Lokaler Wirtschaftsmotor

©Willi Weber
Text von: Tobias Kintzel

Die Lokhalle Göttingen trägt deutlich zur Wertschöpfung in der Region bei – das steht nun auch schwarz auf weiß geschrieben.

Die 1917 errichtete Lokhalle in Göttingen hat sich zu einer beliebten und stark nachgefragten Event-Location entwickelt. „Trotz des steigenden Wettbewerbsdrucks im Veranstaltungsmarkt hat sich die Lokhalle auch im vergangenen Jahr stark präsentiert und bundesweit durch die Verleihung des branchenweit anerkannten Location Awards besondere Aufmerksamkeit erhalten“, erklärt Ursula Haufe, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH (GWG). In der Kategorie ,Historische Locations & Locations der Industriekultur‘ setzte sich die Lokhalle gegen 400 weitere Veranstaltungsorte durch und belegte den ersten Platz.

Wie beliebt – und wirtschaftlich erfolgreich – die Lokhalle als Event-Location ist, zeigen die Zahlen. Der Geschäftsbericht 2014 der GWG weist eine 100-prozentige Auslastung aus: Bei insgesamt 83 Veranstaltungen wurden über 190.000 Besucher registriert. Aus der Veranstaltungstätigkeit generierte die Lokhalleeine Gesamtwertschöpfung von rund 24 Millionen Euro, wie die Studie der CIMA Beratung + Management belegt, die die GWG im November vorgelegt hat. Rund 15 Millionen Euro entfallen auf die Region Göttingen mit dem Kernbereich Südniedersachsen. Direkt profitieren Unternehmen aus den Bereichen Marketing und Werbung, Veranstaltungsaufbau und -abbau, Catering, Sicherheitsdienstleistungen sowie Ver- und Entsorgung. Die konsumptiven Ausgaben der Techniker, Gäste, Besucher und Teilnehmer der Veranstaltungen bescherten der Gastronomie, den Beherbergungsunternehmen und dem Einzelhandel eine zusätzliche indirekte Wertschöpfung von rund 4,5 Millionen Euro. Alleine knapp 24.000 Übernachtungen lassen sich auf die Veranstaltungstätigkeit der Lokhalle zurückführen. Die CIMA- Studie belegt eindrucksvoll, welche Rolle die Lokhalle als Wirtschaftsfaktor spielt. „Sie trägt dazu bei, 276 Arbeitsplätze zu sichern, 162 davon in der Region Göttingen“, betont GWG-Gesch.ftsführerin Haufe.

Doch nur auf die messbaren wirtschaftlichen Effekte zu schauen, wäre kurzsichtig: Die Lokhalle leistet einen bedeutenden Beitrag zum Standortmarketing. Nicht nur das NDR 2 Soundcheck-Festival mit knapp 4.000 Zuschauern, sondern auch der zehnte Bundesvision Song Contest mit Stefan Raab (Foto) mit rund 3.500 Besuchern sowie Messen und Firmenveranstaltungen haben im Jahr 2014 für eine überregionale, nicht selten bundesweite Sichtbarkeit Göttingens gesorgt. 2,5 Millionen Fernsehzuschauer erreichte zum Beispiel die Live-Übertragung des Bundesvision Song Contests.

„Die CIMA-Studie offenbart auch Handlungsbedarfe, die wir nun ganz konkret angehen“, so Haufe weiter. Gemeinsam mit der Stadt wird eine Lkw-Zufahrt zur Halle geplant, Logistik- und Lagerflächen sollen erweitert und die Parkplätze am Schützenplatz besser angebunden werden. „Auch in der Halle selbst werden wir in Trennwände für noch flexiblere Raumaufteilungen, Verdunkelungs- und andere Veranstaltungstechnik investieren“, ergänzt Nicole Klammer, Prokuristin der Lokhalle. „Wir wollen das Erreichte nachhaltig sichern und die Wettbewerbsfähigkeit der Halle erhalten.“ Auch dem regionalen Beherbergungsgewerbe hat die CIMA-Studie Handlungsbedarf aufgezeigt: Vier bis fünf Veranstaltungsanfragen von großen Produktionen, die in der Lokhalle stattfinden könnten, ziehen jährlich an Göttingen vorbei. Grund sind die nicht ausreichenden Hotelkapazitäten. Der Ausbau dieser standortnahen Kapazitäten wird daher dringend empfohlen. Fehlende Infrastruktur ist ein Kreislauf, der unterbrochen werden muss, um auch bestehende Veranstaltungen künftig noch halten zu können. Nur so kann die Lokhalle zukunftsfähig bleiben.