Logistikimmobilien boomen

©Alciro Theodoro da Silva
Text von: Tobias Kintzel

Es wird fleißig investiert in der Region – Grund genug für die GWG, die Themen Immobilien und Standortqualität ins Zentrum der LogistikTAGUNG Göttingen 2017 zu stellen.

 

Ein Blick auf die stetig steigenden Investitionen in Logistikimmobilien zeigt, dass sich das Profil Göttingens und der Region Südniedersachsen als Logistikstandort kontinuierlich und nachhaltig schärft. „Wir freuen uns, dass wir mit unseren eigenen systematischen Investitionen für die Stadt die Rahmenbedingungen geschaffen haben, um weitere privatwirtschaftliche Investitionstätigkeiten anzuschieben“, sagt Ursula Haufe, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH (GWG). „Ich denke da unter anderem an die Anfangsinvestition für das neue GVZ ‚Logistikpark Siekanger‘ und die Nordanbindung des Güterverkehrszentrums an die Bundesautobahn 7.“

Doch nicht nur seit Langem fest in der Region verwurzelte Logistik­ und Speditionsunternehmen wie die ZUFALL logistics group oder die Krüger Internationale Spedition investieren, sondern auch produzierende Unternehmen wie etwa der global agierende Saatgutspezialist KWS Saat SE (siehe Kasten).

Dass Südniedersachsen auch für nicht aus der Region stammende Unternehmen ein interessanter Logistikstandort ist, zeigt nicht zuletzt die Entscheidung des international aktiven Projektentwicklers für Gewerbeimmobilien VGP, am Siekanger einen neuen Gewerbepark zu entwickeln.

Die in Deutschland stark wachsende Gruppe wird auf einem 140.000 Quadratmeter großen Grundstück eine vermietbare Fläche von mehr als 81.000 Quadratmetern schaffen – mit kleineren Einheiten und maßgeschneiderten Lösungen für große
Logistikbetriebe.

Diese rege Investitionstätigkeit war für die GWG und das L|MC Logistik und MobilitätsCluster Göttingen | Südniedersachsen Grund genug, künftige Anforderungen an Logistikimmobilien und die Qualität des Standortes thematisch in das Zentrum der LogistikTAGUNG Göttingen 2017 zu stellen. „Wir konnten hochkarätige Referenten gewinnen, die aktuelle Trends und Bedürfnisse aus Nutzersicht beleuchtet haben“, so GWG­-Geschäftsführerin Haufe.

Zu Beginn der Tagung klärte Uwe Veres Homm von der Fraunhofer­Arbeitsgruppe SCS die Frage, ob Logistikansiedlungen ,Flächenfresser‘ oder Wirtschaftsfaktor sind, und Kuno Neumeier von Logivest referierte im Anschluss über Trends im Bereich der Logistikimmobilien für Produktion­ Handel­Logistikdienstleister. Julia Klußmann von VGP Industriebau stellte den neuen Multi­User­ Logistikpark am Siekanger vor, und Steffen zur Linde von der GOLDBECK Nord setzte sich mit Trends und Bausystemen für Logistikimmobilien auseinander. „Zusammen mit den anschließenden Besichtigungen von drei Logistikstandorten hier in Göttingen konnten sich die Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet ein umfassendes Bild der Logistikregion machen“, erklärt Haufe.

Zu diesem umfassenden Bild gehören sicherlich die Multimodalität und die wettbewerbsfähigen Cut­off­Zeiten. Multimodalität beschreibt die Möglichkeit, mehrteilige Transportketten umzusetzen, in denen Güter mit zwei oder mehreren unterschiedlichen Verkehrsträgern bewegt werden. Die ‚Cut off‘Zeit bezeichnet den Zeitpunkt, zu dem eine Bestellung oder eine Ware bei einem Logistiker sein muss, um sie innerhalb eines mit dem Kunden definierten Zeitraumes ausliefern zu können. Hier profitieren Kunden von der hervorragenden Lage der Region, aus der Deutschland und Teile Europas innerhalb von 24 Stunden bedient werden können. Die kurzen Wege zu den Flughäfen Frankfurt, Leipzig, Hannover und Köln sowie zu den Häfen Hamburg und Bremen tragen dazu bei.

„Für die Zukunft wollen wir der Logistik regional noch mehr Flächen zur Verfügung stellen, zum einen zusammen mit Rosdorf und zum anderen durch Einbeziehung der Area 3 in Bovenden/Nörten­Hardenberg“, sagt Haufe überzeugt und gibt damit die Richtung vor.

Für das L|MC Logistik und MobilitätsCluster sieht sie zudem einen weiteren wichtigen Punkt auf der Agenda: „Wir wollen uns um zusätzliche Stellflächen für Leercontainer am GVZ bemühen. Das Ziel muss sein, noch mehr Verkehr auf die Schiene zu bekommen – und die Potenziale von Stadt und Region gemeinsam zu entwickeln.“

 

Wer investiert was?

Fünf Millionen Euro nimmt allein die ZUFALL logistics group im ‚Logistikpark Siekanger‘ für das erst 2014 eingeweihte Logistik Center DISTRIBO GmbH in die Hand. Für das Joint Venture des Logistikdienstleisters und des Pharma­ und Laborzulieferers Sartorius AG wird die Hallen fläche bis Herbst 2017 um 10.000 auf 25.000 Quadratmeter erweitert.

Eine zusätzliche Sammelgut­Umschlaghalle lässt die Krüger Internationale Spedition an ihrem Standort in der Industriestraße in Göttingen Grone bauen. Die neue Halle, für deren Bau Mitte Mai der Startschuss fiel, soll knapp eine Million Euro kosten und schon im Oktober bezugsfertig sein.

Bereits fertiggestellt ist die Halle VII des neuen Logistikzentrums der KWS Saat SE in Einbeck, die eine Fläche von mehr als 5.200 Quadratmetern hat – dreieinhalb Millionen Euro wurden in den Bau investiert. Auf der gegenüberliegenden Seite, östlich der Otto­Hahn­Straße, wird noch in diesem Jahr ein zusätzliches Lager mit einer Fläche von mehr als 2.300 Quadratmetern errichtet werden.