Theater im Büro

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: faktor

faktor bringt Regisseur Michael Kessler und DT-Schauspieler mit Göttinger Firmen zusammen.  

Nein, keine Gold-Armbanduhr“, ruft der aus Film und Fernsehen bekannte Regisseur Michael Kessler und deutet auf das Handgelenk des Schauspielers. So war das damals bei der Hauptprobe von Oliver Bukowskis ‚Ich habe Bryan Adams geschreddert‘, das im Frühjahr 2014 auf dem Spielplan des Deutschen Theaters Göttingen stand. Ein Stück rund um den Arbeitsalltag: Angst, Intrigen, Schuldzuweisungen, dem Chef nach dem Mund reden oder an seinem Stuhl sägen. Aber: Sind diese Verhaltensweisen und Gefühle, die im Stück offengelegt werden, wirklich aus dem Leben gegriffen?

Die Mitglieder des Ensembles waren neugierig. Alle wollten Einblick in Firmen und dort mit ,echten‘ Angestellten sprechen, um zu fragen: Bilden wir die Realität ab? Ein Wunsch, den faktor gern erfüllte: Über das Netzwerk fanden sich Mitarbeiter und Führungskräfte bei Novelis, der Spedition Zufall und beim IT-Dienstleister Sycor – sie alle öffneten ihre Türen für ein persönliches Gespräch mit Schauspielern und Regisseur und standen für Themen wie Kündigung, Mitarbeitergespräche, Arbeitszeiten und Überstunden Rede und Antwort.

„Es war spannend, diese Büroatmosphäre zu erleben“, sagt Kessler. Und manchmal konnte er – mit geübtem Blick auf Körperspannung und Stimmlage – erkennen, wie sich die Stimmung änderte, wenn ein Kollege oder Chef den Raum betrat, und er verrät: „Ich konnte viel für mich mitnehmen.“ Eine Erfahrung, die er in seine Regiearbeit im Deutschen Theater und darüber hinaus mit einfließen lassen konnte.