizierung auf sie zurück. Nach der Installation der ersten elektrischen Straßenlaternen folgt die Versorgung von Privathäusern und Geschäften mit einer Spannung von 120 Volt. Auch die Planung und Installation des ‚Physikalischen Institutes‘ und des ‚Institutes für angewandte Elektrizität‘ für die Universität prägen die junge Firmenhistorie.

Nach Adolf Ruhstrats Tod im Jahre 1913 führt Ernst das Unternehmen bis zu seinem Tod im Jahre 1929 weiter, etabliert es als Marktführer für elektrische Widerstände und fasst Fuß auf dem internationalen Markt.

Seine Söhne Ernst-August und Adolf Ruhstrat übernehmen die Geschäftsführung. Sie ergänzen das Portfolio, und mit viel Enthusiasmus gelingt den beiden Brüdern der schwierige Start nach dem Zweiten Weltkrieg. Bereits im August 1945 fertigen sie dringend benötigte Elektrohaushaltsgeräte.

1956 übernimmt die Ruhstrat GmbH unter Ernst-August Ruhstrat die Fertigung von Widerständen, Transformatoren, Sicherheitsbeleuchtungen und Hochtemperaturöfen. Adolf Ruhstrat führt das Werk am Leinekanal bis zu seinem Tod im Oktober 1961. Sein Sohn Axel, der die Geschäfte übernehmen soll, verstirbt kurze Zeit später. Das Unternehmen wird unter Testamentsvollstreckung weitergeführt. Im August 1969 übernimmt Andrea Ruhstrat im Alter von 25 Jahren die alleinige Geschäftsführung.

1977 wird der Firmensitz in die Adolf- Hoyer-Straße verlegt. 1992 geht aus der Adolf Ruhstrat GmbH & Co. KG die Ruhstrat Haus- und Versorgungstechnik GmbH hervor. „Unsere Kunden fragten immer mehr Dienstleistungen und Serviceangebote nach. Darauf reagierten wir schließlich mit unserem ‚Ruhstrat Zentrum für Sicherheit – ZfS‘ am Leinekanal“, erklärt Daniela Ruhstrat. Sie leitet das ZfS heute gemeinsam mit ihrem Ehemann Steven. Der Enkel von Ernst-August Ruhstrat absolvierte nach seinem Studium ein Praktikum im Hause Ruhstrat, was sich als wegweisende Entscheidung herausstellte.

„Es ist eine Ehre, dieses Unternehmen für die Zukunft aufzustellen“, sagt der 43-jährige Geschäftsführer heute. Und so möchte die Familie auch nach 125 Jahren weiter an der Philosophie des Unternehmens – und der Ausbildungstradition – festhalten. Denn schon die Firmengründer beschäftigten am ersten Tag des Bestehens einen Lehrling. Inzwischen sind es schon 1.300 junge Berufseinsteiger, und auch aktuell zählt Ruhstrat mit über 40 Nachwuchskräften zu den größten Ausbildungsbetrieben Südniedersachsens. Ein wichtiger Zukunftsbaustein – für das Unternehmen und die Region.